Absolventen Foto: Dominik Lapp
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Musicalstars von morgen I: Musical-Absolventen-Präsentation 2017 in Osnabrück

Einmal im Jahr treffen sich Intendanten, Agenten und andere Theatermacher, um die Absolventen der Musical-Studiengänge der deutschsprachigen Hochschulen zu erleben, organisiert von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundeagentur für Arbeit, die in der Musicalbranche unter dem Kürzel ZAV besser bekannt ist.

Austragungsort in diesem Jahr war in Osnabrück die Alte Vitischanze, wie der noch erhaltene Teil einer mittelalterlichen Befestigungsanlage genannt wird, in dem ein Bereich der Hochschule Osnabrück untergebracht ist. Als Gastgeber lud das Institut für Musik der Hochschule Osnabrück zu einem wahren Mammutprogramm, bei dem von morgens bis nachmittags Musicalsongs und Sprechszenen präsentiert wurden – am Ende des Tages sollen es über 100 an der Zahl gewesen sein. Und für ihre Präsentationen hatten sich die Hochschulen unterschiedliche Programme überlegt.

So zeigten die Absolventen aus Osnabrück, München und Wien reine Nummernrevuen, während die künftigen Musicaldarsteller von der Folkwang Universität der Künste aus Essen ein zusammenhängendes Konzept samt rotem Faden unter der Regie von Gil Mehmert präsentierten. Das funktionierte sehr gut und war durchweg spannend. Mithilfe von sechs Supermarkt-Rollis erzählten sie die Geschichte von sechs Menschen, denen man RFID-Chips implantiert hatte und die man in einem Raum gefangen hielt, um verschiedene Testphasen an ihnen durchzuführen. Dabei zeigten Alina Grzeschik, Florentine Kühne, Eva Löser, Karen Müller, Philipp Nowicki und Jan Rogler eine homogene Ensembleleistung mit starken solistischen Auftritten, pfiffigen Choreografien und einer guten Portion Humor.

Bei der Songauswahl hatte man sich auf wenige Musicalsongs verständigt und so erklang jeweils nur ein Lied aus den Musicals „Frühlings Erwachen“, „Book of Mormon“, „Cabaret“ und „Fast normal“. Als weitere Songs kamen Titel von Michael Jackson, Pink und anderen Showgrößen zu Gehör. Ein – zugegeben: doppeldeutiger – Höhepunkt jedoch war die szenische Umsetzung des Songs „Supergeil“ von Friedrich Liechtenstein.

Die Osnabrücker Absolventen vom Institut für Musik begannen ihre Präsentation mit einem szenisch wie gesanglich starken „Satisfied“ aus dem Broadway-Musical „Hamilton“. Es folgten zahlreiche solistische Nummern, in denen Sandra Bitterli, Maurice Daniel Ernst, Felix Freund, Joshua Hien, Kara Kemeny, Jasmin Reif, Tobias Rusnak, Lasarah Sattler, Eric Vilhelmsson und Mareike Kristin Zupp verschiedene Facetten ihres Könnens zeigen konnten.

Hervorstechen konnten von den Damen vor allem Lasarah Sattler mit einer stimmlich sauberen Intonation von „Neue Wege“ aus „The Addams Family“ und Jasmin Reif mit starker Bühnenpräsenz und einer gesanglich soliden Leistung bei „Doch wärmt es nicht“ aus „Die Frau des Bäckers“ sowie „Miss Baltimore Crabs“ aus „Hairspray“. Kara Kemeny sang sich bei „Ein neues Leben“ aus „Jekyll & Hyde“ die Seele aus dem Leib und die Schweizerin Sandra Bitterli überzeugte mit dem in Schwizerdütsch dargebotenen „Allei u wit wäg“ aus dem Musical „Ewigi Liebi“. Aus der Herrenriege war es ganz besonders Felix Freund mit „Ihr bereut’s“ aus „Hamilton“, der gesanglich zu glänzen vermochte, während Joshua Hien bei „Lass mich nicht geh’n“ aus „Shrek“ mit seiner kleinen akrobatischen Einlage für eine Überraschung sorgte.

In „Hello“ aus „Book of Mormon“ präsentierten die fünf Herren ihr Gespür für komödiantisches Timing, in „Candy Store“ aus „Heathers“ zogen die fünf Damen mit einer heißen Darstellung nach. Ihre Stepptanz-Qualitäten stellten schließlich alle in „Schalt es ab“ aus „Book of Mormon“ unter Beweis und schlossen die Präsentation mit einer gesanglich (Solist: Tobias Rusnak) wie tänzerisch starken Darbietung von „Brich kein Gesetz“ aus dem Musical „Catch me if you can“.

Aus Österreich von der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien hatten Daniel Eckert, Linda Fischer, Florian Sebastian Fitz, Coony Mooswalder, Cassandra Schütt und Simon Stockinger den weiten Weg nach Osnabrück angetreten, um sich potenziellen Arbeitgebern vorzustellen. Und die Reise hatte sich gelohnt, denn die Wiener zeigten ebenfalls eine durchweg starke Ensembleleistung sowie erstklassige solistische Auftritte. Insbesondere Daniel Eckert und Florian Sebastian Fitz waren schauspielerisch, aber auch gesanglich absolut auf der Höhe. Mit hellstrahlender Stimme sang Eckert „Santa Fe“ aus „Newsies“ und sorgte bei den Sprechszenen im Zusammenspiel mit Fitz immer wieder für Lacher.

Conny Mooswalder, die bereits vor zwei Jahren beim Musical „Mamma Mia!“ in Wien in der Rolle der Sophie professionelle Bühnenerfahrung sammeln durfte, überzeugte mit einer witzigen Interpretation von „Ich brauch’ ’nen Mann, der jodeln kann“ aus dem Musical „Der Schuh des Manitu“, bevor Cassandra Schütt sehr gefühlvoll „I know what you want“ aus „Big Fish“ sang.

Die stärkste Leistung brachten die Musical-Absolventen von der Theaterakademie August Everding aus München, die man aktuell auch in der von Andreas Gergen inszenierten europäischen Erstaufführung von „Big Fish“ erleben kann (Gastspiel vom 25. bis 29. Januar 2017 in Heilbronn). In Osnabrück glänzten Valentina Inzko Fink, Robert Henry Lankaster, Matias Lavall, Valerie Luksch, Benjamin Oeser, Laura Pfister, Lisa Rothhardt und Theresa Weber mit äußerst starken Schauspielszenen, erstklassigen gesanglichen Leistungen und einer dynamischen Stepptanznummer zum Song „Chicago, Illionois“ aus „Victor/Victoria“.

Vor allem Robert Henry Lankaster und Benjamin Oeser dürfen besonders positiv hervorgehoben werden, denn beide konnten mit herrlicher Bühnenpräsenz, einer positiven Ausstrahlung und wunderschönen Stimmen begeistern – Lankaster unter anderem mit „Beautiful City“ aus „Godspell“ und Oeser mit „Wie alles endet“ aus „Big Fish“. Aufhorchen ließ aber auch Laura Pfister mit ihrem glockenklaren Gesang bei „Green finch and linnet bird“ aus „Sweeney Todd“, bevor Theresa Weber mit einem tollen „You don’t know this man“ aus „Parade“ nachziehen konnte und Valerie Luksch sich zu „Live out loud“ aus „Little Princess“ selbst auf dem Klavier begleitete.

Nach rund fünf Stunden endete die insgesamt sehr spannende Musical-Absolventenpräsentation und das geladene Fachpublikum spendete wohlwollenden Applaus, bevor man sich im Foyer des Osnabrücker Theaters zu einer kleinen Zusammenkunft mit den frischen Musicaldarstellern traf, von denen einige bereits auf professionellen Bühnen standen und auch in Zukunft ganz sicher stehen werden. Es bleibt abzuwarten und mit Spannung zu beobachten, wohin die einzelnen Wege der jungen Künstler führen. Einige Gespräche zwischen Absolventen und Theaterverantwortlichen wurden jedenfalls schon direkt nach der Präsentation geführt. Außerdem waren einige Absolventen am Abend nach der Präsentation noch im Rahmen der Musicalgala „Next Generation“ auf der Bühne des Osnabrücker Theaters zu erleben.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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