„Flashdance“ (Foto: David Schmelzer)
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Durchwachsen: „Flashdance“ auf Tour

Der Film „Flashdance“ aus dem Jahr 1983 gilt als Kult. Auch die darauf basierende Musicalversion erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. So ist es kein Wunder, dass zurzeit eine neue Tour unterwegs durch den deutschsprachigen Raum ist – eine Neuinszenierung unter der Regie von Christoph Drewitz, der gerade erst mit dem Deutschen Musical Theater Preis als bester Regisseur (für seine Inszenierung von „The Wave“) ausgezeichnet wurde.

Die Handlung rund um die Schweißerin Alex Owens, die nachts in einer Bar zur Tänzerin wird und von einer großen Tanzkarriere träumt, spielt in einem tourneetauglichen und wandelbaren Bühnenbild von Adam Nee, der außerdem Kostüme beisteuert, die eher der Gegenwart als den Achtzigern entsprungen sind. Im Zentrum der Bühne gibt es ein auf zwei Ebenen bespielbares Gerüst mit einer fahrbaren Treppe und viel Wellblech, das sich an verschiedenen Stellen öffnen lässt, um immer wieder neue Spielorte entstehen zu lassen.

Choreografin Kerstin Ried sorgt für genauso rasante wie mitreißende Tanzeinlagen, die den Darstellerinnen und Darstellern viel abverlangen. Regisseur Christoph Drewitz balanciert die dünne Handlung (Buch: Tom Hadley und Robert Cary) zwischen der starken Musik von Robbie Roth und Robert Cary. Dabei hat Drewitz insbesondere die Beziehung zwischen Alex und ihrer Unterstützerin Hannah sehr schön herausgearbeitet, wenn er dafür auch ein lautes Knistern zwischen Alex und Nick vermissen lässt.

Einer der Höhepunkte der Inszenierung ist erwartungsgemäß die berühmte Dusche am Ende des ersten Akts, bei der Alex beim Tanzen mit Wasser begossen wird – wenn auch mit unspektakulär wenig Wasser. Ein weiterer Höhepunkt ist dann schlussendlich eigentlich das lang ersehnte Vortanzen am Ende des zweiten Akts zu dem weltberühmten und oscarprämierten Song „What a Feeling“. Dabei bleibt Veronika Hammer in der Rolle der Alex Owens tänzerisch allerdings hinter den Erwartungen zurück, wenn man bedenkt, dass Alex hier für einen Platz an einer renommierten Tanzakademie vortanzt. Schauspielerisch und gesanglich erweist sich Hammer als durchaus stärker und überzeugt mit einer sympathischen und besonders koketten bis taffen Art, mit der sich Alex gegen ihren Boss auflehnt und in der Männerwelt besteht.

Dagegen bleibt Denis Riffel als Nick Hurley schauspielerisch wie gesanglich blass, wirkt für die Boss-Rolle zu jung besetzt, aber harmoniert zumindest stimmlich gut mit Veronika Hammer. Der Funke zwischen dem Paar springt allerdings erst recht spät und holprig über. Susanna Panzner in der Rolle der alternden Hannah gibt eine tolle Mentorin, die Alex beständig antreibt, holt bei dem Song „Eins zu ‘ner Million“ gesanglich jedoch leider nicht das Optimum heraus. Gut gelungen ist außerdem die Besetzung zweier Nebenrollen: Tiziana Turano zeigt als Gloria eine sanfte Verletzlichkeit und Kevin Thiel sorgt als Jimmy mit den buchbedingt flachen Comedy-Einlagen nicht nur für Erheiterung, sondern erweist sich als heimlicher Star der Produktion.

Der größte Wermutstropfen dieser „Flashdance“-Produktion ist sicherlich die nicht live gespielte Musik, so dass an dieser Stelle keine Bewertung der musikalischen Leistung abgegeben werden kann. Doch die Ohrwürmer „What a Feeling“, „Maniac“, „Manhunt“, „I love Rock’n’Roll“ und „Gloria“ funktionieren eben auch aus der Konserve ganz gut und werden als einzige Songs im englischen Original gesungen, während alle anderen Nummern in der deutschen Übersetzung von Anja Hauptmann zu hören sind.

Text: Sabrina Lapp

Sabrina Lapp sammelte Bühnenerfahrung in verschiedenen professionellen Chören, unterstützt bei kulturfeder.de die Chefredaktion im Backoffice und ist als Autorin aktiv.

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