„Trouble in Tahiti“ (Foto: Jörg Landsberg)
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Jazzige Musical-Oper: „Trouble in Tahiti“ in Osnabrück

Die Premiere im Januar konnte aufgrund der anhaltenden Theaterschließung nicht stattfinden. Deshalb zeigt das Theater Osnabrück Leonard Bernsteins einaktige Oper „Trouble in Tahiti“, die viele Musicalelemente aufweist, als Stream und hofft, das Stück in dieser Spielzeit noch vor Publikum zeigen zu dürfen. In seiner coronakonformen Inszenierung steckt Regisseur Guillermo Amaya – welch große Überraschung – die Sängerinnen und Sänger teilweise in Boxen. Das funktioniert zwar, ist aber nicht sonderlich innovativ, nachdem man in Osnabrück die Sängerinnen und Sänger bereits in der Oper „Dido and Aeneas“ und in der Operette „Die schöne Galathée“ in Boxen steckte und die Schauspielerinnen und Schauspieler in dem Stück „Willkommen“ mit Plexiglaswänden voneinander trennte.

Nun gilt Social Distancing also auch bei „Trouble in Tahiti“, und dort sogar in der gemeinsamen Wohnung der beiden Hauptcharaktere Dinah und Sam. Das Stück spielt in einem amerikanischen Vorort in den frühen 1950er Jahren, also zur Zeit der Uraufführung – und dort belässt es Guillermo Amaya auch. Der Regisseur zeichnet Szenen einer Ehe-Tristesse, in der Dinah ständig herumnörgelt und Sam nur an sich denkt.

Erzählt wird die Geschichte in einem einfachen Bühnenbild von Jörg Zysik, der die Wohnung von Dinah und Sam durch ein paar Möbel andeutet. Einige lichtdurchlässige Stellwände im Hintergrund wirken wie die Silhouette einer amerikanischen Großstadt, hinter der sich das Orchester verbirgt. Die triste Scheinidylle, die Regisseur Guillermo Amaya geschaffen hat, zeichnet sich ebenso in Dinahs und Sams biederen Kostümen ab, die Nathalie Himpel entworfen hat. Den dreiköpfigen Chor hat sie dagegen in auffällig bunte Farben gewandet.

Die Musik aus der Feder Leonard Bernsteins erschließt sich sehr leicht, ist sie doch für eine Oper recht modern und melodiös und erinnert stellenweise an seine weltberühmte „West Side Story“ . Dabei wird deutlich, dass sich Bernsteins Werk nicht auf ein Genre festlegen lässt, sondern zwischen Musical und Oper bewegt, obgleich der Komponist mit „Trouble in Tahiti“ explizit eine Oper erschaffen wollte. Doch mag der Gesang von Dinah und Sam auch noch so opernhaft sein, so sorgt der bereits erwähnte kleine Chor immer wieder für modernere Klänge. Dem Osnabrücker Symphonieorchester unter der Leitung von An-Hoon Song gelingt dieser ständige Wechsel zwischen klassischen Arien und fetzigen Jazznummern jedenfalls mit Bravour.

Auch die Riege der Sängerinnen und Sänger kann sich hören und sehen lassen. So geben Susann Vent-Wunderlich und Jan Friedrich Eggers als Dinah und Sam ein herrlich voneinander genervtes Ehepaar ab. Vent-Wunderlich erträumt sich als Dinah eine Idylle und flüchtet zu ihrem Psychiater, während Eggers den Siegertypen mimt und einen gockelhaften Sam gibt. Den Ehe-Krisenmodus beherrschen beide im Zusammenspiel – trotz Corona-Abstand – geradezu perfekt.

Auch gesanglich lassen sie nichts zu wünschen übrig. Susann Vent-Wunderlich glänzt zu jeder Zeit mit ihrem ausdrucksstarken Sopran genauso wie Jan Friedrich Eggers mit seinem lyrischen Bariton. Heimlicher Star der Inszenierung ist jedoch der dreiköpfige Chor: Erika Simons, Mario Lee und Mark Hamann treten in einzelnen Boxen als alles kommentierendes Jazztrio auf – stark in Ausdruck und Gesang.

Nach nur rund einer Stunde ist das durchkomponierte Stück schon zu Ende und hinterlässt einen positiven Gesamteindruck. Guillermo Amaya hat ein rasantes Kammerspiel mit großem Unterhaltungspotenzial und bestens überzeichneten Charakteren inszeniert – das macht Spaß. Und das sollte unbedingt noch einmal vor Publikum gespielt werden dürfen. Ansonsten ist der Stream immerhin eine gute Alternative. Zu schade wäre es doch gewesen, hätte das Publikum gänzlich auf „Trouble in Tahiti“ verzichten müssen.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" sowie die Streaming-Konzerte "In Love with Musical" und "Musical meets Christmas".

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