Isabel Waltsgott (Foto: Dominik Lapp)
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Interview mit Isabel Waltsgott: „Ich kann bedienen, was von mir verlangt wird“

Für Isabel Waltsgott, die ihre künstlerische Laufbahn im Kinderchor der Oper Leipzig begann, stand immer fest, dass sie beruflich auf die Bühne will. Nach ihrer Musicalausbildung am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück wirkte sie in einigen Musicalproduktionen mit. So spielte sie die Titelrollen in „Carrie“ und „Heidi“, stand in „Grease“, „Cats“, „Kinky Boots“ und „The Band“ auf der Bühne. Aktuell spielt sie Lottes Schwester Elisabeth im Musical „Goethe!“ bei den Bad Hersfelder Festspielen, bevor sie die Eva in der Uraufführung von „Ku’damm 56“ in Berlin kreieren wird. Im Interview spricht die vielseitige Künstlerin über den Geruch vom Theater, die Leidenschaft fürs Musical, ihre Rollenarbeit und was sie bei „Goethe!“ umgehauen hat.

Was führte Sie zum Musical?
Für mich war immer klar, dass ich etwas auf der Bühne machen will, seit ich im Kinderchor der Oper Leipzig war. Das hat mir so einen Spaß gemacht. Diese ganze Theaterwelt, der Geruch von der Bühne und dem Holz war für mich so zauberhaft, dass ich immer dachte, ich würde mal Opernsängerin werden. Damals wusste ich ja noch nicht, dass es Musicals gibt. Allerdings habe ich irgendwann gemerkt, dass meine Stimme lieber zum moderneren Gesang will. Als ich dann die ersten Musicals gesehen habe, war mir klar, dass ich genau das machen möchte. Ich musste also unbedingt diesen Studienplatz für Musical bekommen, was dann glücklicherweise auch geklappt hat.

Wo Sie gerade den Geruch der Bühne ansprechen: Riecht eigentlich jedes Theater gleich?
Gerade auf und hinter der Bühne ist es sehr ähnlich. Also dieser Geruch von Holz und Farbe erinnert mich total an meine Kindheit und meine erste Opernerfahrung. Wenn man hinter der Bühne steht, ist es schon ähnlich, ja. Ich liebe das und verbinde mit diesem typischen Theatergeruch sehr viele Erinnerungen.

Isabel Waltsgott (Foto: Dominik Lapp)

Seit dem Abschluss Ihrer Ausbildung sind sechs Jahre vergangen. Was ist seitdem alles passiert in Ihrem künstlerischen Leben?
Ich hatte bisher immer total Glück, dass ich Musicals bekommen habe, die mir selbst auch sehr gut gefallen. Ich liebe zum Beispiel die Musik der Fünfziger wie in „Grease“. Aber auch „Kinky Boots“ und „Cats“ waren echte Highlights, die ich super gern gespielt habe. Darüber bin ich wirklich glücklich, dass viele Stücke darunter gewesen sind, die immer auf meiner Liste von Stücken, die ich mal machen möchte, standen – zum Beispiel auch „Cabaret“. Und toll war auch, dass ich zwei verschiedene Produktionen von „Heidi“ machen konnte, wo ich einmal Heidi und einmal Klara gespielt habe.

Einen besonderen Bezug haben Sie doch auch zum Musical „Cats“, nicht wahr?
Genau. Das fing schon im Kindergarten an, wo wir uns früher als Katzen verkleidet und die erste Nummer aus dem Stück, „Jellicle Katzen“, gesungen haben. Ich weiß noch, wie sehr ich das geliebt habe. Davon gibt es sogar noch Fotos. Aber ich wusste lange Zeit gar nicht, dass das ein Musical ist und was ein Musical überhaupt ist. Aber später dann war „Cats“ eines der ersten Musicals, das ich gesehen habe. Ich fand das so faszinierend, dass die auf der Bühne alle wirklich wie Katzen aussahen. Das war für mich so glaubwürdig, dass ich ganz enttäuscht war, als ich dann im Programmheft Probenfotos gesehen habe, wo das einfach nur Menschen waren. (lacht)

Und 2017 durften Sie selbst vom Menschen zur Katze werden und spielten Rumpleteazer in „Cats“ bei den Luisenburg Festspielen in Wunsiedel. Wie war das?
Das war total toll! Rumpleteazer war sowieso immer meine Lieblingskatze und ich habe das Lied „Mungojerrie & Rumpleteazer“ immer so geliebt. Das hat irre viel Spaß gemacht. Es war eine riesige Herausforderung, so eine krasse Tanzshow zu machen. Ich würde es jederzeit wieder machen.

Isabel Waltsgott (Foto: Dominik Lapp)

Rumpleteazer ist ein Katzenkind. Sie haben mit Carrie, Heidi und Klara weitere sehr junge Rollen gespielt, genauso wie in „The Band“ und jetzt die Elisabeth in „Goethe!“. Sind Sie vornehmlich auf die kindlichen und jugendlichen Rollen abonniert?
Ja, das zieht sich so durch meinen Lebenslauf. Aktuell spiele ich die jungen Rollen, was ich ganz cool finde. Das funktioniert für mich und ich habe meinen Weg gefunden. Es macht mir Spaß und ist immer wieder herausfordernd. Gerade Heidi war da richtig krass, weil sie erst acht Jahre alt ist und ich sie schon anders spielen musste als normal. Das ist super interessant – die älteren Rollen kommen dann sicher mit der Zeit. Aber jetzt habe ich eben noch die Möglichkeit, die ganz jungen Charaktere zu spielen.

Am Ende Ihrer Ausbildung haben Sie die Titelrolle in der deutschsprachigen Erstaufführung von „Carrie“ übernommen. Auch das war ein jugendlicher Charakter, noch dazu ein großer Part und sicher eine ebenso große Herausforderung. Wie sind Sie damit umgegangen?
Das war eine riesige Herausforderung. Die Rolle war auch nicht einfach, weil sie schauspielerisch so vielschichtig ist. Aber da hat es mir sehr geholfen, mit Gesche Tebbenhoff und Sascha Wienhausen vom Institut für Musik zu arbeiten. Die haben mich gut auf den Weg gebracht und gut mit mir gearbeitet. Das ganze Horror-Thema bei „Carrie“ hat mir sehr gefallen. Ich liebe es, wenn es in Musicals dramatisch wird.

Würden Sie die Rolle der Carrie heute, aufgrund Ihrer bisherigen Bühnenerfahrung, anders spielen als damals?
Ich glaube nicht. So wie ich die Rolle und die Szenen damals erarbeitet habe, hat alles funktioniert. Die Rolle war schon anders als im Film und in anderen Produktionen, aber sehr auf mich zugeschnitten. Deswegen hat es einfach gepasst. Vielleicht würde ich es anders singen, weil sich eine Stimme ja auch verändert und weiterentwickelt. Aber schauspielerisch würde ich es genauso angehen, wenn mich die Regie lässt.

Isabel Waltsgott (Foto: Dominik Lapp)

Wenn man sich Ihre bisherigen Engagements ansieht, fällt auf, dass Sie offensichtlich ein klassischer Tripple Threat sind. Zumindest wirkt es so, wenn man Sie auf der Bühne erlebt hat, dass Sie in allen drei Disziplinen des Musicals – Gesang, Tanz und Schauspiel – sehr stark sind. Ist das wirklich so oder scheint es nur so? Wie nehmen Sie das selbst wahr?
Ich versuche tatsächlich, alle drei Sparten zu bedienen, ohne dabei einen speziellen Schwerpunkt zu haben. Gerade im Tanz versuche ich weiterzukommen, weil man in diesem Bereich nie fertig ist. Man kann immer noch mehr lernen und sich neue Skills draufschaffen. Weil mir alle drei Bereiche sehr viel Spaß machen, fokussiere ich mich nicht nur auf einen. Ich bewerbe mich auch gezielt auf Tanzrollen, weil ich die Abwechslung liebe. In meinen letzten Rollen war ich viel solistisch unterwegs, jetzt bei „Goethe!“ in Bad Hersfeld liegt der Schwerpunkt wieder mehr auf Tanz, was ich sehr schön finde. Ob ich ein Tripple Threat bin, weiß ich nicht, weil es immer Leute gibt, die besser sind – gerade im Tanz. Aber im Großen und Ganzen liegen mir alle drei Bereiche und ich kann bedienen, was von mir verlangt wird.

Sie wirkten bei deutschsprachigen Erstaufführungen wie „Carrie“, „Kinky Boots“ und „The Band“ mit. Dieses Jahr stehen mit „Goethe!“ und „Ku’damm 56“ sogar zwei Uraufführungen an. Wie ist es, solche neuen Stücke zu spielen und teilweise auch Rollen neu zu kreieren und zu prägen?
Das ist eine ganz spannende Sache, wenn man sieht, wie solche Stücke entstehen. Es ist oft noch nichts in Stein gemeißelt und die Rolle wird auf einen zugeschnitten. Das ist ganz cool. Bei „Kinky Boots“ war ich nicht von Anfang an dabei. Deswegen habe ich da die Probenzeit nicht so intensiv erlebt, ich kam in ein fertiges Stück rein. Bei „The Band“ war ich Cover, da wurde mehr mit den Erstbesetzungen gearbeitet. Aber bei „Ku’damm 56“ habe ich eine Erstbesetzung und bin von Anfang an dabei, worauf ich mich sehr freue. Ich bin sehr gespannt, wie wir die Rolle entwickeln.

Wie sind Sie eigentlich zu „Ku’damm 56“ gekommen? Haben Sie schon beim Workshop mitgewirkt?
Nein, da hat meine Rolle noch eine Kollegin gespielt. Sie haben dann nach dem Workshop noch einige Rollen gecastet, da kam für mich die Rolle der Eva infrage. Also bin ich aufs Ganze gegangen und habe mich nicht fürs Ensemble, sondern direkt für die Erstbesetzung beworben – auch auf die Gefahr hin, gar nichts zu bekommen. Ich bin bewusst das Risiko eingegangen, was sich letztendlich ausgezahlt hat.

Isabel Waltsgott (Foto: Dominik Lapp)

Was ist das für eine Rolle, die Sie in „Ku’damm 56“ spielen?
Das Stück „Ku’damm 56“ dreht sich wie die Serie um die Tanzschulinhaberin Caterina Schöllack, die drei Töchter hat. Es geht um die Probleme, die die drei Schwestern als Frauen in der damaligen Zeit haben. Jede Schwester hat ihre eigene kleine Story. Die eine, Helga, heiratet einen Mann, der eigentlich schwul ist. Aber um den Schein zu wahren, bleiben sie trotzdem zusammen. Dann gibt es Monika, die unbedingt Rock’n’Roll tanzen möchte, was als verrucht gilt. Und es gibt Eva, die ich spiele, die einen Arzt heiratet. Sie ist dann zwar gut situiert, aber die Beziehung mit dem viel zu alten Mann funktioniert nicht wirklich.

Haben Sie die Serie „Ku’damm 56“ gesehen?
Vor der Audition für das Musical hatte ich die Serie noch nicht gesehen und habe sie mir dann auch bewusst nicht angesehen, weil ich keinen Abklatsch spielen wollte und auch Angst hatte, dass ich feststellen würde, dass die Rolle gar nicht zu mir passt. Deswegen habe ich die Rolle für die Audition so vorbereitet, wie ich sie gesehen habe. Erst als ich die Zusage für die Rolle hatte, habe ich mir die Serie angeschaut. Da hat sich dann der Kreis geschlossen. Und mir hat die Serie wirklich gut gefallen.

Mittlerweile wurde auch schon ein Album für „Ku’damm 56“ aufgenommen. Wie war die Zusammenarbeit mit Peter Plate und Ulf Leo Sommer im Studio?
Das war total schön. Abgesehen von der Audition, haben wir uns im Studio zum ersten Mal gesehen. Aber es war gleich eine tolle Atmosphäre – und es fühlte sich an, sofort im Team angekommen zu sein. Es sind ganz lockere und lustige Menschen, die einem ein großes Gefühl von Wertschätzung vermitteln. Ich freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit ihnen.

Isabel Waltsgott (Foto: Dominik Lapp)

Wie gehen Sie es eigentlich an, eine Rolle zu erarbeiten?
Ich versuche immer, eine Rolle von mir aus anzugehen. Ich versuche, mich da hinein zu fühlen. Alle Rollen, die ich bisher bekommen habe, waren auch immer sehr nah an mir. Wahrscheinlich wurde ich auch deshalb dafür besetzt. Da muss ich gar nicht so viel überlegen oder machen. Trotzdem überlege ich mir natürlich, was die Rolle ausmacht und wie ich das darstellen kann. Frenchy in „Grease“ ist zum Beispiel eher etwas spleenig, Elisabeth in „Goethe!“ ist eher etwas kindlich. So eine kindliche Rolle muss man dann mit einer gewissen Naivität angehen. Generell gehe ich zuerst vom Alter und dann von der jeweiligen Situation her an eine Rolle. Ich stelle mir also die Frage, wie die Rolle aus meiner Sicht ist.

In diesem Jahr stehen Sie zum ersten Mal bei den Bad Hersfelder Festspielen auf der Bühne. Wie ist es in der Stiftsruine?
Das ist total cool. Ich liebe Freilichtspiele sowieso, weil die Bühnen alle so unterschiedlich sind. Bei „Cats“ in Wunsiedel war viel Natur auf der Bühne, was ein besonderes Flair hatte. In Bad Hersfeld macht die Ruine schon ein fantastisches Bild, auch ohne viel Bühnenbild. Die Mauern, das Licht, die Größe der Bühne sind echt cool. Das macht Spaß.

Was macht für Sie den Reiz an „Goethe!“ aus?
Das Stück hat ein unheimliches Tempo. Außerdem mag ich es sehr, dass es durchkomponiert ist. Klar, dadurch wird das Tempo noch mehr erhöht. Aber das macht es auch aus. Und ich liebe die Musik von Martin Lingnau. Als ich die zum ersten Mal gehört habe, wurde ich regelrecht weggeblasen. Als wir die ersten musikalischen Proben hatten, konnte ich teilweise nicht richtig mitsingen, weil mich umgehauen hat, wie schön die Musik ist. Das ist genau mein Geschmack, was Musicalmusik angeht.

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

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