„Footloose“ (Foto: Dennis Mundkowski)
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Auch im zweiten Jahr genial: „Footloose“ in Hamburg

Das First Stage Theater in Hamburg ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern steht für erstklassige Musicalproduktionen. Das wird auch wieder einmal bei „Footloose“ (Musik: Tom Snow, Songtexte: Dean Pitchford) klar, das aufgrund des letztjährigen Erfolgs jetzt wieder auf dem Spielplan steht und im zweiten Jahr noch immer absolut sehens- und hörenswert ist.

Das Erlebnis beginnt bereits beim Betreten des Saals, den man durch einen dunklen Gang mit graffitiverschmierten Wänden betritt. Das Bühnenbild zieht sich links wie rechts bis ins Auditorium und ermöglicht schon vor Showbeginn ein Treiben in der Stadt Bomont, das zu beobachten ist: Darstellerinnen und Darsteller mischen sich unter Besucherinnen und Besucher, interagieren mit ihnen. An einer Ecke bietet eine Reinigungskraft (großartig: Lorena Dehmelt) Desinfektionsmittel (das gute Zeug!) an, daneben möchte jemand sein Gras loswerden – so wird man direkt in die Handlung hineingezogen, obwohl „Footloose“ noch gar nicht richtig begonnen hat.

Wenn dann der Vorhang hochgeht, gibt dieser den Blick frei auf Backsteinwände, in denen ganz schnell High School, Kirche, Diner oder Wohnung entstehen. Was hier optisch und inszenatorisch geboten wird, ist wirklich großes Kino für so ein kleines Theater. Regisseur Felix Löwy, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, hat zudem die Charaktere wunderbar herausgearbeitet, ihnen Tiefe verliehen und überrascht insbesondere mit der szenischen Umsetzung des Songs „Holding out for a Hero“, wo er Marvel-Held Captain America zwischen Tänzerinnen mit Leuchtstäben in den Farben der amerikanischen Flagge auftreten lässt. Durch das stimmige Lichtdesign und die dynamische Choreografie von Phil Kempster werden Szenen wie diese zusätzlich aufgewertet. Für das Feeling der Achtziger sorgen die authentischen Kostüme von Inga Rössler und Judith Schnittcher.

Eine unglaubliche Energie geht von der Cast – darunter einige Alumni der renommierten Stage School – aus, die sich im Vergleich zum Vorjahr auf manchen Positionen verändert hat. Allen voran ist es Jan Großfeld, der einen smarten Ren McCormack gibt. Ihm gelingt der Spagat zwischen dem aufmüpfigen Rebellen und liebenswerten Nachbarsjungen. Durch seine sicher geführte Stimme wird jeder seiner Songs zu einem Höhepunkt.

Lisa Wissert gibt Ariel Moore als selbstbewusste junge Frau, die ihr Leben und die Jungs in vollen Zügen genießt. Mit „Holding out for a Hero“ hat sie die stärkste Up-Tempo-Nummer des Stücks zu singen, die sie exzellent herausschmettert. Brillant unterstützt wird sie in dieser beeindruckenden Szene von Charlotte Elisabeth Schramm (Wendy Jo), Demy Janssen (Urleen) und Lena-Sophie Pudenz (Rusty).

Pudenz sammelt als naives Blondchen sehr schnell Sympathiepunkte beim Publikum, feiert jede Pointe ihrer Rolle und erweist sich als beachtliches Energiebündel. Aliosha Jorge Ungur mimt dagegen als Willard den liebenswerten Tollpatsch, der mit seinen flachen Gags alle Lacher auf seiner Seite hat und mit „Mama says“ ebenso gesanglich zu überzeugen vermag.

Ganz stark ist zudem Florian Soyka, der als Shaw Moore erst den strengen und unnahbaren Reverend gibt, der zum Schluss doch zeigt, dass sich hinter seiner harten Schale ein weicher Kern verbirgt. Diese Entwicklung gelingt Soyka schauspielerisch wie gesanglich äußerst authentisch und zu Tränen rührend. Ein durchschlagendes Profil weiß außerdem Femke Soetenga der Ehefrau des Reverends zu verleihen. Als Vi Moore überzeugt sie wie gewohnt mit ausdrucksstarkem Schauspiel und einer wunderbar schmeichelnden Stimme.

Für die musikalische Umsetzung sorgt Johannes Hierluksch mit seiner Band, die es exzellent versteht, die bekannten Songs der Achtziger krachend ins Auditorium zu donnern, so dass die Vorstellung mit stehenden Ovationen und nicht enden wollendem Jubel zu Ende geht. Diese Show muss man gesehen haben!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".