Dominik Lapp zu Gast im Podcast „Janas Musicalmasterclass“ zum Thema Musical-Journalismus vs. Musical-Influencer
Eine kritische Kolumne sorgt für Gesprächsstoff in der Musicalszene: In seinem Meinungsbeitrag „Kritisch betrachtet: Influencer-Events bei Musicals sind Applaus auf Bestellung – der nicht lange nachhallt“ auf kulturfeder.de hinterfragt Dominik Lapp die Rolle von Influencern im Musicalbereich. Der Grund: Der jüngste „Abenteuer-Tag“ beim Musical „Tarzan“ in Hamburg. Vor allem, aber nicht nur ausgewählte Musical-Influencer dürfen im Januar 2026 hinter die Kulissen blicken, an einem Ape-Movement-Workshop teilnehmen, durch den Theatersaal der Neuen Flora fliegen, exklusive Einblicke mitten im Orchester sammeln.
Auf Instagram äußern Menschen ihr Unverständnis: Warum sind solche exklusiven Erlebnisse nur einer kleinen, willkürlich wirkenden Influencer-Blase vorbehalten? Warum nicht einen solchen Tag verlosen, ihn öffnen für Fans, für Menschen, die seit Jahren Tickets kaufen, die diese Produktionen finanzieren? Genau diese Kritik aus den sozialen Medien wird schließlich zum Auslöser für Lapps späteren Kommentar. Der Text wird in den sozialen Medien viel diskutiert – und führt im Februar zu einer Podcastfolge von „Janas Musicalmasterclass“, in der Host Jana gemeinsam mit dem Kulturjournalisten die Debatte vertieft.
Verschwimmende Grenzen
Dominik Lapp vertritt dabei klar die Perspektive des klassischen Kulturjournalismus. Er macht seine Haltung deutlich: „Journalismus muss unabhängig sein“, betont er. Zwar sei Influencer-Marketing nicht mit Journalismus gleichzusetzen, doch nach seinen Beobachtungen der letzten Jahre würden im Musicalbereich die Grenzen zwischen Journalismus und Marketing immer mehr verschwimmen. Der Journalist stellt im Podcast infrage, ob Influencer überhaupt unabhängig und kritisch sein können. Man beißt schließlich nicht die Hand, aus der man frisst.
Nähe als Chance?
Gastgeberin Jana hält dagegen und bringt die Perspektive der Szene ein. Influencer seien ein wichtiger Bestandteil der heutigen Musicallandschaft: „Die machen das ja aus Liebe zum Musical“, sagt sie und verweist auf die große Leidenschaft vieler Content Creator. Gerade diese Begeisterung ermögliche es, neue Zielgruppen zu erreichen, die klassische Medien oft nicht mehr ansprechen. „Wir holen damit ein ganz anderes Publikum ab“, so Jana weiter. Damit prallen zwei Systeme aufeinander: Während Journalismus Distanz und kritische Einordnung fordert, setzen Influencer auf Nähe, Emotion und Reichweite.
Grauzone der Glaubwürdigkeit
Dominik Lapp sieht dringenden Handlungsbedarf, wenn Einladungen oder persönliche Vorteile Einfluss auf Inhalte nehmen. Im weiteren Verlauf der Diskussion wird deutlich, dass es nicht nur um Einzelfälle geht, sondern um einen grundlegenden Wandel. „Die Welt hat sich einfach verändert“, stellt Jana fest. Klassische Medien verlieren an Einfluss, während Social Media immer wichtiger wird. Beide Seiten erkennen schließlich an, dass es künftig wohl ein Nebeneinander geben wird: Journalismus für Einordnung und Kritik, Influencer für Reichweite und Begeisterung. „Am Ende geht es um Vertrauen“, sagt Dominik Lapp. Ob journalistischer Artikel oder Instagram-Story – entscheidend sei, dass das Publikum die Inhalte einordnen könne.
Reaktion aus der Branche
Die Diskussion bleibt nicht ohne Folgen: Der Musicalveranstalter Stage Entertainment hat im jüngsten Newsletter Kundinnen und Kunden dazu aufgerufen, sich für ein besonderes Event im April 2026 zu bewerben. Geplant ist erneut eine exklusive Aktion beim Musical „Tarzan“, für die aus allen Bewerbungen einige Personen ausgewählt werden, um die spektakulären Flüge durch den Theatersaal einmal selbst erleben zu können – dieses Mal also nicht exklusiv für Influencer, so wie es sich einige Menschen in den sozialen Medien gewünscht hatten.
Die Debatte um Journalismus und Influencer dürfte damit längst nicht beendet sein. Im Gegenteil: Sie zeigt exemplarisch, wie sehr sich Kulturberichterstattung im digitalen Zeitalter verändert – und wie wichtig klare Rollen und Transparenz geworden sind.
Text: Christoph Doerner
