„Die chinesische Nachtigall“ (Foto: Dominik Lapp)
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Liebevoll inszeniert: „Die chinesische Nachtigall“ in Köln

Dem Kaiser von China gehört alles. Nur eines besitzt er nicht: die Nachtigall, von deren wunderschönem Gesang er gerade erst erfahren hat. In „Die chinesische Nachtigall“ von Esther Hilsberg (Musik) und Holger Potocki (Libretto) wird Hans Christian Andersens Märchen kindgerecht als Oper erzählt. Das funktioniert gut, ist kurzweilig und holt nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen ab. Mit der Produktion verabschiedet sich die Kammeroper Köln außerdem aus ihrer Wirkungsstätte – dem Walzwerk Pulheim, wo sie sieben Jahre zu Hause war – weil ihr der Mietvertrag gekündigt wurde.

Das Originalmärchen, leicht verkürzt und abgewandelt, hat Holger Potocki in einem leicht verständlichen, witzigen und durchaus auch mal nachdenklich stimmenden Libretto verpackt, das von Kammeroper-Intendantin Esther Hilsberg wunderschön vertont wurde. Dazu hat sie eine Partitur geschrieben, die mal schwungvoll und mal romantisch, mal quicklebendig und mal getragen klingt und dadurch eine schöne Abwechslung bietet.

Das kleine Ensemble der Kölner Symphoniker unter der versierten Leitung von Inga Hilsberg besteht aus Klavier (Inga Hilsberg), Cello (Bronislaw Madziar), Harfe (Isabelle Marchewka) und Flöte (Roland Meschede) und wird der Partitur sehr gut gerecht. Die Musikerinnen und Musiker bringen die Nachtigall mit Leidenschaft und Verve zum Klingen. Mit nicht weniger Leidenschaft gehen es die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne an.

Allen voran ist es Komponistin Esther Hilsberg als titelgebende Nachtigall, die zu begeistern vermag. So gestaltet sie die Koloraturen ihrer Partie äußerst virtuos und brilliert in den Höhen. Dem als Tiger dargestellten Kaiser von China verleiht Hans-Arthur Falkenrath mit sonorer Stimme ein starkes Rollenprofil. Jiyeong Park singt wunderbar die künstliche Nachtigall und Päng, während Kelsey Frost Steele (Pingpang) und Burkhard Solle (Pong / Tod) mit sicher geführten Stimmen überzeugen. Der heimliche Star der Produktion ist jedoch Lucas Schaarmann als kleine Küchenmaus. Er hat als einziges Kind auf der Bühne nicht bloß den Kinderbonus, sondern glänzt durch sein unbeschwertes Schauspiel und sauberen Gesang.

Doch nicht nur musikalisch, auch optisch punktet „Die chinesische Nachtigall“ auf ganzer Linie. Das liebevoll gestaltete Bühnenbild von Jodie Fox zeigt neben einem Gebirgszug eine Strohhütte und das kaiserliche Arbeitszimmer, die Kostüme, ebenfalls von Fox, sind rollengerecht gestaltet – und die Idee, alle Rollen in Tiere zu verwandeln (Inszenierung: Tyler Steele), kommt beim kindlichen wie erwachsenen Publikum gut an. Zu Recht gibt es am Ende viel Applaus für diese schöne Kinderoper und die künstlerischen Leistungen. Wenn die Kammeroper Köln nun künftig als Tourneetheater weitermacht, bleibt zu hoffen, dass noch viele Kinder in den Genuss der „Chinesischen Nachtigall“ kommen werden.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

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