Das waren meine persönlichen Musical-Highlights 2025
Das Jahr 2025 liegt hinter uns, also blicke ich zurück auf die vergangenen zwölf Monate, in denen ich neben Konzerten, Shows, Sprechtheaterstücken, Opern und Operetten auch wieder einige Musicals gesehen habe. Insgesamt komme ich dieses Mal auf 46 Musicalvorstellungen – acht mehr als im Vorjahr. Bei meiner persönlichen Top-10-Liste habe ich wie immer auf eine Gewichtung oder Platzierung verzichtet. Die Reihenfolge dieser Liste entspricht dabei der Reihenfolge, in der ich die Stücke besucht habe.

„Elisabeth“ auf Tour
Die halbszenische Schönbrunn-Version von „Elisabeth“ auf Tour war wahrscheinlich eine der besten und zeigte letztendlich, dass das Musical auch ohne großes Bühnenbild exzellent funktioniert. Die verdichtete Erzählung, die kluge Inszenierung und die herausragende musikalische Umsetzung machten den Besuch zu einem intensiven Erlebnis.

„Catch me if you can“ in Bremerhaven
Die Inszenierung von „Catch me if you can“ am Stadttheater Bremerhaven war temporeich, voller Witz und dennoch mit feiner Personenzeichnung versehen. Jede Szene brachte neue Überraschungen, hielt bei dem Katz-und-Maus-Spiel die Spannung hoch und sorgte abwechselnd für genauso heitere wie spannende Momente. Ein rauschendes Vergnügen!

„School of Rock“ in Osnabrück
Es war laut, es war wild, es war grandios: Das Musical-Amateurprojekt Osnabrück brachte mit seiner Inszenierung von „School of Rock“ das Auditorium zum Beben. Vor allem die Kinder auf der Bühne konnten restlos begeistern. Ein mitreißender Abend, der das Publikum vom ersten Gitarrenriff an begeisterte – fast so, wie es in einem Song in der Show heißt: „Raste einfach aus!“

„Thrill me“ in Osnabrück
„Thrill me“, eine Eigenproduktion zweier Musical-Studierender am Institut für Musik Osnabrück, war keine leichte Unterhaltung. Es war ein beklemmendes, psychologisch hoch komplexes Kammerspiel, das sich in die Gedanken des Publikums grub. Die Inszenierung bestach durch herausragende darstellerische Leistungen von Christoph Gründinger und Rinus Render, eine großartig durchdachte Umsetzung und eine musikalische Präzision, die dem Werk vollends gerecht wurd. So konnte man das Musicalgenre einmal in seiner tiefsten, dunkelsten Form erleben.

„Titanic“ in Tecklenburg
Was mit „Titanic“ auf die Tecklenburger Freilichtbühne gezaubert wurde, war keine bloße Nacherzählung einer bekannten Tragödie, sondern ein fein orchestriertes Bühnenkunstwerk. Jeder Moment war durchdacht, jedes Detail bedeutungsvoll. Und so sah man am Ende nicht nur ein Schiff untergehen, sondern mit ihm eine ganze Welt.

„Jesus Christ Superstar“ in Berlin
Die Komische Oper Berlin zeigte „Jesus Christ Superstar“ in einer herausragenden Neuinszenierung. Das war ein Abend, der seine Stärken in der kongenialen Verbindung von Pop-Ästhetik und theatraler Präzision fand: Das Musical im Hangar 4 des ehemaligen Flughafens Tempelhof war groß und überbordend, aber nicht oberflächlich. Wer Hymnen, explizite Bilder und Eigensinn suchte, erlebte hier eine eindringliche, handwerklich feine und mutige Lesart eines Klassikers.

„Dear Evan Hansen“ auf Niederlande-Tour
Mit der niederländischen Erstaufführung von „Dear Evan Hansen“ brachte Medialane eines der erfolgreichsten zeitgenössischen Musicals erstmals auf Tour durch die Niederlande. Dabei entfaltete sich ein berührendes, klug inszeniertes Stück über Einsamkeit, Identität und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Ein tränenreicher Musicalbesuch!

„Mrs. Doubtfire“ in Düsseldorf
„Mrs. Doubtfire“ am Capitol Theater Düsseldorf war für mich mehr als eine nostalgische Bühnenadaption eines geliebten Films. Es war ein modernes, bewegendes, unglaublich unterhaltsames Musical, bei dem Humor und Emotionen sehr nah beieinander lagen. In einer Szene weinte ich vor Lachen, in der nächsten vor Rührung – und Thomas Hohler in der Rolle seines Lebens war eine einzige Offenbarung! Von allen Musicals, die ich 2025 gesehen habe, war „Mrs. Doubtfire“ definitiv die beste Show.

„Ghost“ auf Tour
Showslot schickte das Musical „Ghost“ erneut auf Tour – und man ahnte schon nach wenigen Minuten: Diese Wiederaufnahme war nicht die Rückkehr eines bekannten Hits, sondern seine eindrucksvolle Weiterentwicklung. Das teilweise neu besetzte Kreativteam hatte die Produktion grundlegend überarbeitet, und was hier nun über die Bühne ging, wirkte frischer, moderner und in seiner emotionalen Wirkung tiefgreifender als die Version vor zwei Jahren.

„Das Glück ist eine Orange“ in Detmold
Drei Tage vor Jahresende dann noch diese Überraschung! Manchmal gibt es diese Abende, an denen man ins Theater geht, ohne hohe Erwartungen zu haben oder zu wissen, was einen erwartet – und dann erlebt man ein Stück, das die Geschichte der Sinalco-Limonade nicht als Werbeshow präsentiert, sondern als erstaunlich vielschichtige Auseinandersetzung mit deutscher Industriegeschichte, moralischer Verantwortung und persönlicher Verstrickung. Dass ausgerechnet eine Brause zum Ausgangspunkt eines großen Musiktheaterabends wird, hätte ich nicht für möglich gehalten. Schön, wenn man so überrascht wird!

Außerdem empfehlenswert
Nicht in meine Top 10 geschafft haben es diese Musicals, die dennoch äußerst sehenswert waren: „Wie im Himmel“ in Osnabrück, „& Julia“ in Hamburg, „1648 – Macht. Liebe. Intrige.“ in Osnabrück, „Die Päpstin“ in Fulda, „Joseph“ in Lohne, „Kein Pardon“ in Hamburg und Kloster Oesede, „Das Spongebob-Musical“ in Kloster Oesede, „Into the Woods“ in Osnabrück, „The Mad Ones“ in Hildesheim und „Pretty Woman“ auf Tour.
Text: Dominik Lapp
