„Les Misérables“ (Foto: Iris Steger)
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Großartiges Drama: „Les Misérables“ in Zürich

In Zürich geht man auf die Barrikaden, denn die englischsprachige Tour des weltbekannten Musicals „Les Misérables“ aus der Feder von Alain Boublil (Buch) und Claude-Michel Schönberg (Musik) gastiert zurzeit im Theater 11 und begeistert dort mit großen Emotionen in einer sehenswerten Inszenierung von James Powell und Laurence Connor mit einer durchweg starken Darstellerriege.

Das auf dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo basierende Stück spielt im Frankreich des 19. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte von Jean Valjean, der 19 Jahre in Ketten verbringen muss, weil er ein Stück Brot geklaut hat. Dean Chisnall verkörpert Valjean mit starker Bühnenpräsenz und grandioser Stimme. Vom ausgestoßenen Sträfling zum Edelmann macht er eine beachtliche Entwicklung durch. Schauspielerisch verlangt diese Rolle einem Künstler sein ganzes Können ab, was für Chisnall absolut kein Problem darstellt.

Gesanglich zeigt er eine sehr schöne Stimmfärbung, ist zu hohen und lang ausgehaltenen Tönen fähig. Verdienten Szenenapplaus gibt es für seine emotionale Interpretation des Songs „Bring him home“. Nic Greenshields ist als Inspektor Javert dem ehemaligen Sträfling Valjean auf den Fersen und verfolgt diesen bis nach Paris. Greenshields gibt einen guten Gegenpart zu Dean Chisnall, steht diesem in nichts nach. Auch er kann schauspielerisch durch Authentizität überzeugen, präsentiert seine Soli mit beachtlicher Vokalleistung. Seine Songs „Stars“ und „Javerts Suicide“ sind dabei zwei Höhepunkte des Abends.

Charlie Burn gibt eine süße Cosette, in der Rolle des Studenten Marius steht ihr Felix Mosse zur Seite. Beide harmonieren stimmlich wie schauspielerisch sehr gut miteinander. Nachdem Marius seine Freunde auf den Barrikaden von Paris verloren hat, trauert Mosse sehr gefühlvoll in seinem berührenden Solo „Empty Chairs at empty Tables“.

Eine der interessantesten Rollen des Stücks ist sicherlich Eponine, dargestellt von Frances Mayli McCann. Sie gibt ihren Part aufmüpfig und mutig, ist perfekt in ihrem Schauspiel und überzeugt mit klarer Stimme bei ihrem herzergreifenden Lied „On my own“. Für die leichten Momente sorgen Cameron Blakely und Helen Walsh als Ehepaar Thénardier. Das Publikum liegt ihnen zu Füßen. Barnaby Hughes gibt in der Rolle des Enjolras einen starken Revoluzzer, wohingegen Katie Hall als Fantine mit ihrer schauspielerischen Leistung zu Tränen rührt und mit ihrer emotionalen Interpretation von „I dreamed a Dream“ einen Glanzpunkt setzt.

Vor allem in der Personenregie legen die Regisseure James Powell und Laurence Connor großen Wert auf Details. Als äußerst spannend erweisen sich hier besonders die Szenen zwischen Valjean und Javert. Doch auch die Ensembleszenen bei „Les Misérables“ zeigen eine effektvolle Wirkung. Die Kostüme von Andreane Neofitou und Christine Rowland sowie das Bühnenbild von Matt Kinley ergänzen sich sehr gut und spiegeln das Frankreich des 19. Jahrhunderts gelungen wider. Insbesondere aber das Bühnenbild mit den Straßenzügen und Barrikaden kann in Verbindung mit Projektionen und dem Lichtdesign von Paule Constable punkten.

Für einen brillanten musikalischen Rahmen sorgt das Orchester unter der Leitung von Ben Atkinson, der seine Musiker zu Höchstleistungen antreibt. So erweist sich „Les Misérables“ in Zürich sowohl optisch als auch musikalisch und künstlerisch als herausragende Musicalproduktion.

Text: Matilda Falke

Tipp | Das in dieser Rezension abgebildete Foto wurde uns freundlicherweise von Iris Steger zur Verfügung gestellt. Weitere ihrer Fotos gibt es unter www.musicalstories-photography.com.

Matilda Falke hat Germanistik studiert und ein Volontariat absolviert. Seit mehreren Jahren ist sie als freie Journalistin und Texterin tätig.

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