Jesus (Foto: Bettina Stöß)
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Entkräfteter Rockstar: „Jesus Christ Superstar“ in Wuppertal

Jesus als entkräfteter Rockstar? Klingt ungewöhnlich, funktioniert in Erik Petersens Inszenierung des Musicals „Jesus Christ Superstar“ aber noch immer erstaunlich gut. Die Produktion des Oldenburgischen Staatstheaters aus der Spielzeit 2017/2018 wurde jetzt vom Opernhaus Wuppertal übernommen und hat beim Transfer nichts von ihrer Aussagekraft eingebüßt.

Petersen hat es hier wie dort geschafft, das Stück von Andrew Lloyd Webber (Musik) und Tim Rice (Text) sehr spannend neu zu inszenieren. Dazu macht er den Messias zum Rockstar und erzählt die Story von Jesus und seiner Band „The Prophets“, die von Verena Polkowksi in zeitgenössische Kostüme gehüllt wurden. Und weil Rockstars eben Englisch singen, wird „Jesus Christ Superstar“ in Wuppertal wie auch schon in Oldenburg im englischen Original aufgeführt.

Der neue Blickwinkel auf die Passionsgeschichte erweist sich dabei als durchweg genial: Die Zuschauer erleben in Erik Petersens Inszenierung den Aufstieg und Fall eines Rockstars. Da sind Auftritte der Band, Backstage-Geschichten und die hysterische Verehrung des Rockstars durch seine Fans. Sam Madwar hat dafür ein äußerst funktionales Bühnenbild geschaffen, das lediglich aus einem Gittergerüst besteht. Durch einzelne Möbel, Requisiten, Licht und Nebel gelingen die Szenenwechsel sehr gut, und die Darsteller stehen immer im Fokus des Geschehens.

An der Spitze der Darstellerriege steht Oedo Kuipers, der als Jesus zunächst einen nahenden Erschöpfungszustand und ein Gefühl des Ausgebranntseins zeigt. Später wendet er alle Kraft auf, um ein emotionales „Gethsemane“ als tiefe Seelenschau ins Auditorium zu jagen und das Publikum bei den 39 Peitschenhieben und der Kreuzigung mitleiden zu lassen. Ebenso überzeugend ist Rupert Markthaler. Als Judas sucht er nach Bestätigung und ist von starken Zweifeln geplagt. Mit seiner grandiosen Rockstimme macht sich Markthaler jeden seiner Songs zu eigen und kann Judas‘ Handeln schauspielerisch äußerst glaubhaft vermitteln.

Maureen Mac Gillavry ist in der Rolle der Maria Magdalena eine Backgroundsängerin der Band „The Prophets“ und verleiht ihr ein hübsches Profil. Vor allem aber überzeugt sie stimmlich mit ihrer Interpretation des Songs „I don’t know how to love him“. Positiv hervorgehoben werden muss zudem Kim-David Hammann, der als Simon und Peter mit seiner klangschönen Stimme begeistert. In der Doppelrolle als Pontius Pilatus und Annas gelingt Simon Stricker eine überzeugende Rollenzeichnung, Sebastian Campione leiht dem Hohepriester Kaiphas seinen erdigen Bass und Mark Bowman-Hester liefert als Herodes einen herrlich überzogenen Auftritt.

Die Band unter der Leitung von Jürgen Grimm hat zudem einen großen Anteil am Gelingen von „Jesus Christ Superstar“, und so ist diese Musicalproduktion in Wuppertal genauso sehenswert wie schon zuvor in Oldenburg. Nicht verpassen!

Text: Dominik Lapp

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Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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