„Die Zauberflöte“ bleibt der Publikumsmagnet: Diese Opern bestimmen Deutschlands Spielpläne
Mozart gegen Humperdinck, Verdi gegen Puccini – und dazwischen ein Opernrepertoire, das sich auch in der Spielzeit 2024/2025 stark auf die großen Klassiker stützt. Die neue Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins zeigt, welche Opern an deutschen Bühnen besonders häufig inszeniert und gespielt wurden. Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ erreicht bei der Zahl der Inszenierungen den ersten Platz. Beim Publikum allerdings bleibt Mozarts „Zauberflöte“ nahezu konkurrenzlos.
„Hänsel und Gretel“ übernimmt die Spitze bei Inszenierungen
30 Inszenierungen von „Hänsel und Gretel“ liefen in Deutschland in der Saison 2024/2025. Damit führt Humperdincks Märchenoper die Statistik an. „Die Zauberflöte“ kommt im Opernkapitel auf 23 Inszenierungen und teilt sich damit den zweiten Rang mit Georges Bizets „Carmen“. Dahinter folgen Giuseppe Verdis „La Traviata“ mit 22 sowie Giacomo Puccinis „La Bohème“ mit 20 Inszenierungen. Mozarts „Don Giovanni“ wurde 19-mal inszeniert, Puccinis „Tosca“ 18-mal.
Die Zahlen machen deutlich, wie fest der Kanon die deutschen Opernspielpläne weiterhin prägt. Unter den zehn am häufigsten inszenierten Werken finden sich außerdem Mozarts „Le Nozze di Figaro“, Richard Wagners „Der Fliegende Holländer“, Puccinis „Madama Butterfly“ und Richard Strauss’ „Salome“. Neue Werke können in der Breite mit dieser Repertoiremacht nicht konkurrieren.
Mozart wird am häufigsten gespielt
Der Blick auf die Komponisten verschiebt das Bild allerdings. Giuseppe Verdi liegt mit insgesamt 84 Inszenierungen seiner Werke vor Mozart mit 80 und Puccini mit 69. Es folgen Wagner mit 51 und Richard Strauss mit 35. Doch sobald nicht die Zahl der Produktionen, sondern die Vorstellungen betrachtet wird, übernimmt Mozart die Führung: Seine Opern kamen auf insgesamt 626 Aufführungen, Verdis Werke auf 608 und Puccinis auf 502.
Dass Mozart trotz weniger Inszenierungen häufiger gespielt wird als Verdi, hat wesentlich mit einem Werk zu tun: „Die Zauberflöte“. Keine andere Oper erreicht in Deutschland eine vergleichbare Aufführungszahl.
243-mal „Die Zauberflöte“
Insgesamt 243 Aufführungen verzeichnet die Werkstatistik für „Die Zauberflöte“ innerhalb der Sparte Oper. Damit liegt das Werk deutlich vor „Hänsel und Gretel“, das trotz seiner 30 Inszenierungen auf 214 Vorstellungen kommt. Es folgen „La Traviata“ mit 182, „Carmen“ mit 171 und „La Bohème“ mit 163 Aufführungen. Mozarts „Don Giovanni“ bringt es auf 120 Vorstellungen.
Damit zeigt sich eine Besonderheit: Während „Hänsel und Gretel“ an mehr Bühnen vertreten ist, werden die einzelnen „Zauberflöten“-Inszenierungen im Schnitt häufiger angesetzt. Mozarts 1791 uraufgeführtes Werk bleibt damit ein verlässlicher Dauerbrenner der deutschen Opernhäuser.
Mehr als 230.000 Besuche für Mozarts Klassiker
Noch deutlicher wird die Ausnahmestellung beim Publikum. 230.052 Besuche weist die Statistik für „Die Zauberflöte“ aus. „Hänsel und Gretel“ folgt mit 154.415 Besuchen, „La Traviata“ mit 151.644. „Tosca“ erreicht 119.028, „Carmen“ 117.050 und „La Bohème“ 105.685 Besuche.
Rechnerisch entspricht das bei 243 Vorstellungen der „Zauberflöte“ im Schnitt knapp 947 Besuchen pro Aufführung. Bei „Hänsel und Gretel“ sind es rund 722. Die Zahlen sind zwar keine Auslastungsquoten, weil man dafür die jeweiligen Platzkapazitäten berücksichtigen müsste, aber sie zeigen, welche enorme Reichweite Mozart mit seinem Werk erzielt.
Verdi hat insgesamt das größte Publikum
Auf Komponistenebene muss Mozart dennoch Verdi den Vortritt lassen. Die Werke des Italieners kamen in Deutschland zusammen auf 494.023 Besuche. Mozart erreicht 437.529, Puccini 355.332 und Wagner 253.124. Humperdinck liegt mit 161.182 Besuchen auf Rang fünf. Bemerkenswert ist dabei, wie stark Humperdincks Ergebnis von einem einzigen Werk geprägt wird: Allein „Hänsel und Gretel“ steht für den weitaus größten Teil seines Publikums.
Bei Mozart verteilt sich die Nachfrage breiter. Neben der „Zauberflöte“ gehören „Don Giovanni“ und „Le Nozze di Figaro“ zu den häufig gespielten Werken. Dennoch entfällt mehr als die Hälfte aller für Mozart registrierten Opernbesuche auf die „Zauberflöte“.
Ein Kanon, der funktioniert
Die Werkstatistik zeichnet damit das Bild einer Opernlandschaft, deren größte Publikumserfolge weiterhin aus dem historischen Repertoire stammen. Mozart, Verdi und Puccini dominieren bei Inszenierungen, Vorstellungen und Besuchen. Wagner und Strauss komplettieren die Spitzengruppe.
Und „Die Zauberflöte“ behauptet darin eine Sonderstellung. Zwar ist sie nicht die am häufigsten inszenierte Oper der Saison. Doch kein anderes Werk wird häufiger gespielt und von mehr Menschen gesehen. Prinz Tamino, Papageno und die Königin der Nacht bleiben damit auch mehr als 230 Jahre nach der Uraufführung verlässliche Größen im deutschen Opernbetrieb.
Grundlage der Zahlen ist die Werkstatistik 2024/2025 des Deutschen Bühnenvereins. 371 Theater aus Deutschland beteiligten sich an der Erhebung, berücksichtigt wurden Eigen- und Koproduktionen, darunter Premieren, Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen. Gastspiele fremder Ensembles am jeweiligen Haus fließen nicht ein. Der Bühnenverein weist darauf hin, dass die Statistik auf den Meldungen der Theater beruht und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Text: Dominik Lapp