„Der Zauberer von Oz“ (Foto: Andrew Hill)
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Herzig: „Der Zauberer von Oz“ in Tecklenburg

Neben den großen Musicals „Sister Act“ und „Der Besuch der alten Dame“ zeigen die Freilichtspiele Tecklenburg dieses Jahr eine herzige Neufassung des Musicals „Der Zauberer von Oz“. Grob basierend auf der Originalgeschichte von Lyman Frank Baum, haben Giorgio Radoja (Musik) und Radulf Beuleke (Libretto) ein kurzweiliges Stück in kindgerechter Länge geschrieben, das wunderbar von Janina Niehus und Jan Altenbockum in Szene gesetzt wurde.

Ein echter Hingucker ist das farbenfrohe Bühnenbild von Jens Janke, das Dorothys Haus in Kansas vor einem blauen Wolkenhimmel zeigt, zur Smaragdstadt Oz umfunktioniert werden kann und selbst den Thronsaal des Zauberers sowie dessen Heißluftballon nicht auslässt.

Ebenso sehenswürdig sind die wunderschönen Kostüme von Janine Hagedorn, die nicht nur die Kinder in niedliche Mümmler und geflügelte Affen verwandelte, sondern auch den Löwen, Blechmann und die Vogelscheuche sowie die Hexen und den Zauberer in strahlend-glitzernde Stoffe gehüllt hat. In Verbindung mit dem gelungenen Maskenbild von Philip Hager wird so das Bild eines hochwertigen Kindermusicals gezeichnet.

Janina Niehus und Jan Altenbockum beweisen als gut eingespieltes Regieteam erneut ein fabelhaftes Gespür sowohl für die Personenregie als auch für große Massenszenen, in die das Kinderensemble hervorragend integriert wurde. Choreografisch haben sie gleichermaßen ansprechend gearbeitet und schöne Bilder geschaffen für das Musical von Giorgio Radoja und Radulf Beuleke.

Radoja hat eine leicht zugängliche, teilweise recht symphonische Musik komponiert, die den einzelnen Charakteren und Szenen eine gute Basis ist. Beuleke hingegen hat es geschafft, die Originalstory von Lyman Frank Baum auf die für ein Kinderstück passende Länge zu kürzen und kindgerecht mit witzigen Texten wiederzugeben.

Besonders lebt „Der Zauberer von Oz“ natürlich vom Ensemble. Hier ist zuallererst Lasarah Sattler zu nennen, die eine hinreißende Dorothy spielt. Sie mimt glaubwürdig das kleine Mädchen aus Kansas und singt mit glockenklarer Stimme. Immer an Dorothys Seite ist ihr Hündchen Toto, dem Jürgen Brehm mit gewitztem Spiel zum Leben verhilft.

Ein großartiges Freunde-Trio geben Jan Altenbockum als Vogelscheuche, Julian Schier als Löwe und Mathias Meffert als Blechmann ab. Mit sauber geführten Stimmen und komödiantischem Talent spielen sie sich gegenseitig die Bälle zu. Eine echte Wucht ist darüber hinaus Jenny Kohl als böse Hexe des Westens, die stimmlich und mit starker Bühnenpräsenz positiv in Erinnerung bleibt.

Doch schauspielerisch und gesanglich nicht weniger beeindruckend sind Esther-Larissa Lach als Hexe des Südens und Tamara Peters als Hexe des Nordens sowie Michael Przewodnik als (Fake-)Zauberer und Philip Hager als Stadtwächter, die in ihrem Zusammenspiel allesamt begeistern und den „Zauberer von Oz“ zu einem insgesamt äußerst sehens- und hörenswerten Musical machen, das Klein und Groß gleichermaßen begeistern kann.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".