„Mamma Mia!“ (Foto: Dominik Lapp)
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Schwach umgesetzt: „Mamma Mia!“ in Oberhausen

Es kann sich nur um eine Notlösung handeln, das Musical “Mamma Mia!” für kurze Zeit in Oberhausen aufzuführen. Als Überbrückung, bis die Hamburger Produktion von „Das Phantom der Oper“ ins Metronom Theater einzieht. Doch auch wenn „Mamma Mia!“ sicher eine der besseren Compilation-Shows ist, hat die Qualität der Show in den letzten Jahren erheblich nachgelassen.

Da ist einerseits das Bühnenbild, das noch nie sehr aufwändig, aber dennoch ausreichend und funktionell war. In Oberhausen fahren die einzelnen Bühnenteile – wie zuvor schon in Berlin und Stuttgart – nicht mehr automatisch, sondern werden von verkleideten und sich nicht gerade elegant bewegenden Bühnenhandwerkern geschoben. Das hat man selbst an Stadt- und Staatstheatern schon eleganter gelöst gesehen. Auch den hydraulischen Steg und die einst in den Bühnenboden eingelassenen blinkenden Kacheln gibt es nicht mehr. Wer also bislang gedacht hat, die ohnehin schon spärliche Ausstattung des ABBA-Musicals könne man nicht weiter reduzieren, wird in Oberhausen eines Besseren belehrt.

Auf der Habenseite ist immerhin die zeitlose Musik, die aber stellenweise etwas zu laut durch das Autditorium wummert. Hier wäre weniger tatsächlich einmal mehr gewesen. Die Cast jedoch, die im Ruhrpott auf der Bühne steht, ist in ihren Leistungen sehr gemischt. Als Highlight sticht Carina Sandhaus als Donna aus der Darstellerriege hervor. Schauspielerisch gibt sie die allein erziehende Mutter und Hotelbetreiberin authentisch. Jede Mimik, jede Gestik und Donnas Gefühlsschwankungen nimmt man Sandhaus vollends ab. Dass sie auch noch ganz hervorragend singt – ihre Interpretation des Songs „Der Sieger hat die Wahl“ ist der stärkste Moment des Abends – macht ihre Darstellung der Donna perfekt. Ihr absolut ebenbürtige Bühnenpartnerinnen sind Betty Vermeulen als Tanja und Barbara Raunegger als Rosie, die beide rollendeckend spielen und singen und zusammen mit Sandhaus ein starkes Trio abgeben.

Nicht weniger stark agieren Jerry Marwig als Sam, Dean Welterlen als Harry und Jörg Zuch als Bill. Hier hat man drei überzeugende Schauspieler verpflichtet, die jedem der drei möglichen Väter einen eigenen Stempel aufdrücken. Jerry Marwigs Sam glüht noch immer für seine Donna und sorgt sich rührend um seine mögliche Tochter Sophie, Dean Welterlen spielt einen sympathischen Harry und Jörg Zuch gibt als Bill den wunderbar knurrigen Abenteurer.

Gegen diese sechs durchweg starken Darsteller haben es die weiteren Akteure sicht- und hörbar schwer. Dabei liefern ausgerechnet Lara Grünfeld als Sophie und Marc Früh als Sky die schwächste Leistung ab. Zwar passt Grünfeld optisch hervorragend in das Rollenprofil der Sophie, doch ihre hohe Sprechstimme ist auf Dauer anstrengend und ihre dünne Singstimme ist den Songs von ABBA absolut nicht gewachsen. Auch schauspielerisch vermag sie, ebenso wie Marc Früh, keine Glanzleistungen zu vollbringen. Beide Darsteller wirken hölzern im (Zusammen-)Spiel, die eigentlich so wunderbare Szene zum Song „Leg dein Herz an eine Leine“ verschenken sie schauspielerisch wie gesanglich. Zwischen dieser Sophie und diesem Sky knistert rein gar nichts.

Pepper ist nur eine kleine aber auch – mit dem nötigen komödiantischen Timing – sehr dankbare Rolle. Allerdings gelingt es Farid Halim in dieser Rolle nicht, im Song „Wenn das Mami wüsst“ neben Betty Vermeulens Vamp namens Tanja zu bestehen. Perry Beenen bleibt als Eddie buchbedingt genauso blass. Immerhin schaffen es noch Sanne Buskermolen als Ali und Rebecca Stahlhut als Lisa, durch ihr locker-authentisches Spiel in den Rollen von Sophies besten Freundinnen zu glänzen, wobei besonders die schauspielerische Leistung von Stahlhut positiv hervorzuheben ist.

Insgesamt also eine eher schwache – wenn nicht sogar die schwächste deutschsprachige – Produktion von „Mamma Mia!“, die in Oberhausen zu sehen ist. Das ist bitter.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und das Streaming-Konzert "In Love with Musical".

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