„Trouble in Tahiti“ (Foto: Jörg Landsberg)
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Jazzig-lässig: „Trouble in Tahiti“ in Osnabrück

Nachdem das Theater Osnabrück Leonard Bernsteins einaktige Oper „Trouble in Tahiti“, die viele Musicalelemente aufweist, coronabedingt zunächst nur als Stream zeigen konnte, ist das Stück jetzt doch noch vor Publikum zur Premiere gekommen. In seiner coronakonformen Inszenierung steckt Regisseur Guillermo Amaya die Sängerinnen und Sänger teilweise in Boxen und trennt sie räumlich voneinander – das funktioniert zwar, ist aber nicht sonderlich schön oder innovativ.

Nun gilt Social Distancing also auch bei „Trouble in Tahiti“, und dort sogar in der gemeinsamen Wohnung der beiden Hauptcharaktere Dinah und Sam, die durch einen Flur voneinander getrennt sind. Während sich Dinah ausschließlich im Raum links des Flures bewegt, ist Sam der Raum rechts des Flures zugedacht. Das Stück spielt in einem amerikanischen Vorort in den frühen 1950er Jahren, also zur Zeit der Uraufführung – und dort belässt es Guillermo Amaya auch. Der Regisseur, der in Osnabrück schon „Jekyll & Hyde“ inszenierte, zeichnet in „Trouble in Tahiti“ Szenen einer Ehe-Tristesse, in der Dinah ständig herumnörgelt und Sam nur an sich denkt.

Erzählt wird die Geschichte in einem einfachen Bühnenbild von Jörg Zysik, der die Wohnung von Dinah und Sam durch ein paar Möbel andeutet. Einige lichtdurchlässige Stellwände im Hintergrund wirken wie die Silhouette einer amerikanischen Großstadt, hinter der sich das Orchester verbirgt. Die triste Scheinidylle, die der Regisseur geschaffen hat, zeichnet sich ebenso in Dinahs und Sams biederen Kostümen ab, die Nathalie Himpel entworfen hat. Den dreiköpfigen Chor hat sie dagegen in auffällig bunte Farben gewandet.

Die Musik aus der Feder Leonard Bernsteins erschließt sich sehr leicht, ist sie doch für eine Oper recht modern und melodiös und erinnert stellenweise an seine weltberühmte „West Side Story“ . Dabei wird deutlich, dass sich Bernsteins Werk nicht auf ein Genre festlegen lässt, sondern zwischen Musical und Oper bewegt, obgleich der Komponist mit „Trouble in Tahiti“ explizit eine Oper erschaffen wollte. Doch mag der Gesang von Dinah und Sam auch noch so opernhaft sein, so sorgt der bereits erwähnte kleine Chor immer wieder für modernere Klänge. Dem Osnabrücker Symphonieorchester unter der Leitung von An-Hoon Song gelingt dieser ständige Wechsel zwischen klassischen Arien und lässigen Jazznummern jedenfalls mit Bravour.

Auch die Riege der Sängerinnen und Sänger kann sich hören und sehen lassen. So geben Susann Vent-Wunderlich und Jan Friedrich Eggers als Dinah und Sam ein herrlich voneinander genervtes Ehepaar ab. Vent-Wunderlich erträumt sich als Dinah eine Idylle und flüchtet zu ihrem Psychiater, während Eggers den Siegertypen mimt und einen gockelhaften Sam gibt. Den Ehe-Krisenmodus beherrschen beide im Zusammenspiel – trotz Corona-Abstand – geradezu perfekt.

Auch gesanglich lassen sie nichts zu wünschen übrig. Susann Vent-Wunderlich glänzt zu jeder Zeit mit ihrem ausdrucksstarken Sopran genauso wie Jan Friedrich Eggers mit seinem lyrischen Bariton. Heimlicher Star der Inszenierung ist jedoch der dreiköpfige Chor: Kara Kemeny, Elena Soares da Cruz und Jongbea Bu treten in einzelnen Boxen als alles kommentierendes Jazztrio auf – stark in Ausdruck und Gesang.

Nach nur rund einer Stunde ist das durchkomponierte Stück schon zu Ende und hinterlässt einen positiven Gesamteindruck. Guillermo Amaya hat ein rasantes Kammerspiel mit großem Unterhaltungspotenzial und bestens überzeichneten Charakteren inszeniert – das macht Spaß.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

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