„Robin Hood“ (Foto: Michael Werthmüller)
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Abenteuer im Sherwood Forest: „Robin Hood“ in Fulda

Einer weltbekannten Mittelalter-Saga wurde erneut ein Musical gewidmet: Mit zweijähriger Corona-Verspätung ist „Robin Hood“, das neueste Werk aus dem Hause Spotlight Musicals, im Schlosstheater Fulda zur Uraufführung gekommen. Für das Werk von Dennis Martin (Musik, Buch und Songtexte) sowie Christoph Jilo und Kevin Schroeder (Buch und Liedtexte) steuerte der irische Popstar Chris de Burgh einige Songs bei.

Auch wenn Letzterer durch seinen Status als Weltstar ganz besonders als Komponist des Musicals hervorgehoben wird, so trägt „Robin Hood“ doch deutlich die Handschrift von Dennis Martin, der wieder einmal einen Score geschrieben hat, in dem sich emotionale Balladen mit kraftvollen Up-Tempo- und packenden Ensemblenummern sowie folkloristischen Klängen abwechseln. Die acht Songs von Chris de Burgh fügen sich hervorragend in die Partitur ein und liefern mit seinem Hit „Don’t pay the Ferryman“ (hier: „Freiheit für Nottingham“) den größten Ohrwurm des Stücks.

Ohnehin muss für Spotlight Musicals unbedingt mal eine Lanze gebrochen werden, was die Musik betrifft. Auch wenn diese in Fulda wegen eines fehlenden, ausreichend großen Orchestergrabens traditionell aus der Konserve kommt, ist sie exzellent produziert und von einem rund 60-köpfigen Orchester (Musikalische Leitung: Marcel Jahn) eingespielt worden – und das klingt weitaus besser als so manche Musical-Großproduktion, bei der nur zehn Personen im Graben sitzen und die Streicherklänge künstlich mit dem Keyboard erzeugt werden.

„Robin Hood“ (Foto: Dominik Lapp)

Optisch überzeugt „Robin Hood“ ebenfalls auf ganzer Linie. Das puristisch-abstrakte Bühnenbild von Hans Kudlich besteht vor allem aus einem Gitterkonstrukt, das einerseits als Projektionsfläche dient und andererseits fahr- und neigbar ist und so blitzschnell neue Szenerien entstehen lässt. Durch die gelungenen Lichtstimmungen von Michael Grundner wirkt das Bühnenbild atmosphärisch, so dass man die opulenteren Bühnenbilder, wie man sie aus Spotlight-Produktionen wie „Die Schatzinsel“ oder „Der Medicus“ kennt, definitiv nicht vermisst. Wunderbar wirken zudem die Kostüme von Conny Lüders – hier dominiert schwarzes Leder, was einen modernen Touch in die Mittelalter-Story bringt.

Die Inszenierung von Matthias Davids ist insgesamt zwar rund und temporeich, wird buchbedingt aber manchmal etwas ausgebremst durch Szenen, die die Handlung nicht voranbringen. Ebenso sind ein paar Szenenübergängen recht stockend, was weiter Tempo rausnimmt. Besser gelungen ist Davids dagegen die Personenregie und Charakterzeichnung. Auch die Choreografie von Kim Duddy wertet das Stück auf und treibt die Geschichte rasant voran.

Getragen wird die Show letztendlich von einer durchweg leistungsfähigen Besetzung, angeführt von Friedrich Rau in der Titelrolle. Rau liefert eine Leistung auf höchstem Niveau, wirkt als Robin von Loxley erst recht unsympathisch, um sich später als Robin Hood zu einem umso sympathischeren Helden zu entwickeln. Diese Wandlung und alle Emotionen weiß der Darsteller schauspielerisch hervorragend über die Rampe zu bringen. Gesanglich fasziniert er darüber hinaus mit seinem strahlenden Tenor.

„Robin Hood“ (Foto: Dominik Lapp)

Ein ihm ebenbürtiger Gegenspieler ist Thomas Hohler, der Guy von Gisbourne schauspielerisch eine starke Kontur verleiht. Den Zorn, den Guy gegenüber seinem alten Freund Robin entwickelt, visualisiert Hohler grandios. Gesanglich zeigt er sich in Topform und begeistert mit klaren Gesangslinien und sauberen Schlusstönen sowie einer enormen Strahlkraft.

Wahrhaft skrupellos ist King John in der Darstellung von Christian Schöne, der alle Register seines Könnens zieht. Mit druckvoller Stimme und riesiger Bühnenpräsenz beherrscht Schöne jede seiner Szenen. Ein Gewinn für die Produktion ist weiterhin Johanna Zett, die eine selbstbewusste Lady Marian spielt und mit ihrem klangschönen Sopran für Aufmerksamkeit sorgt. Die Rolle der Äbtissin von Kirklees ist wesentlich kleiner, wird von Melanie Gebhard aber nicht weniger brillant dargestellt.

In weiteren Rollen empfehlen sich Reinhard Brussmann mit seinem profunden Bariton als Earl von Loxley und Little John sowie Enrico Treuse als Sheriff von Nottingham. Einen Hang zur Komik beweist André Haedicke als Bruder Tuck, während Dennis Henschel schauspielerisch wie gesanglich als Will Scarlett gut gefällt.

Generell ist die Energie und Spielfreude des Ensembles, aus dem unter anderem noch Caroline Zins als Mutter King Johns hervorsticht, ganz fantastisch. Wer für rund drei Stunden in den Sherwood Forest und eine kurzweilige Abenteuergeschichte abtauchen sowie die Gehörgänge von gefälliger Musik verwöhnen lassen möchte, wird bei „Robin Hood“ wirklich gut bedient.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".