„Rocky Horror Show“ (Foto: Thomas Brill)
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Nach Corona-Pause: Frank’n’Furter übt auf High Heels für neue „Rocky Horror Show“

Sommernacht der Musicalstars

Nach 13 Jahren auf Tour war es für den Regisseur Sam Buntrock und sein Team an der Zeit, die „Rocky Horror Show“ grundlegend anzufassen und an die aktuellen technologischen Möglichkeiten und Sehgewohnheiten des Publikums anzufassen. Mit reichlich coronabedingter Verspätung schickt Veranstalter BB Promotion die überarbeitete Fassung des Kult-Musicals in Kürze wieder auf Tour.

„Ich wollte schon immer typische Kinoelemente auf der Bühne ausprobieren, denn Filme passen schließlich zu dem Stück“, sagt Sam Buntrock. „Jetzt haben wir einige visuelle Höhepunkte geschaffen, die diese Idee fortführen werden.“ Gleichzeitig soll die Show noch intimer und stärker auf die Figuren ausgerichtet werden. „Es wird aber immer noch urkomisch, verrückt und wild sein. Ich denke, dass die Show gerade jetzt eine unglaubliche Kraft haben wird, weil es endlich wieder um Gemeinschaft geht, nachdem das Zusammenkommen so lange Zeit nicht möglich war.“

Tour nach 13 Jahren überarbeitet

Wohl kaum ein anderes Musical wird vom Publikum so euphorisch gefeiert wie die „Rocky Horror Show“. Sobald die witzige, schrille Story um das biedere Paar Brad Majors und Janet Weiss ihren Lauf nimmt, steigt das Publikum in die Geschichte ein und macht mit. Der ausführende Produzent Martin Flohr freut sich auf die anstehende Tour. „Wir freuen uns, dass es endlich weitergeht. Diese Show ist ein Kult, der sich immer wieder selbst befruchtet“, so Flohr. Und er verrät noch etwas mehr, was es mit den Überarbeitungen auf sich hat: „Wir haben die Show, die seit 2008 auf Tour ist, in den Bereichen Ton, Licht und Video verändert, so dass wir der Story und den Charakteren noch näher folgen können.“

Theater ist zurück – trotz Corona

Natürlich ist Corona nach wie vor ein Thema, sowohl bei den Mitwirkenden als auch beim Publikum. „Sicherheit geht immer vor, aber die können wir auch gewährleisten“, sagt Martin Flohr. Die Spielstätten, so sagt der Produzent, hätten alle ausgeklügelte Hygienekonzepte und leistungsstarke Belüftungsanlagen. „Aber auch hinter der Bühne achten wir auf Abstände, tragen Masken, testen täglich“, berichtet Flohr weiter. Als es zum Probenbeginn einen Corona-Fall innerhalb der Mitwirkenden gab, wurde schnell reagiert: „Die Person wurde isoliert, so dass es zu keinen weiteren Infektionen gekommen ist.“ Trotzdem freue man sich, wenn sich die Situation hoffentlich bald wieder normalisiere.

„Vor allem wollen wir jetzt zeigen, dass das Theater zurück ist, dass das Leben zurück ist“, sagt BB-Chef Ralf Kokemüller. „Die Geschichte mit ihrem genderfluid ist gerade jetzt so aktuell wie nie zuvor. Ich glaube, die Zurückhaltung des Publikums wird sich schnell legen. Die Leute werden wieder mitgehen und eine gute Zeit haben.“ Regisseur Sam Buntrock pflichtet ihm bei: „Gerade jetzt braucht das Publikum genau diese Show, denn die Leute sind ausgehungert.“

Erst Brad und Rocky, jetzt Frank’n‘Furter

Ausgehungert sind nach der viel zu langen Corona-Pause auch die in London gecasteten Künstlerinnen und Künstler, die sich ebenfalls schon auf die Tournee der „Rocky Horror Show“ freuen. Oliver Savile, der in der Produktion bereits Brad und Rocky gespielt hat, wird jetzt als Frank’n’Furter zu sehen sein. „Bis vor vier Wochen wusste ich noch nicht, wie man auf High Heels läuft“, lacht der Künstler, der im West End schon in Musicals wie „The Phantom of the Opera“, „Les Misérables“ oder „Cats“ zu sehen war.

Wie es sich jetzt auf High Heels läuft? „Ganz gut“, sagt Savile. „Ich habe trainiert und mir Tipps von den Frauen aus unserem Cast geholt.“ Alle seien mittlerweile unglaublich aufgeregt, endlich wieder vor Publikum aufzutreten. „Wir sind ausgehungert, weil wir das so lange nicht machen konnten. Aber jetzt wollen wir das Publikum wieder mitnehmen auf eine Reise und ihnen unsere Geschichte erzählen“, so Oliver Savile.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".