Friedrich Rau - Lass uns ein bisschen swingen
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Friedrich Rau und sein Weg zum ersten Soloalbum

Inspiriert durch seinen Vater, der als Opernchorsänger auftrat, wollte Friedrich Rau bereits als Kind Sänger werden. Nachdem er zunächst Musik und Informatik auf Lehramt studierte, hat Rau seinen Kindheitstraum wahr und sich mittlerweile einen Namen in der Musicalbranche gemacht, wo er schon seit einigen Jahren große Hauptrollen in Produktionen wie „Die Schatzinsel“ oder „Der Medicus“ spielt.

Auch ihn traf die Corona-Krise und die damit verbundene Zwangspause hart, das Einkommen brach von heute auf morgen weg. Es war der Anstoß, einen weiteren Traum zu verwirklichen – den vom ersten eigene Soloalbum. „Von einem Soloalbum habe ich immer geträumt“, erzählt der sympathische Sänger. „Seit Beginn der Pandemie habe ich regelmäßig Konzerte aus meinem Wohnzimmer gestreamt.“ Inzwischen hat er weit mehr als 100 solcher Wohnzimmer-Konzerte gegeben. Um die Jahreswende 2020/2021 kam ihm die Idee, ein Crowdfunding zu starten, um dem Traum von der eigenen CD näher zu kommen. Friedrich Rau erinnert sich: „Innerhalb eines Tages hatte ich bereits 10.000 Euro zusammen. Das war der Startschuss für mein Debütalbum.“

Ohne Corona hätte es das Album nicht gegeben

Corona hat ihn wie viele in seiner Branche zum Nachdenken gezwungen. „Ich habe mich mit der Frage konfrontiert, was wir aus eigener Kraft erschaffen können“, sagt der Sänger. „Mir hat es nie an Ideen gemangelt, sondern an der Zeit, sie umzusetzen. Somit hätte es das Album ohne Corona nicht gegeben.“ Aufgrund seiner zahlreichen Engagements in Musicals habe er nie die Zeit gefunden, solch ein Riesenprojekt anzugehen.

Jetzt ist das Album mit dem Titel „Lass uns ein bisschen swingen“ endlich fertig, auch ein Musikvideo gibt es, das Friedrich Rau durch ein zweites Crowdfunding teilfinanzieren konnte. Auf der CD zu finden sind elf Songs der Musikrichtung Electro-Swing. „Ich bin überzeugt, dass die Musik einerseits neu, aber andererseits auch mainstreamtauglich ist“, sagt er. Doch warum eigentlich die Kombination aus Swing und Electro? „Meine Vision kombiniert das Beste aus beiden Welten. Ich vermische den leidenschaftlichen Stil der Goldenen Zwanziger mit heutigen technischen und klanglichen Möglichkeiten zu einem neuen, frischen Sound. Der Drive einer Jazz-Band verbindet sich mit dem Vibrieren dicker Bässe und Electro-Beats“, erklärt Rau.

Die meisten Songs hat Tim Ludwig, Raus Gitarrist und „Songdoktor“, geschrieben. „Aber ein paar meiner Nummern haben es auch aufs Album geschafft“, sagt der Electro-Swinger. „Wir haben die Songs ausgewählt, bei denen wir passende Samples aus Songs der Zwanziger- und Dreißigerjahre gefunden haben.“ Eine unfassbar langwierige, aber schöne Puzzle-Arbeit sei das gewesen. „Bei einigen Songs habe ich meine Idee an Tim abgegeben, der daraus dann ein Kunstwerk gezaubert hat.“

Songs vom Leben inspiriert

Die Songs sind inspiriert von Friedrich Raus Leben als Familienvater und Partner. „Die Nummer ‚Solang es geht‘ habe ich zum Beispiel für meine Frau geschrieben. Der Song entstand, als mein Patenonkel viel zu früh an Krebs starb und mir klar wurde, dass jede Sekunde, jeder Moment, jedes Sandkorn kostbar ist“, erzählt Rau. Viele der Songs feiern das Leben und seinen Swing. „Überhaupt ist Swingen für mich keine Musikrichtung, sondern ein Lebensgefühl. Mit ein bisschen Swing lassen sich Probleme leichter wuppen – zum Beispiel der Umgang mit Homeschooling und Homeoffice, der im Song ‚Sing ein Lied‘ auf humorvolle Weise thematisiert wird.“ Das Lied singt Friedrich Rau gemeinsam mit seiner Tochter Leni.

Musik der Zwanziger ist etwas Besonderes

Für den Künstler ist die Musik der Zwanziger etwas Besonderes. Ihn fasziniert daran das analoge Lebensgefühl, das uns in unserer digitalen Welt abhandengekommen ist. „Egal ob Saxofone oder Streicher, Lindy Hop oder Charleston – in den Zwanzigern war alles geprägt von wilder Leichtigkeit und subversivem Feuer: ein bisschen verboten, aber auch charmant“, fasst es Rau zusammen.

Und was soll die Zukunft bringen? Sieht sich Friedrich Rau weiterhin als Musicaldarsteller oder künftig doch eher als Singer/Songwriter? „Sowohl als auch“, sagt er. „Ich spiele sehr gern Musicalcharaktere und erwecke sie auf der Theaterbühne zum Leben. Aber persönlicher und ehrlicher als auf meinem Album geht es nicht. Da spiele ich keine Rolle, sondern bin 100 Prozent ich selbst.“

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".