Janina Niehus (Foto: Dominik Lapp)
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Janina Niehus im Porträt: Der Weg zur Musicaldarstellerin, Regieassistentin und Regisseurin

Sommernacht der Musicalstars

Im Alter von 14 Jahren hat Janina Niehus ihr erstes Musical gesehen – das war „Jekyll & Hyde“ im Musical Dome Köln. „Danach wusste ich: Das will ich auch machen“, erinnert sie sich heute. Nach ihrer Musicalausbildung an der German Musical Academy, arbeitet die Kreativschaffende inzwischen als Musicaldarstellerin, Regieassistentin sowie Regisseurin und schreibt eigene Showkonzepte.

„Ich habe immer schon gesungen“, erzählt Janina Niehus. Aber das sei im Chor gewesen. Nach dem Musicalbesuch in Köln jedoch, sei sie das alles fokussierter angegangen, habe Gesangsunterricht genommen und dann ein Jahr vor dem Abitur einen Musical-Workshop in Osnabrück absolviert. „Ich komme ja vom Land und wollte mich damals von Profis bewerten lassen. Deshalb habe ich diesen Workshop gemacht.“ Der Workshop ersetzte die Aufnahmeprüfung und Niehus hatte ihren Studienplatz sicher. „Darüber war ich so glücklich, dass ich mich gar nicht mehr bei anderen Ausbildungsstätten beworben hatte“, sagt sie.

Erstes Jobangebot im letzten Ausbildungsjahr

Im letzten Jahr ihrer Ausbildung bekam sie bereits ihr erstes Jobangebot und ging für eine Saison nach Zypern, um dort als Live-Entertainerin zu arbeiten. „Ich hatte eigentlich nur zu Übungszwecken ein paar Auditions gemacht – und dann hat davon direkt etwas geklappt.“ Janina Niehus strahlt immer noch, wenn sie zurückdenkt und davon erzählt. Sie sitzt auf ihrem Sofa in einer westfälischen Kleinstadt nordöstlich von Bielefeld, nimmt einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse. „Der Anruf kam und anderthalb Wochen später war ich schon auf Zypern.“

Janina Niehus (Foto: Dominik Lapp)

Über Nacht brach sie ihre Zelte ab und ging ins Ausland. „Das war auf jeden Fall ein guter Schritt“, sagt die Künstlerin. Während der Ausbildung habe sie zudem schon in den Musicals „In Arbeit“ und „Händlerin der Worte“ sowie in „Pippi Langstrumpf“ bei den Freilichtspielen Tecklenburg gespielt. An die letztere, sehr renommierte Bühne kehrt sie seitdem immer wieder zurück – als Musicaldarstellerin, aber auch als Regieassistentin von Ulrich Wiggers und als Regisseurin für die Familienmusicals.

Auf Zypern viel gelernt

„Für meine Tätigkeit als Regisseurin und Regieassistentin war die Zeit auf Zypern unglaublich wertvoll“, sagt Janina Niehus. Denn dort war sie nicht nur als Darstellerin engagiert, sondern übernahm die Verantwortung für das ganze Theater des Aldiana Club Resorts. „Ich habe da unglaublich viel gelernt, weil man sich um alles kümmern musste, wenn zum Beispiel ein Kostüm oder eine Perücke gerissen ist“, erinnert sie sich. Sie habe dort Dinge gelernt, über die sie vorher nicht nachdachte. „Was bedeutet es, Kostüme rauszuhängen? Was bedeutet es, Proben zu leiten? Wie vermittle ich Künstlerinnen und Künstlern etwas?“ Das sind Fragen, auf die Janina Niehus im Clubresort Antworten fand.

Janina Niehus (Foto: Dominik Lapp)

Später kamen immer mehr Aufgaben für Janina Niehus dazu. „Auf Zypern habe ich meine erste eigene Abendshow konzipiert und mit zwei Darstellerinnen einstudiert“, erzählt sie. Rückblickend ist sie stolz auf das, was sie dort geleistet und gelernt hat. Aber sie weiß auch um den Ruf, der Clubhotels manchmal noch nachhängt. „Ich wurde durchaus belächelt, als ich damals alle Zelte abbrach und nach Zypern ging“, sagt Niehus. „Ich wusste ja selber nicht, was mich erwarten würde. Aber die Theater dieser Clubs sind sehr gut ausgestattet und die Shows sind qualitativ auf einem sehr hohen Niveau.“

Viel mehr als Gäste-Bespaßung

Mittlerweile würde viel stärker auf Live-Unterhaltung gesetzt, sagt sie. Es wird live gesungen, nicht mehr zum Vollplayback. Dazu braucht es entsprechend gut ausgebildete Stimmen. „Generell hat sich der Entertainment-Bereich sowohl in Clubs als auch auf Kreuzfahrtschiffen sehr zum Positiven entwickelt“, sagt die Künstlerin. „Vom Aufwand her könnten die Shows auch von einem großen Theater sein, selbst bekannte Kolleginnen und Kollegen haben inzwischen schon auf einem Schiff gesungen.“

Keine Gäste-Bespaßung mehr am Pool, sondern hochwertige Musik- und Theaterproduktionen kompakt in 45 Minuten – darauf legen immer mehr Club-Produzenten großen Wert. „Es gibt hochwertige Kostüme und Perücken, ein anspruchsvolles Konzept und ausgebildete Sängerinnen und Sänger, die von einem Laien-Ensemble unterstützt werden“, berichtet Janina Niehus. „Es gibt kaum ein Musical, bei dem eine Künstlerin so viel zu singen hat wie in einer 45-minütigen Show bei Aldiana. Dazu muss man unglaublich facettenreich sein.“

Janina Niehus (Foto: Dominik Lapp)

Von Zypern nach Tecklenburg

Zurück von Zypern, spielte Janina Niehus im Sommer 2017 eine Rolle im Familienmusical „Aladin“ bei den Freilichtspielen Tecklenburg. Weil es eine freie Vakanz im Ensemble von „Rebecca“ gab, stieß sie dort ebenfalls dazu – und weil man außerdem noch eine Regieassistentin benötigte, übernahm Niehus auch diesen Posten. „Das hat sich eher zufällig entwickelt. Aber ich habe es auf mich zukommen lassen und bin da reingewachsen“, sagt die Allrounderin, die den renommierten Regisseur Ulrich Wiggers jetzt schon mehrfach in Tecklenburg als Assistentin begleiten durfte. „Das hat irgendwie von Anfang an gepasst und funktioniert“, erinnert sie sich.

Als Regieassistentin ist Janina Niehus nicht nur die rechte Hand des Regisseurs: „Ab dem Tag der Premiere ist die Aufgabe des Regisseurs erledigt und er verlässt die Produktion. Ab diesem Zeitpunkt übernehme ich bei den Vorstellungen die Abendspielleitung und es liegt dann in meiner Hand, die Produktion künstlerisch im Sinne des Regisseurs weiterzuführen“, erklärt sie ihren Aufgabenbereich. Sie ist somit dafür zuständig, dass die Qualität der einzelnen Vorstellungen auf einem hohen Niveau bleibt.

Vielseitigkeit zahlt sich aus

Dass Janina Niehus so ein Allround-Talent ist, kam ihr ebenfalls bei der Musical-Uraufführung „Matterhorn“ am Theater St. Gallen zugute, wo sie dem international tätigen Regisseur Shekhar Kapur assistierte. Und auch im Sommer 2018 zahlte sich ihre Vielseitigkeit aus. Damals übernahm sie bei „Les Misérables“ in Tecklenburg erneut die Regieassistenz an der Seite von Ulrich Wiggers. „Am Anfang war mir natürlich klar, dass ich nicht selber spielen kann, wenn ich als Regieassistentin engagiert bin. Da hat mir auch ein bisschen das Herz geblutet, weil wohl alle mal ‚Les Misérables‘ gespielt haben wollen“, berichtet Niehus.

Janina Niehus (Foto: Dominik Lapp)

Doch es kam anders: Weil eine Darstellerin, bedingt durch eine Schwangerschaft, ausfiel, übernahm Janina Niehus schon kurz nach der Premiere die Ensembleposition der Kollegin. „Es war eine Nacht-und-Nebel-Aktion, weil die Kollegin nicht mehr spielen durfte. Das war anders geplant, aber die Gesundheit ging natürlich vor.“ Dabei kam Janina Niehus zugute, dass sie schon während der Proben viel aufgenommen hatte. „Ich habe teilweise schon die Choreografie gelernt, kannte durch die Beleuchtungsproben viele Positionen, so dass ich in kürzester Zeit einspringen konnte.“

Neues Engagement am Grenzlandtheater Aachen

Im vergangenen Sommer hätte Janina Niehus mit ihrem Kollegen Jan Altenbockum bei den Freilichtspielen Tecklenburg das Familienmusical „Der Zauberer von Oz“ inszenieren sollen. Weil die Produktion jedoch coronabedingt ins nächste Jahr verschoben wurde, war die Künstlerin wieder im Ausland für Aldiana tätig. Inzwischen ist sie zurück und befindet sich in den Endproben für das Musical „Spatz und Engel“ am Grenzlandtheater Aachen. Es ist abermals eine Zusammenarbeit mit Ulrich Wiggers, dieses Mal allerdings nicht als seine Regieassistentin, sondern als Darstellerin. „Ich werde in dem Stück zehn verschiedene Charaktere spielen und hoffe, dass wir nicht vergeblich geprobt haben und alle Vorstellungen bis Ende Januar spielen dürfen“, sagt Janina Niehus mit Blick auf das Corona-Infektionsgeschehen. „Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.“

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".