Probe für das Musical „Hotel Skiverliebt“ in Hamburg. ( Foto: Dominik Lapp)
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Probenbesuch: Am Hamburger Schmidt Theater entsteht Deutschlands erstes Ski-Musical

Die Berge stehen in Stellingen. Noch jedenfalls, noch nicht ganz fertig und vorerst in einem Gewerbekomplex statt auf der Reeperbahn. Auf der Probebühne für das Musical „Hotel Skiverliebt“ herrscht emsiges Treiben: Regisseur Dominik Flaschka und Choreograf Benjamin Zobrys arbeiten an der Eröffnungsnummer, auch Komponist Martin Lingnau ist heute dabei. Bis zur Premiere am 4. November 2026 im Hamburger Schmidt Theater muss aus den einzelnen Elementen ein musikalischer Hotelbetrieb werden. Einer mit alpinem Panorama, reichlich Personal und einer Schneeraupe im Comic-Scherenschnitt-Stil.

„Es ist alles noch im Entstehen“, erklärt Flaschka. Das halbfertige Bühnenbild lässt die spätere Bergwelt bereits erahnen – ebenso wenig wie das Panorama darf natürlich das namensgebende Hotel fehlen. Die Kulisse wächst noch, während die Eröffnungsnummer schon die Aufgabe erfüllen muss, die im Musical besonders anspruchsvoll ist: Sie führt in eine Welt ein, setzt den Ton und bringt das Geschehen in Bewegung. Hier entscheidet sich, wie rasch das Publikum Zugang zu Figuren und Atmosphäre findet.

Eine volle Bühne

Viel Betrieb ist jedenfalls vorgesehen. Selten ist die Schmidt-Bühne so voll: Elf Menschen stehen dort gleichzeitig im Rampenlicht, sämtliche Rollen sind doppelt besetzt. Für ein Haus, dessen räumliche Nähe zwischen Ensemble und Publikum einen wesentlichen Teil seines Charmes ausmacht, verlangt das nach präziser Organisation. Flaschkas Regie und Zobrys’ Choreografie müssen die Fülle in Bewegung übersetzen, ohne dass der Blick auf die einzelnen Charaktere verloren geht.

Komponist Martin Lingnau bei einer Probe für das Musical „Hotel Skiverliebt“ in Hamburg. ( Foto: Dominik Lapp)
Komponist Martin Lingnau hat das Musical für das Salzburger Landestheater geschrieben und für das Hamburger Schmidt Theater angepasst.

Dabei zieht mit „Hotel Skiverliebt“ kein unverändertes Importprodukt nach Hamburg. Ausgangspunkt ist das Musical „Skiverliebt“, dessen Uraufführung 2025 am Salzburger Landestheater anlässlich der Ski-Weltmeisterschaften stattffand. Für die Reeperbahn verschiebt sich der Schwerpunkt: Der sportliche Großanlass tritt zurück, das Leben im Hotel eines Skigebiets rückt ins Zentrum. Der neue Titel macht diese dramaturgische Neuorientierung bereits sichtbar.

„Dadurch ist das Stück etwas ‚schmidtiger‘ geworden und passt so besser auf die Reeperbahn“, erzählt Martin Lingnau. Das bedeutet zugleich eine Anpassung der Dimensionen. „In Salzburg war das Musical sehr groß“, erklärt er. „In Hamburg muss es komprimierter sein.“ Die Überarbeitung soll also nicht bloß weniger Raum beanspruchen, sondern das Geschehen verdichten. „Die Seele ist geblieben, aber es ist etwas knackiger und schneller, vielleicht auch ein bisschen frecher.“

Textliche Anpassungen für Hamburg

Auch sprachlich erhält die Hamburger Fassung einen eigenen Zuschnitt. Lingnau schrieb das Werk wie schon „Goethe!“ gemeinsam mit Frank Ramond, der die Songtexte beisteuerte. Anna Lukasser-Weitlaner verantwortete das Buch. Für Hamburg übernahm jetzt Michael Frowin die textliche Adaption: Manche österreichischen Insider funktionieren vor einem deutschen Publikum nicht ohne Weiteres. Die Dialogfassung stammt von Johannes Glück. So führt der Weg von Salzburg nach St. Pauli auch über die Frage, welche Anspielung unmittelbar zündet und welche erst eine Erklärung braucht.

Probe für das Musical „Hotel Skiverliebt“ in Hamburg. ( Foto: Dominik Lapp)
Auf der Probebühne entstehen noch die Szenen, die schon bald im Schmidt Theater zu sehen sein werden.

Musikalisch sucht der Komponist den Zusammenhang vor allem in den Menschen, von denen die Geschichte erzählt. Wie entsteht ein Kosmos, der sie trägt? „Wenn ich die Figuren ernstnehme und weiß, woher sie kommen, weiß ich auch, welche Musik sie brauchen“, antwortet Lingnau. Das ist ein dramaturgischer Ansatz: Der Klang erwächst aus Herkunft, Haltung und Gefühlswelt der Charaktere. Unterschiedliche musikalische Formen können dadurch verschiedene Seiten derselben Bühnenwelt erschließen.

Umzug auf den Kiez

Das Spektrum reicht von Pop-Balladen über Walzer bis zum Après-Ski. Mit dem Kaiserschmarrn-Walzer gibt es zudem ein kulinarisch grundiertes Pendant zum Kaiserwalzer: Schon der Titel verbindet österreichische Tradition mit einem Augenzwinkern. Zwischen Gefühl, Tanz und Hüttengaudi soll dennoch kein beliebiges Nebeneinander entstehen. „Es ist alles aus einem Guss, obwohl es verschiedene Stilistiken gibt, da ich eine Grundstilistik beibehalten habe“, verspricht Martin Lingnau.

Während auf der Probebühne die Eröffnung Gestalt annimmt und ringsum noch eine Hotelwelt entsteht, zeichnet sich damit die Richtung dieser Hamburger Bearbeitung ab: ein dichteres Geschehen, ein frecherer Ton und Musik, die ihre Figuren auch durch stilistische Wechsel begleitet. Für die grundsätzliche Frage, warum ein Ski-Musical ausgerechnet in die norddeutsche Hafenstadt gehört, hat Lingnau vor der Presse ohnehin eine Erklärung parat. Hamburg sei schließlich die einzige Stadt, die Skiferien habe, scherzt er. Die passenden Berge stehen schon auf der Probebühne im Stadtteil Stellingen und ziehen bald auf den Kiez um, wo das Musical zunächst für drei Monate zu sehen sein wird.

Text: Dominik Lapp

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Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".