„Ku'damm 56“ (Foto: UFA Fiction)
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Werkstatt-Report: Wie aus der Erfolgsserie „Ku’damm 56“ ein Musical wird

Mit einjähriger Verspätung soll im Herbst 2021 das Musical „Ku’damm 56“ im Berliner Theater des Westens zur Uraufführung kommen. Produziert wird das auf der gleichnamigen ZDF-Serie basierende Stück von BMG und UFA Fiction, Stage Entertainment stellt dafür ihr traditionsreiches Theater an der Kantstraße zur Verfügung, ist aber selbst nicht der Veranstalter.

Im vergangenen März, mitten in der Corona-Pandemie, ging die Meldung raus, dass „Ku’damm 56“ noch 2021 auf die Bühne kommen soll. Hinter dem Projekt stehen das enorm erfolgreiche Songschreiberteam Peter Plate und Ulf Leo Sommer sowie die Ku’damm-Autorin Annette Hess, die sich Christoph Drewitz als Regisseur und Jonathan Huor als Choreografen ins Boot geholt haben. Drewitz überraschte bereits mit seinen Musical-Inszenierungen von „Fack ju Göhte“ und „Die fabelhafte Welt der Amélie“, Huor kennt man unter anderem aus St. Gallen, wo er zuletzt die Neuinszenierung von „Tanz der Vampire“ und die Uraufführung von „Matterhorn“ choreografierte.

Produzenten gehen neue Wege

Schon im Vorfeld der Uraufführung gehen die Produzenten neue Wege. So wurde bereits mit der Premierenankündigung im März ein erster Song samt Musikvideo veröffentlicht: Hauptdarsteller David Jakobs, der den Freddy spielen wird, singt „Berlin, Berlin“. Der Song hat auf Youtube mittlerweile mehr als 244.000 Aufrufe. Drei Monate später folgte mit „Ich tanz allein“ – gesungen von Sandra Leitner, die den Part der Monika übernimmt – der nächste Song, der innerhalb eines Monats rund 471.000 Aufrufe zählte. Auch die dritte Veröffentlichung, der Song „Monika“, in dem neben David Jakobs unter anderem Isabel Waltsgott zu hören ist, erreichte schnell Tausende von Aufrufen.

„Die Produzenten gehen hier für Deutschland völlig neue Wege“, freut sich Regisseur Christoph Drewitz. „Die Musik ist wirklich der Hammer. Man merkt einfach, dass Peter Plate und Ulf Leo Sommer aus dem Popbereich kommen, weil sie das anders angehen.“ Schon jetzt wurde ein Album mit den Songs des Musicals aufgenommen, das bereits im September und somit viele Wochen vor der Uraufführung veröffentlicht wird.

Musical wird schon im Vorfeld über Musik promotet

„Ich finde das total clever, die Songs aufzunehmen und vor der Premiere schon zu veröffentlichen, weil es ein gutes Marketinginstrument ist, mit dem man super Interesse generieren kann“, findet Drewitz. Er sei sich sicher, dass man Musicals heutzutage schon im Vorfeld über die Musik promoten solle, wie man es beispielsweise aus den USA oder von französischen Franko-Pop-Musicals kenne. Der Musicalexperte ist sich sicher: „Musicaldarstellerinnen und -darsteller haben irre viel Talent und lassen sich super promoten, man muss ihnen nur die Plattform dafür bieten.“ Nur so könne man seine Stars kreieren.

Erzählt wird in „Ku’damm 56“ eine Geschichte aus den 1950er Jahren, in deren Fokus die Tanzschulinhaberin Caterina Schöllack und ihre drei Töchter stehen. Das ZDF hat mittlerweile drei Staffeln mit jeweils drei 90-minütigen Folgen produziert. Inhalt des Musicals werden die drei Folgen der ersten Staffel sein. „Dazu haben wir die Handlung auf zwei Stunden komprimiert und den Fokus auf andere Dinge gelegt als die Serie“, verrät Christoph Drewitz. Der Look der Serie solle dabei nicht kopiert werden. „Es wird rauer sein“, sagt der Regisseur. „Der Wunsch der Autorin Annette Hess war es, dass es für die Bühne rauer wird, als es in der Serie möglich war.“

Im Musical soll auch viel Nachkriegsdeutschland zu sehen sein. „Es darf nicht zu plüschig sein“, warnt Christoph Drewitz. Man wolle keine Wiederauflage von „Grease“ schaffen, sondern eine ernste und düstere Geschichte, in der auch der Witz nicht zu kurz kommen solle. Begeistert zeigt sich Christoph Drewitz von der Buchautorin: „Annette Hess kommt vom Film und denkt sehr szenisch und in Schnitten. Das macht es zwar nicht immer leicht, weil Film nun mal anders funktioniert als Theater. Aber dadurch bekomme auch ich als Theaterregisseur einen neuen Blickwinkel, kann neue Dinge ausprobieren und in der Inszenierung ein gewisses Tempo entwickeln.“

„Ku’damm 56“ in Berlin am Originalschauplatz

Was sicher viele nicht wissen: Die Idee zum Musical wurde nicht bei Stage Entertainment geboren, sondern kam von der Produktionsfirma UFA Fiction und der Plattenfirma BMG, die zusammen mit dem ZDF Überlegungen anstellten, wie der Stoff „Ku’damm 56“ weiterentwickelt werden kann. Nachdem Peter Plate und Ulf Leo Sommer für das Projekt gewonnen werden konnten, die schon mit Musicals wie „Romeo und Julia“ und „Bibi und Tina“ Erfolge feierten, stand auch schnell fest, das Musical in Berlin zeigen zu wollen. „Das Theater des Westens ist ja nur wenige Meter vom Ku’damm, dem Originalschauplatz, entfernt. Also holte man sich Stage Entertainment als Partner an Bord“, berichtet Christoph Drewitz, der schon bei „Bibi und Tina“ Regie führte und Ende 2018 zum Projekt „Ku’damm 56“ dazukam.

Musical-Regisseur fand schon die TV-Serie cool

„Ich fand schon die Serie echt cool und habe mich sehr gefreut, als Peter und Ulf mich gefragt haben“, erinnert sich der Regisseur. So kam es zu ersten Kreativmeetings, ein erster Buchentwurf wurde gefertigt. Zusammen haben Christoph Drewitz, Annette Hess, Peter Plate und Ulf Leo Sommer daran gearbeitet, die Story für die Bühne zu adaptieren. Drewitz: „Das war wirklich ein tolles Arbeiten, weil unterschiedliche Herangehensweisen mitgebracht wurden – von der Popmusik, von einer Drehbuchautorin und von einem Theatermenschen.“

„Ku'damm 56“ (Foto: Dominik Lapp)

Bis November 2019 wurde das Stück entwickelt, Musik aufgenommen, ein erstes Reading durchgeführt. „Die Krönung war ein zweiwöchiger Workshop in Berlin, wo wir mit einem Ensemble in einem irren Tempo das ganze Stück inszeniert haben“, erzählt der Regisseur. „Da haben wir relativ schnell gemerkt, dass wir genau den richtigen Ton treffen und welch energetisches Potenzial in dem Stück steckt.“ Auch während der Corona-Zwangspause wurde weiter an „Ku’damm 56“ gearbeitet, das Regiekonzept soll auf dem Konzept für die Workshop-Produktion aufbauen.

Christoph Drewitz freut sich schon, so sagt er, das Berlin der Nachkriegsgeneration im Kontrast zum aufpolierten Theater des Westens auf die Bühne zu bringen. „Natürlich wird das ein kommerzielles Musical, aber eben auf eine neue Art“, so Drewitz. Er wolle mithelfen, das Musical im deutschsprachigen Raum voranzubringen und sehe in „Ku’damm 56“ eine Chance dafür. An dem neuen Werk interessiere ihn besonders die historische Relevanz und das aus seiner Sicht hervorragende Buch. „Das Stück bringt Sachen zusammen, die hierzulande im Musical nicht gang und gäbe sind. Es bringt uns in die Richtung, mutiger zu werden, moderner zu klingen und moderner auszusehen“, gibt sich der Regisseur visionär.

Langsam baut sich Druck auf

Doch steht jemand, der die Musical-Adaption einer erfolgreichen TV-Serie verantwortet, eigentlich unter Druck, um der sicherlich hohen Erwartungshaltung der Fanbase gerecht zu werden? „Natürlich schwebt die Serie über allem. Aber ich habe keine Angst davor, aus etwas Bekanntem etwas Neues zu entwickeln“, sagt der musicalerfahrene Regisseur. „Ich vertraue sehr auf Annette Hess, die ja das Buch sowohl für die Serie als auch für das Musical geschrieben hat und das Musical losgelöst von der Serie sieht, weil sie einen anderen Schwerpunkt setzen möchte.“ Deshalb gehe auch er mit einem gesunden Selbstvertrauen an die Arbeit. „Die Figuren werden natürlich sehr ähnlich sein, nicht visuell, aber vom Charakter her.“

Am Ende macht sich Christoph Drewitz trotzdem selbst Druck. „Es ist ja nicht nur so, dass es eine Erwartung von Fans und den Produzenten gibt, denn ich habe ja auch einen Anspruch an mich selbst und an meine Arbeit. Ich fühle aber nicht mehr Druck als sonst, sondern bin fokussiert auf den Premierentermin und weiß, dass die Show bis zu diesem Tag geil sein muss“, so der Regisseur.

Text: Dominik Lapp

„Ku'damm 56“ (Foto: Jordana Schramm)

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

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