„Messa da Requiem“ in Hannover (Foto: Sandra Then)
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Prachtvoll: „Messa da Requiem“ in Hannover

Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ besticht durch musikalische Pracht und emotionale Tiefe. Geschrieben in Erinnerung an den italienischen Schriftsteller Alessandro Manzoni, ist das Werk eine eindrucksvolle Verschmelzung von geistlicher Musik und Oper – und wird deshalb jetzt völlig zu recht an der Staatsoper Hannover in einer Inszenierung von Elisabeth Stöppler szenisch auf die Bühne gebracht, was hervorragend funktioniert.

Stöppler hat das Requiem in eine im Bau befindliche Eishalle verlegt (Bühnenbild: Katja Haß). Die Betontribüne und das Stahlgerippe, das mal Dach und Wände tragen soll, strahlen eine kühle Nüchternheit aus, was die perfekte Atmosphäre für so ein Requiem schafft. In der Eishalle treffen Menschen verschiedener Altersklassen und Gesellschaftsschichten in entsprechender Kleidung (Kostüme: Gesine Völlm) aufeinander. Sie alle haben Fotos Verstorbener dabei, die an eine Wand geklebt werden.

Diese Menschen der Gegenwart, die den Toten gedenken, werden dargestellt durch den Chor und Extrachor der Staatsoper Hannover, die – anders als bei einem klassisch aufgeführten Requiem – alles auswendig singen und die Seele von Verdis Werk bilden. Gemeinsam mit dem Orchester baut der Chor eine Klanglandschaft auf, die in eine Welt des Jenseits entführt.

„Messa da Requiem“ in Hannover (Foto: Dominik Lapp)

Die solistischen Rollen sind namentlich mit Buchstaben und von den Kostümen her farblich gekennzeichnet: Der Tenor José Simerilla Romero ist „T“ und trägt Weiß, der Bass Shavleg Armasi ist „B“ und trägt Schwarz, die Sopranistin Barno Ismatullaeva ist „S“ und trägt Gelb, die Altistin Monika Walerowicz ist „A“ und trägt Blau. Alle vier vermitteln dem Publikum verschiedene Perspektiven auf Tod und Trauer. Als fünfte Figur wurde für ergänzende deutsche Texte von Martin Mutschler eine reine Sprechrolle geschaffen: „X“, dargestellt von Heinrich Horwitz, trägt Rot.

Die „Messa da Requiem“ verlangt von den Mitwirkenden Höchstleistungen, denn sie müssen sowohl opernhafte Virtuosität als auch eine subtile Interpretation der sakralen Texte zeigen, was allen exzellent gelingt. Eine Besonderheit ist dabei, dass sie auch Texte in ihren Muttersprachen wiedergeben: auf Spanisch (Romero), Georgisch (Armasi), Usbekisch (Ismatullaeva) und Polnisch (Walerowicz).

Eine zentrale Rolle spielt der Chor (Einstudierung: Lorenzo Da Rio), der großartig zwischen sanften, beinahe flüsternden Passagen und donnernden Ausbrüchen wechselt – insbesondere beim „Dies irae“, das einen Höhepunkt darstellt. Mit donnernden Trommeln und den kraftvollen Chorpassagen malt Verdi hierbei ein Bild des Jüngsten Gerichts, das zutiefst beeindruckt und erschüttert. Die musikalische Wucht presst das Publikum regelrecht in die Sitze, wofür Chor und Orchester am Schluss mit nicht enden wollendem Applaus bedacht werden.

Ohnehin unterstützt das Niedersächsische Staatsorchester unter der Leitung von James Hendry die dramatischen Wendungen der Musik mit außergewöhnlicher Präzision und Ausdruckskraft, so dass sich die emotionale Wirkung des Requiems vollkommen entfalten kann. Diese musikalische Pracht wird durch die atmosphärisch stimmige und wirklich herausragende Inszenierung noch verstärkt und beleuchtet das Requiem aus einem völlig neuen Blickwinkel. Als Gesamtkunstwerk ist das alles so brillant, dass die kräftigen Premieren-Buhrufe für das Kreativteam das Geleistete keinesfalls schmälern. Absolut sehens- und hörenswert!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".