„Mamma Mia!“ (Foto: Dominik Lapp)
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Comeback der guten Laune: „Mamma Mia!“ in Hamburg

Es ist ein Comeback der guten Laune! Das Musical „Mamma Mia!“ ist nach fast genau 20 Jahren nach Hamburg, an den Ort seiner deutschsprachigen Erstaufführung, zurückgekehrt. Damals hob sich der Vorhang für das Stück mit den Hits von ABBA im Operettenhaus, wo in Kürze der Broadway-Kracher „Hamilton“ Deutschlandpremiere feiert – jetzt erobert „Mamma Mia!“ die Bühne der Neuen Flora, wo es die Nachfolge von „Wicked“ angetreten hat.

Viel hat sich getan in den letzten zwei Jahrzehnten. Während damals noch die Meinung vorherrschte, dass man die weltberühmten Songtexte von ABBA nicht auf Deutsch bringen könne, wurde Musical-Deutschland längst eines Besseren belehrt. Die deutschen Texte von Michael Kunze (Songs) und Ruth Deny (Dialoge) funktionierten bereits damals großartig und tun es noch heute – inzwischen wurde die Show weltweit sogar bereits in 16 verschiedenen Sprachen aufgeführt.

Was die Show in den letzten Jahren – das wird auf der riesigen Bühne der Neuen Flora mehr als deutlich – eingebüßt hat, ist die Ausstattung (Mark Thompson). Das Bühnenbild ist kleiner als bei der Deutschlandpremiere 2002, bewegt sich nicht mehr vollautomatisch, sondern wird geschoben. Zudem gibt es den hydraulischen Steg und die einst in den Bühnenboden eingelassenen blinkenden Kacheln schon seit Jahren nicht mehr. Das ist schade für all diejenigen, denen die Show aus 2002 noch gut in Erinnerung ist, tut der Show insgesamt aber natürlich keinen Abbruch.

„Mamma Mia!“ (Foto: Dominik Lapp)

Auf der Habenseite ist immerhin die zeitlose Musik von ABBA, die von der siebenköpfigen Band unter der Leitung von Hannes Schauz frisch interpretiert wird. Ohnehin ist „Mamma Mia!“ immer noch eines der besseren Jukebox-Musicals, denn in wohl kaum einer anderen Compilation-Show wurden die Handlung und die Hits einer Band so gekonnt miteinander verwoben. Dramaturgisch ist die Produktion deshalb wirklich stark, die Handlung – Sophie sucht vor ihrer Hochzeit ihren Vater und findet dabei heraus, dass insgesamt drei Verflossene ihrer Mutter in Frage kommen – ist nach wie vor äußerst unterhaltsam.

Erfreulich ist, dass inzwischen immer diverser gecastet wird. So stehen auch in „Mamma Mia!“ unglaublich tolle Menschen verschiedenster Identitäten und Ethnien auf der Bühne, die eine intensive Leistung bringen. Sabine Mayer sticht dabei als Donna aus der Darstellerriege hervor. Schauspielerisch gibt sie die allein erziehende Mutter und Hotelbetreiberin authentisch. Ihre Mimik sowie Gestik und besonders Donnas Gefühlsschwankungen nimmt man Mayer zu jeder Sekunde ab. Dass sie auch noch ganz hervorragend singt – ihre Interpretation des Songs „Der Sieger hat die Wahl“ ist der stärkste Moment des Abends – macht ihre Darstellung perfekt. Ihr absolut ebenbürtige Bühnenpartnerinnen sind Jennifer van Brenk als Tanja und Franziska Lessing als Rosie, die ihren Rollen herrlich absurde Profile verleihen und zusammen mit Sabine Meyer ein starkes Trio bilden.

Nicht weniger stark agieren Karim Khawatmi als Sam, Detlef Leistenschneider als Harry und Tetje Mierendorf als Bill. Hier hat man drei sehr überzeugende Schauspieler verpflichtet, die jedem der drei möglichen Väter einen eigenen Stempel aufdrücken. Khawatmis Sam glüht noch immer für seine Donna und sorgt sich rührend um seine mögliche Tochter Sophie, Leistenschneider gibt einen sympathischen Harry „Headbanger“ und der Hüne Mierendorf erweist sich geradezu als Idealbesetzung für den von ihm wunderbar knurrig dargestellten Abenteurer Bill, der jetzt nicht mehr aus Australien kommt, sondern von St. Pauli.

„Mamma Mia!“ (Foto: Brinkhoff/Moegenburg)

Rose-Anne van Elswijk, die mit ihrem strahlenden Sopran in Songs wie „Mich trägt mein Traum“ oder „Honey, Honey“ verzaubert, punktet als Sophie mit jugendlicher Leichtigkeit und erfrischendem Schauspiel. Ihr zur Seite steht Naidjim Severina, der einen genauso smarten wie coolen Sky gibt und mit seiner klangschönen Stimme begeistert. Auch das Zusammenspiel von ihm und van Elswijk gelingt sehr gut – besonders in der Nummer „Leg dein Herz an eine Leine“. Beiden steht allerdings zeitweise ihr niederländischer Akzent noch ein wenig im Weg.

Ein gelungenes Musical-Debüt gibt Benjy Stevens als Pepper, der seinen großen Auftritt im Song „Wenn das Mami wüsst“ hat und dort neben Jennifer van Brenks Vamp namens Tanja bestehen kann. Mit locker-authentischem Spiel glänzen zudem Samuel Hoi-Ming Chung als Eddie, Lyssa Tejero als Ali und Bathoni Buenorkuor als Lisa.

Was nichts an Genialität eingebüßt hat, ist die spritzig-dynamische Choreografie von Anthony van Laast. Auch nach all den Jahren wirkt diese noch immer genauso frisch wie genial. Einen frischen Touch hat Regisseur Paul Garrington außerdem der Originalinszenierung von Phyllida Lloyd verpasst, was vor allem bei der Rollenzeichnung von Donna und den Dynamos auffällt. So zeigt sich „Mamma Mia!“ nach 20 Jahren frischer denn je in der Stadt, in der 2002 der deutsche Erfolgsweg der Show begann.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".