„This is the greatest Show“ (Foto: Dominik Lapp)
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Gelungenes Konzept: „This is the greatest Show“ auf Tour

Musicalgalas gibt es wie Sand am Meer. Für monothematische Musicalgalas mit besonderem Konzept hingegen zeichnet seit Jahren Musical-Mastermind Andreas Luketa von Sound of Music Concerts verantwortlich, der auch jetzt wieder in Zusammenarbeit mit Semmel Concerts ein neues Showkonzept mit dem Titel „This is the greatest Show“ auf Tour schickt. Dieses Mal dabei im Fokus: Songs aus den schönsten Musik- und Musicalfilmen der letzten 50 Jahre.

Viele Musicalbegeisterte dürften hocherfreut sein, dass diese Tour endlich stattfinden kann – stand sie doch bislang unter keinem allzu guten Stern. Ursprünglich für das Jahr 2020 geplant, musste die Tour wegen der Corona-Pandemie abgebrochen werden, als sie gerade erst starten sollte. Jetzt, zwei Jahre später, ist die Pandemie zwar noch nicht gebannt, Veranstaltungen sind aber endlich wieder durchführbar.

Was den nicht allzu guten Stern betrifft, muss das 1.200-köpfige Publikum im westfälischen Halle feststellen, dass mit Jan Ammann und Mark Seibert ausgerechnet die beiden männlichen Zugpferde nicht auftreten und die Show auch noch um rund 30 Minuten gekürzt ist – aus Lärmschutzgründen darf im OWL Event Center nämlich nur bis 22.00 Uhr gespielt werden. So wird also auf Songs aus „Rocketman“, „West Side Story“ und „Ku’damm 56“ verzichtet. Für Ammann und Seibert hingegen wurde adäquater Ersatz gefunden: den Part von Jan Ammann übernimmt Jonas Hein, anstelle von Mark Seibert steht Friedrich Rau auf der Bühne, der auch sympathisch als Moderator durch den Abend führt.

„This is the greatest Show“ (Foto: Dominik Lapp)

„Meine anfängliche Enttäuschung darüber, dass Jan Ammann und Mark Seibert fehlen, war schnell verflogen, denn es ist einfach schön“, sagt eine Besucherin in der Pause. Recht hat sie. Qualitativ wird eine exzellente Show geboten, die allerdings im ersten Akt noch nicht ganz ihre Extravaganz transportiert, was der Location geschuldet ist. Das OWL Event Center ist ein Fliegender Bau, eine Art Zeltkonstruktion und dementsprechend mit einem weißen Zeltdach ausgestattet, was zur Folge hat, dass der Saal nicht komplett abgedunkelt ist, solange es draußen noch hell ist.

Für den ersten Teil des Konzerts ist das insbesondere deshalb ärgerlich, weil das Lichtdesign nicht vollständig zur Geltung kommt und so auch die große Eröffnungsnummer „This is the greatest Show“ leider verpufft. Im zweiten Teil, nach Sonnenuntergang, ist die Atmosphäre im nun endlich komplett dunklen Zuschauerraum erheblich stimmungsvoller und dem Showkonzept würdig.

Ohnehin ist der zweite Teil der Show der stärkere, was an der frischeren Songauswahl liegt. Im ersten Teil erklingen die Hits aus Musik- und Musicalfilmen der Siebziger- bis Neunzigerjahre sowie von Filmen rund um die Jahrtausendwende. Es ist also die Zeit von Streifen wie „Saturday Night Fever“, „Grease“, „Flashdance“ und „Dirty Dancing“, aber auch von „Moulin Rouge“, „Mamma Mia!“ und „Das Phantom der Oper“.

„This is the greatest Show“ (Foto: Dominik Lapp)

Im „Saturday Night Fever“-Block begeistern insbesondere Michael Moore und Sophie Alter mit Songs wie „Stayin‘ alive“, „If I can’t have you“ oder „How deep is your Love“. Jonas Hein legt anschließend als Frank’n’Furter eine starke Perfomance mit „Sweet Transvestite“ aus der „Rocky Horror Show“ hin, bevor Friedrich Rau als Danny aus „Grease“ mit dem gefühlvoll dargebotenen Song „Sandy“ begeistert, Clarissa Gundlach eine starke Interpretation von „Hopelessly devoted to you“ gibt und Charlotte Katzer sich mit „There are worse things I could do“ empfiehlt.

Den ersten Höhepunkt des Abends liefert Roberta Valentini mit ihrer kraftvollen Version von „What a Feeling“ aus „Flashdance“, auf die eine grandiose Karolin Konert mit dem emotionalen „I will always love you“ aus „Bodyguard“ folgt. Mit „Can you feel the Love tonight“ aus „The Lion King“ und „Lass jetzt los“ aus „Die Eiskönigin“ beweist Roberta Valentini einmal mehr, warum sie seit vielen Jahren zu den Topstars der deutschen Musicalszene gehört: so viel Emotion, so viel Brillanz, so viel Stimmvolumen setzt sie ein, um den Songs ihren unvergleichlichen Stempel aufzudrücken.

Mit „Seasons of Love“ aus „Rent“ gelingt dem gesamten Ensemble eine richtige Gänsehautnummer, bevor es das Publikum mit zwei Songblöcken aus „Moulin Rouge“ und „Mamma Mia!“ in die Pause schickt. Im „Moulin Rouge“-Block glänzt Jonas Hein mit tenoraler Strahlkraft im Song „Nature Boy“, worauf eine stimmlich nicht weniger glänzende Karolin Konert mit „One Day I’ll fly away“ folgt. Friedrich Raus „Your Song“ wird vom Publikum ebenso frenetisch beklatscht wie das Duett „Come what may“ von Konert und Rau.

„This is the greatest Show“ (Foto: Dominik Lapp)

Im zweiten Teil stehen die neueren Filme auf dem Programm. So startet das Ensemble mit „Don’t stop believin‘“ aus der Verfilmung des Rock-Musicals „Rock of Ages“, worauf einige Nummern aus „The Prom“ folgen. Harte Rockriffs sind zu hören bei einem Queen-Medley aus dem Film „Bohemian Rhapsody“, Roberta Valentini und Friedrich Rau liefern eine eindringlich-emotionale Version von „Shallow“ aus „A Star is born“ und zum Schluss folgt schließlich der Block, den vermutlich alle im Publikum am sehnlichsten erwartet haben: „The Greatest Showman“!

Ob nun „A Million Dreams“ von Michael Moore, Clarissa Gundlach, Jonas Hein und Roberta Valentini oder „Come Alive“ vom gesamten Ensemble – die Songs von Benj Pasek und Justin Paul begeistern seit Veröffentlichung des Films ein Millionenpublikum und verfehlen auch bei der Tour von „This is the greatest Show“ ihre Wirkung nicht. Karolin Konert singt „Never Enough“ mit glockenhellem Sopran, Roberta Valentini überzeugt mit „Tightrope“ und Michaela Schober reißt mit ihrer grandiosen Darbietung von „This is me“ im wahrsten Sinne des Wortes die Halle ab.

Ein großes Lob verdient außerdem die Band unter der Leitung von Philipp Gras, die einen hervorragenden Job macht und für einen mitreißenden Sound sorgt. Am Ende gibt es stehende Ovationen für ein gelungenes Showkonzept mit herausragenden Leistungen von allen Beteiligten.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".