„Heldenreise“ mit Bettina Mönch und Dominik Hees
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Balsam für die Seele: Streamingkonzert „Heldenreise“ in Köln

Musik schenkt Kraft und Hoffnung. Das zumindest sagt Moderatorin Julia Schöning zu Beginn des Neujahrskonzerts vom WDR Funkhausorchester (bekannt aus der konzertanten Musicalaufführung „Der Fliegende Holländer“), das wegen der anhaltenden Corona-Pandemie aus dem leeren Saal des Kölner Funkhauses gestreamt wird. Schöning soll Recht behalten. Was folgt, sind anderthalb musikalische Stunden, die tatsächlich Kraft und Hoffnung in dieser schwierigen Zeit spenden. Zu verdanken ist das einem fantastischen Orchester unter der Leitung von Frank Strobel sowie den Gesangssolisten Bettina Mönch und Dominik Hees.

Gemeinsam gehen Orchester, Sängerin und Sänger auf eine „Heldenreise“ – denn diesen Titel trägt das Neujahrskonzert. Sie brechen auf zu Großem, trotzen widrigen Umständen, streben nach einer besseren Welt und liefern dabei eine Show par excellence ab. Auf dem Programm stehen Lieder aus Musicals und Filmen, insbesondere aus dem Hause Disney – aber nicht nur.

Schon bei der stimmigen Eröffnungsnummer – „Under the Sea“ aus „The Little Mermaid“ – wird wieder einmal klar, wie sehr live gespielte Orchestermusik zurzeit fehlt. Der Schmerz über geschlossene Theater und Konzertsäle sitzt tief, doch das WDR Funkhausorchester trägt zur Milderung bei. Wirklich erfüllend ist es, wie der designierte Chefdirigent Frank Strobel seine Musikerinnen und Musiker mit Verve antreibt und sie durch die Partitur Alan Menkens führt.

Nach der instrumentalen Einleitung stellt sich Bettina Mönch mit „How far I’ll go“ aus dem Disney-Film „Vaiana“ und „Popular“ aus dem Musical „Wicked“ dem Publikum an den Bildschirmen vor. Sowohl der Part der Tochter und Nachfolgerin des Stammeshäuptlings als auch die extravagante rosa-plüschige Hexe aus dem Lande Oz stehen ihr dabei ganz hervorragend. Mit ihrem druckvollen Sopran und starker Bühnenpräsenz glänzt Bettina Mönch in beiden Nummern – so wie sie zuletzt auch am Opernhaus Dortmund in den Musicals „Songs for a New World“ und „Jekyll & Hyde“ glänzte.

„Heldenreise“ mit Bettina Mönch und Dominik Hees

Dass er ein exzellenter Sänger ist, beweist Dominik Hees mit „Go the Distance“ aus „Hercules“ und „You’ve got a Friend in me“ aus „Toy Story“. Insbesondere bei dem ersten Song überzeugt Hees mit seinem klaren Gesang und liefert ein glaubwürdiges Bild des Antihelden. Dass sich die Tonregie des WDR entschlossen hat, nach jedem Song Applaus einzuspielen, erweist sich als gute Idee – denn bei den erstklassigen Leistungen aller Beteiligten wäre es geradezu eine Schande, wenn diese in der Stille des leeren Saals erstickt würden. Ohnehin ist der Ton hervorragend und das Bild immerzu scharf – so macht Streaming wirklich Spaß.

Im weiteren Programmverlauf folgen Duette wie der Titelsong aus „Die Schöne und das Biest“ oder „Can you feel the Love tonight“ aus dem „König der Löwen“, bei denen Bettina Mönch und Dominik Hees wunderbar miteinander harmonieren – obwohl sie coronabedingt weit auseinander stehen müssen. Ebenso dürfen sie mit weiteren Soli strahlen. Bettina Mönch schmettert ein grandioses „Let it go“ aus „Frozen“ und liefert eine stimmstarke Interpretation von „Defying Gravity“ aus „Wicked“, Dominik Hees hingegen überzeugt als grüner Oger in den „Shrek“-Nummern und zeigt mit „Friend like me“ aus „Aladdin“ ganz neue stimmliche Facetten.

Auf musikalischen Wolken durch den Abend getragen werden Mönch und Hees vom WDR Funkhausorchester, das die Musiknummern in frischen neuen Arrangements von Michael Fuchs, Christoph König, Matthäus Crepaz, Heiner Schmitz und Florian Ross spielt. Und obwohl die Musikerinnen und Musiker optisch auf Abstand zueinander sitzen, verschmelzen sie akustisch dennoch zu einer Einheit. Wie die einzelnen Instrumentengruppen miteinander harmonieren und aufeinander aufbauen, klingt in jedem Song fantastisch.

Mit „Another Day of Sun“ aus dem Musicalfilm „La La Land“ verabschiedet sich das WDR Funkhausorchester nach insgesamt 17 Songs von seinem Publikum. Aber nicht nur mit diesem letzten Song, sondern mit dem abwechslungsreichen Gesamtprogramm haben die Mitwirkenden für anderthalb Stunden die Sonne aufgehen lassen und das Publikum wenigstens kurzzeitig aus dem lähmenden Zustand der Corona-Pandemie entführt. Ein willkommener Balsam für die Seele.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

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