Gesperrte Sitzplätze (Foto: Dominik Lapp)
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Wie ein Theater- oder Konzertbesuch in Corona-Zeiten abläuft

Endlich. Theater und andere kulturelle Spielstätten öffnen wieder. Einige Theater, die wegen der Corona-Pandemie monatelang schließen mussten, haben schon am Ende der letzten Spielzeit noch einmal kurzzeitig geöffnet, beispielsweise in Osnabrück zum „Welcome back“-Konzert oder in Münster zum „Auftakt!“-Konzert.

Im sich jetzt zu Ende neigenden Sommer wurden kurzerhand Veranstaltungen auf die Beine gestellt wie das Pop-up-Festival in Wetzlar, Kleinkunst-Abende auf dem Kulturgut Hasselburg, Open-Air-Musical-Konzerte in Augsburg, ein Sommer-Musical in Detmold, ein Open-Air-Oratorium in Hannover, ein großes Alternativprogramm zu den Festspielen in Bad Hersfeld oder ein Musical im Hildesheimer Autokino.

Nun aber, mit Beginn der Spielzeit 2020/2021, öffnen viele weitere Stadt- und Staatstheater sowie einige privat betriebene Häuser. Doch ein Theaterbesuch läuft nicht mehr so ab wie vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Als Ende Mai die ersten Theater, die seit 13. März 2020 geschlossen waren, wieder öffneten, war ich einer der ersten Besucher, die unter Einhaltung der Corona-Regeln wieder in einem Zuschauerraum sitzen durften.

Aktuell komme ich schon wieder auf 16 Vorstellungen in Musical, Oper, Schauspiel und Konzert, die ich zwischen Mai und August besucht habe. Ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht in den verschiedenen Theatern und Bundesländern und möchte nachfolgend die wichtigsten Fragen beantworten, wie ein Theater- oder Konzertbesuch in Corona-Zeiten abläuft.

Wie sieht das Hygienekonzept in den Theatern und Spielstätten aus?
Die jeweiligen Konzepte unterscheiden sich von Theater zu Theater und von Bundesland zu Bundesland. Die allgemein gültigen Corona-Regeln werden jedoch eingehalten. Im Theater gilt wie beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Menschen sowie das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Außerdem müssen die Hände desinfiziert oder gewaschen werden. Wer Krankheitssymptome hat, wird außerdem gebeten, zu Hause zu bleiben. In Amsterdam habe ich es sogar erlebt, dass verschiedene Symptome am Eingang abgefragt wurden. Nur wer wahrheitsgemäß alle Fragen mit Nein beantwortet hat, wurde reingelassen.

Außerdem werden im Zuschauerraum nicht mehr alle Plätze belegt, viele Theater nutzen nur noch etwa 25 Prozent ihrer Platzkapazitäten. Zur Nachverfolgung möglicher Infektionsketten müssen außerdem die Kontaktdaten im Theater hinterlegt werden. Dies kann bei einigen Häusern schon bei der Buchung erledigt werden, andere Theater stellen auf ihrer Webseite ein Kontaktformular zum Download bereit, das ausgefüllt beim Einlass abgegeben werden muss. Oftmals kann das Formular aber auch noch vor Ort ausgefüllt werden.

Wie steht es um den Datenschutz hinsichtlich des Kontaktformulars?
In der Regel werden die Kontaktformulare vier Wochen aufbewahrt, um sie im Falle einer bekannt gewordenen Infektion an das Gesundheitsamt weitergeben zu können. Nach vier Wochen werden die Formulare vernichtet. Einige Theater haben die Eintrittskarten deshalb personalisiert und kontrollieren am Einlass nicht nur das Ticket, sondern auch den Personalausweis, um sicherzugehen, dass auch nur die bei der Buchung angegebenen Personen das Theater betreten.

Wie läuft die Ticketbuchung in Corona-Zeiten ab?
Unterschiedlich. Einige Theater verkaufen Tickets nur noch telefonisch und an der Theaterkasse, haben also die platzgenaue Onlinebuchung abgeschafft. Es gibt aber auch Häuser, die weiterhin die Onlinebuchung anbieten und entsprechend angepasste Saalpläne verwenden, bei denen nur noch ein Bruchteil der verfügbaren Plätze buchbar ist. Wieder andere Spielstätten lassen nur noch die Buchung einer bestimmten Platzkategorie zu, während die Plätze erst am Tag der Vorstellung zugeteilt werden. Beim Theater Münster kann man zum Beispiel nur eine Reihe buchen, aber keinen bestimmten Platz in dieser Reihe. Die Zuteilung auf die Plätze erfolgt vor Ort durch das Saalpersonal, wobei die Plätze in der Reihenfolge des Eintreffens der Zuschauer von der Mitte einer Reihe ausgehend nach außen besetzt werden.

Bühne (Foto: Sabrina Lapp)

Was hat sich am Ablauf im Theater vor, während und nach der Vorstellung für das Publikum verändert?
Einige Theater drucken Zeitfenster für den Einlass auf die Eintrittskarten, um besser steuern zu können, dass nicht zu viele Menschen zur gleichen Zeit ihre Plätze einnehmen. Im Landestheater Detmold war es bei einer um 16.00 Uhr beginnenden Vorstellung so, dass alle Besucher mit einem A auf dem Ticket um 15.30 Uhr ihre Plätze einnehmen mussten, Besucher mit einem B um 15.40 Uhr und Besucher mit einem C um 15.50 Uhr. Beim Musical „Die letzten fünf Jahre“ in Wetzlar wurde es ähnlich gehandhabt. Je nach Sitzplatz bekam man ein anderes Zeitfenster zugewiesen.

Neben solch einem Einlassmanagement gibt es oftmals auch ein Auslassmanagement, so dass die einzelnen Gruppen nur nacheinander den Saal verlassen dürfen. An einigen Häusern wurde sogar explizit darauf hingewiesen, dass der Saal während der Vorstellung nicht verlassen werden darf oder dass beim Verlassen ein Wiedereinlass nicht möglich ist. Oftmals gibt es außerdem speziell markierte Eingänge und Laufwege, in Münster zum Beispiel durch Nummern gekennzeichnet, in Amsterdam durch Farben.

Einige Häuser wie das Theater Bielefeld haben die Garderoben und die Gastronomie im Foyer geschlossen, damit es dort nicht zu Menschenansammlungen kommt und die im Theater eintreffenden Personen direkt ihre Plätze einnehmen. Jacken dürfen mit in den Saal genommen werden. Andere Häuser wie das Landestheater Detmold verkaufen weiterhin Getränke im Foyer. Damit es dort nicht zu Menschenansammlungen kommt, dürfen die Getränke zum Sitzplatz mitgenommen werden. Die Sanitärräume dürfen zudem nur von einer bestimmten Anzahl von Menschen gleichzeitig oder auch nur einzeln betreten werden, in einigen Häusern ist jede zweite Toilette und jedes zweite Waschbecken gesperrt.

Muss die Mund-Nasen-Bedeckung während der Vorstellung getragen werden?
Das ist von Theater zu Theater unterschiedlich. Im Theater Osnabrück musste noch im Juni die Maske während eines 70-minütigen Konzerts getragen werden, mit Beginn der Spielzeit 2020/2021 wurde diese Regel aber ausgesetzt, so dass man die Maske jetzt abnehmen darf, sobald man seinen Sitzplatz eingenommen hat. Bei der Staatsoper Hannover oder dem Theater Bielefeld darf die Maske erst mit Beginn der Vorstellung abgenommen werden. In allen anderen Spielstätten, die ich in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Schleswig-Holstein und in Amsterdam besucht habe, durfte die Maske unmittelbar nach Einnehmen des Sitzplatzes abgenommen werden. Sobald man den Sitzplatz verlässt, muss die Maske aber wieder aufgesetzt werden. Das Gesundheitsamt kann zudem anordnen, dass die Maske während der gesamten Veranstaltung getragen werden muss – dies wird das betroffene Theater dann entsprechend kommunizieren. Fakt ist: Eine Alltagsmaske gehört aktuell zum Besuch einer kulturellen Veranstaltung immer dazu und sollte, genauso wie die Eintrittskarten, nicht zu Hause vergessen werden.

Bleiben während der Vorstellung die Saaltüren zum Lüften geöffnet, um die Anreicherung von Aerosol zu verhindern?
Bei den von mir besuchten Vorstellungen blieben die Saaltüren während der Vorstellung nicht geöffnet, weil sonst das vom Foyer in den dunklen Saal scheinende Licht stören würde. Vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause wurde jedoch gelüftet. Viele Theater verfügen außerdem über Belüftungsanlagen oder bieten nur kurze Vorstellungen an, damit die Zuschauer nicht zu lange dem Aerosol im Saal ausgesetzt sind. Es gibt zudem Häuser, die darum bitten, beim Schlussapplaus auf Bravo-Rufe, lautstarkes Jubeln oder Johlen zu verzichten, damit die Besucher nicht unnötig Aerosolpartikel ausstoßen.

Was bedeutet es, wenn eine Vorstellung als Corona-Version gekennzeichnet ist?
Das bedeutet, dass ein Theaterstück so inszeniert oder uminszeniert wurde, dass dabei die Corona-Regeln auf der Bühne eingehalten werden. Es muss zwischen den Mitwirkenden auf der Bühne der Mindestabstand eingehalten werden, es gibt demnach keinen Körperkontakt, keine Küsse, keine Umarmungen, es wird sich nicht die Hand gegeben. Wenn gesungen wird, muss noch größerer Abstand gehalten werden. Requisiten dürfen nur von einer Person benutzt werden. Wenn allerdings der Hautkontakt durch Schutzkleidung oder Handschuhe ausgeschlossen werden kann, ist eine Benutzung von Requisiten durch mehrere Personen möglich.

Bei der Kinderoper „Die Prinzessin auf der Erbse“ am Landestheater Detmold wurde die Corona-Pandemie insofern in die Handlung integriert, dass auch Sängerinnen und Sänger (außer beim Singen) einen Mundschutz oder Handschuhe tragen, während die Amme alles putzt und desinfiziert – das kann man befremdlich finden, hat in diesem Fall aber sehr gut gepasst, weil es sich zum Running Gag entwickelt hat. Auch das Musical „Der kleine Horrorladen“ ist in Detmold in einer Corona-Version zu sehen. Dort kommen keine Requisiten zum Einsatz, es gibt keinerlei Berührungen, Abstände werden auf der Bühne eingehalten, indem sich nur innerhalb markierter Bereiche bewegt wird.

Bei „Die spinnen, die Römer“ in Bielefeld werden ebenfalls Abstände auf der Bühne eingehalten, Requisiten werden nur mit Tüchern berührt. In Magdeburg wurde das Musical „3 Musketiere“ so uminszeniert, dass es keinerlei Berührungen mehr gibt. Das Liebespaar im Stück tauscht nur noch Luftküsse aus, bei Tanz- und Fechtszenen kommen Tücher zum Einsatz, die Mund und Nase bedecken – das alles wirkt, als sei es von Anfang an so inszeniert worden.

Wurde die Programmgestaltung wegen Corona angepasst? Gibt es eine Pause?
Die meisten Theater haben ihr Programm tatsächlich wegen Corona angepasst. Das Theater Bielefeld spielt zum Beispiel ohne Pause (also besser vor der Vorstellung noch einmal die Toilette besuchen). Es gibt aber auch Häuser, die vorerst nur Einakter spielen, also Stücke, die ohnehin nicht länger als 60 bis 90 Minuten dauern. Andere Theater setzen jetzt vermehrt auf konzertante Aufführungen, zeigen Stücke also ohne Bühnenbild, Kostüme und Regie, oder verzichten auf groß besetzte Stücke mit Chor.

Spotlights (Foto: Dominik Lapp)

Es kommt zudem vor, dass Stücke gekürzt werden, indem man auf einzelne Lieder / Szenen oder sogar auf ganze Akte verzichtet. Hier ist es ratsam, sich im Vorfeld zu erkundigen, um keine böse Überraschung zu erleben. In der Regel veröffentlichen die Theater solche Informationen als „Corona-Version“, „konzertante Aufführung“, „gekürzte Fassung“ oder ähnlich auf ihren Webseiten.

Sind die Eintrittspreise günstiger, wenn ein Stück nur konzertant oder gekürzt aufgeführt wird?
Das ist mir bislang nicht aufgefallen. Im Grunde müssten die Theater in diesen Zeiten sogar den doppelten bis dreifachen oder einen noch höheren Eintrittspreis verlangen, um das Defizit auszugleichen, das leider entsteht, weil nicht mehr alle Plätze im Saal verkauft werden dürfen. In der Regel sind die Ticketpreise jedoch unverändert, also weder günstiger noch teurer als vor der Corona-Pandemie.

Wie wird der Abstand im Orchester gewahrt?
Hier habe ich mehrere Szenarien erlebt. Bei einem kleinen Theater wurde die Musik digital zugespielt, also komplett auf Livemusiker verzichtet. Ich habe es aber auch erlebt, dass Musiker durch Plexiglasscheiben voneinander getrennt wurden. Ein weiteres Szenario war die Verkleinerung des Orchesters, so dass weniger Musiker im Orchestergraben waren und dadurch mit ausreichendem Abstand zueinander saßen. Was ich zudem erlebt habe, war ein Orchester, das auf beziehungsweise hinter der Bühne platziert wurde, weil dort mehr Platz ist als im Graben.

Muss ich Angst vor einem Theater- oder Konzertbesuch haben?
Ich kann nur für mich sprechen. Aber nach den letzten 16 Theater-/Konzertbesuchen während der Pandemie kann ich sagen, dass ich mich jederzeit sicher fühlte, weil mich die angewandten Hygienekonzepte überzeugten und sich Publikum wie Theatermitarbeiter vorbildlich verhalten haben.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und das Streaming-Konzert "In Love with Musical".

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