„Oklahoma!“ in Magdeburg (Foto: Christoph Doerner)
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Große Bilder vor dem Dom: „Oklahoma!“ in Magdeburg

„Oklahoma!“ gehört zu den Musicals, die auf deutschen Spielplänen erstaunlich selten erscheinen. Umso erfreulicher ist es, dass das Theater Magdeburg den Klassiker als groß angelegte Open-Air-Produktion auf den Domplatz bringt. Doch weil ein hierzulande wenig bekannter Titel kaum ein Massenpublikum anziehen dürfte, setzt die Inszenierung von Erik Petersen konsequent auf spektakuläre Schauwerte, eine hochkarätige Besetzung und die Möglichkeiten der imposanten Freiluftkulisse.

Petersen, der auf dem Domplatz schon mit seiner „Rebecca“-Inszenierung einen Achtungserfolg verzeichnete, widersteht der Versuchung, das Stück mit zwanghaften Aktualisierungen zu überformen. Stattdessen erzählt er die Handlung in ihrer historischen Verortung und vertraut auf deren innere Kraft. Gleichzeitig gelingt ihm eine Lesart, die problematische Aspekte wie den Fortschrittsglauben, die romantisierte Sicht auf den Wilden Westen oder traditionelle Geschlechterbilder nicht unkritisch reproduziert.

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Vor allem die Frauenfiguren gewinnen an Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein, wodurch die Handlung auch aus heutiger Perspektive glaubwürdig erscheint. Die Aufführung entwickelt ein hohes Tempo, lebt von starken Gegensätzen zwischen heiteren und ernsten Momenten und profitiert von der sichtbaren Spielfreude des gesamten Ensembles.

Ihre größte Stärke entfaltet die Produktion jedoch in ihrer opulenten Bildsprache. Dirk Hofackers Bühnenbild verwandelt den Domplatz mit großformatigen LED-Wänden, einer eindrucksvoll eingesetzten Lokomotive, historischen Wagen, Nebelschwaden und effektvoll platzierter Pyrotechnik in einen klassischen Hollywood-Western. Immer wieder entstehen Tableaus von großer Sogkraft.

Dazu tragen auch die Kostüme von Lukas Pirmin Wassmann bei, die mit viel Gespür für Details eine authentische Country-Atmosphäre entstehen lassen. Sabine Artholds Choreografie orientiert sich an Agnes de Milles Konzept und verbindet Volkstanz, klassisches Ballett sowie Musicalelemente zu einem stimmigen Ganzen.

Auch musikalisch überzeugt der Abend auf ganzer Linie. Unter der Leitung von Paweł Poplawski spielt die Magdeburgische Philharmonie den unverwechselbaren Rodgers-Sound mit Eleganz, rhythmischer Frische und mitreißendem Schwung.

Die Besetzung trägt den Abend mit großer Souveränität. Kerstin Ibald verleiht Tante Eller Wärme, Witz und natürliche Autorität. Sabrina Weckerlin gestaltet Laurey mit stimmlicher Strahlkraft und glaubwürdiger Entwicklung zwischen Unabhängigkeit und verletzlicher Unsicherheit. Nicky Wuchinger überzeugt als charismatischer Curley mit sympathischer Bühnenpräsenz und kraftvollem Gesang.

Alexander Auler zeichnet Jud Fry nicht als eindimensionalen Schurken, sondern als gesellschaftlichen Außenseiter mit bedrohlicher Intensität. Kara Kemeny sorgt als temperamentvolle Ado Annie für komödiantische Höhepunkte, während Andrew Chadwick den liebenswert-naiven Will Parker mit ansteckender Energie verkörpert. Jan Ungar komplettiert das Ensemble als gewitzter Ali Hakim.

Der begeisterte Schlussapplaus bestätigt den überzeugenden Gesamteindruck. Vor allem die bildgewaltige Inszenierung, die atmosphärische Ausstattung, die musikalische Qualität sowie die geschlossene Ensembleleistung finden beim Publikum großen Anklang.

Text: Christoph Doerner

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Nach seinem Studium der Musiktheaterwissenschaft, einem Volontariat sowie mehreren journalistischen Stationen im In- und Ausland, ist Christoph Doerner seit einigen Jahren als freier Journalist, Texter und Berater tätig.