„Das Land des Lächelns“ (Foto: Landestheater Detmold / Marc Lontzek)
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Schöne Walzerseligkeit: „Das Land des Lächelns“ in Detmold

Von Anfang an vom Publikum gut aufgenommen und bis heute noch immer an vielen Theatern gespielt – das ist Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“, sein zweiterfolgreichstes Werk nach der „Lustigen Witwe“. Am Landestheater Detmold ist die romantische Operette jetzt in einer Neuinszenierung von Guta G. N. Rau zu sehen, die auch in einer coronagerechten Umsetzung und Orchestrierung vollkommen begeistern kann.

Ein herrlich kitschiges Werk wie „Das Land des Lächelns“ mit seiner walzerseligen Musik kann ohnehin nichts erschüttern – nicht einmal eine Pandemie. Obwohl das Orchester reduziert und kein Chor auf der Bühne zu sehen ist, überzeugt die Produktion musikalisch auf allen Ebenen. Mit Ernst und Sorgfalt widmet sich György Mészáros der Partitur und dirigiert das Symphonische Orchester Detmold mit flotter Hand. Dabei lässt er die getragenen Passagen schön schwingen und die großen Melodien glühen.

Dieser musikalisch positive Eindruck wird optisch exzellent unterstrichen durch eine sehenswerte und zu den Handlungsorten passenden Ausstattung. So entführt das funktionale Bühnenbild von Markus Meyer das Publikum zunächst in einen Wiener Salon und dann in einen chinesischen Palast. Als wahre Augenweide erweisen sich außerdem die Kostüme von Maren Steinebel, die sich in strahlenden Farben und hochwertigen Stoffen ausgetobt hat.

In ihrer Inszenierung schafft Regisseurin Guta G. N. Rau eine Mischung aus wienerischem Charme und Chinoiserie, was sich als Garant für Schmelz und Witz erweist. Sie zeigt die Geschichte von der österreichischen Gräfin Lisa und dem chinesischen Prinzen Sou-Chong als ein Gleichnis über die Unmöglichkeit der Liebe über kulturelle Grenzen hinweg. Darin gelingen ihr ausdrucksstarke, glaubwürdige und berührende Szenen, die sie bildstark erzählt. Die Liebe auf Distanz zwischen Lisa und Sou-Chong wird in der Choreografie von Kirsteen Mair treffend weitertransportiert. Deshalb wirkt es auch keineswegs befremdlich, dass die Mitglieder der Wiener Festgesellschaft im ersten Akt mit entsprechender Distanz zueinander tanzen.

Durchweg stark ist zudem die Besetzung. Insbesondere Ji-Woon Kim erweist sich als Idealbesetzung für den Prinzen Sou-Chong. In dieser großen Rolle steht Kim fast durchgehend auf der Bühne und meistert seine große Partie mit Bravour. Schauspielerisch immerzu hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Neigung, dabei stimmlich großartig auftrumpfend mit seinem betörend starken Tenor, gelingt ihm eine fantastische Rollenzeichnung. Für die leidenschaftliche Interpretation seiner Arien – insbesondere natürlich für den Gassenhauer „Dein ist mein ganzes Herz“ – wird er vom Publikum völlig verdient gefeiert. Ebenfalls eine begeisternde Leistung vollbringt Emily Dorn in der Rolle der Gräfin Lisa. Mit ihrem strahlenden Sopran, einer phänomenalen Ausstrahlung und kokettem Spiel glänzt sie zu jeder Zeit.

Doch auch das Buffo-Paar lässt nichts zu wünschen übrig. So gibt Rebecca Oh Sou-Chongs Schwester Mi mit soubrettenhaftem Charme und überbordendem Spiel, wohingegen Jakob Kunath seinem Gustl die nötige Portion Humor und Charme verleiht. Als Onkel Tschang lässt Irakli Atanelishvili mit seinem profunden Bass aufhorchen und strahlt schauspielerisch die erforderliche Autorität aus, die diese Rolle ausmacht. Den krassen Gegenpol dazu stellt Dorothee Bienert dar, die als bestechlicher Obereunuch durch ihren Spielwitz viele Lacher auf ihrer Seite hat.

Insgesamt verspricht „Das Land des Lächelns“ in Detmold somit einen kurzweiligen Operettenabend mit schöner Walzerseligkeit, optischer Opulenz, fantastischen Sängerinnen und Sängern sowie einem exzellent aufspielenden Orchester in einer sehenswerten Inszenierung. So funktioniert Operette auch in Zeiten von Corona ganz hervorragend – und das Publikum bedankt sich dafür mit nicht enden wollendem Applaus.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und das Streaming-Konzert "In Love with Musical".

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