Interview mit Jannik Harneit und Vikrant Subramanian: „Mit Schwertern auf der Bühne zu kämpfen, ist schon ein kleiner Jungstraum“
Mit „Artus – Excalibur“ bringt das Theater Osnabrück ein Musical mit musikalischer Wucht und zeitlosen Fragen nach Macht, Freundschaft und Verantwortung auf die Bühne. Im Interview sprechen die Hauptdarsteller Jannik Harneit und Vikrant Subramanian über ihre Rollen als Artus und Lancelot, aber auch über frühere Engagements.
Was hat euch an der Geschichte von „Artus – Excalibur“ musikalisch wie inhaltlich sofort gepackt?
Jannik Harneit: Die Artus-Sage kennt man natürlich – aus Filmen, aus Büchern. Und ganz ehrlich: Mit Schwertern auf der Bühne zu kämpfen, ist schon ein kleiner Jungstraum. Das haben wir doch alle als Kinder gespielt. Jetzt machen wir das mit echten Waffen, gut choreografiert und trainiert. Aber inhaltlich geht es gar nicht ums Kämpfen, sondern um Werte wie Gerechtigkeit und Gnade. Excalibur steht ja eigentlich genau dafür.
Vikrant Subramanian: Musikalisch fängt es direkt stark an. „Schwert und Stein“ ist so eine großartige Nummer – ich hatte tagelang einen Ohrwurm. Das Stück hat viele große Balladen, vielleicht mehr als andere Musicals von Frank Wildhorn. Und einige davon sind wirklich wunderschön.
Artus und Lancelot sind sehr gute Freunde. Wie habt ihr die besondere Dynamik zwischen euren Rollen entwickelt?
Jannik Harneit: Ein großer Vorteil ist, dass wir uns schon lange kennen und bereits zusammengearbeitet haben. Da war von Anfang an Vertrauen da.
Vikrant Subramanian: Und wir sind beide verheiratet, beide Väter – vielleicht hilft das. (lacht) Es gibt kein Konkurrenzdenken. Wenn einer eine Idee hat, probieren wir sie aus. Ganz unkompliziert.
Jannik Harneit: Wir haben auch außerhalb der Proben weitergetüftelt, in der Kantine oder auf der Seitenbühne. Da feilt man immer noch an Details.
Gab es etwas an euren Figuren, das euch im Probenprozess überrascht hat?
Vikrant Subramanian: Bei Lancelot weniger, aber bei Morgana sehr. Während man zunächst stark auf die eigene Rolle fokussiert ist, merkt man im Prozess, wie vielschichtig andere Figuren sind. Morgana hat eine beeindruckende Entwicklung.
Jannik Harneit: Mich hat die Fallhöhe von Artus überrascht. Beim Lesen war mir nicht klar, wie sehr er an sich selbst und seinen Entscheidungen zerbricht. Erst im Durchlauf auf der Bühne wurde mir das richtig bewusst.
Die Musik von Wildhorn ist sehr kraftvoll. Gibt es eine Nummer, die euch besonders fordert?
Vikrant Subramanian: Es ist zwar nicht mein Song, aber „Schwert und Stein“ ist definitiv ein Ohrwurm und gesanglich anspruchsvoll.
Jannik Harneit: Für mich ist es neben der Eröffnungsnummer vor allem „Alles ist vorbei“ im zweiten Akt. Diese Nummer baut sich extrem auf, sowohl emotional als auch stimmlich. Typisch Wildhorn: Man muss gut haushalten, sonst kommt man nicht durch. (lacht)
Vikrant Subramanian: Aber wenn man es schafft, ist das Gefühl danach einfach großartig. (lacht)
Was nehmt ihr aus dieser Produktion mit?
Vikrant Subramanian: Die kleinen Momente. Die Witze, das Zusammensitzen, die menschlichen Situationen im Probenprozess – das bleibt.
Jannik Harneit: Und die inhaltlichen Diskussionen. Wir haben viel über Krieg, Verantwortung und die heutige Zeit gesprochen. Man hat sich auch mal gerieben, aber genau das macht eine Produktion lebendig.

Jannik, du hast am Theater Osnabrück bereits in „Tootsie“ gespielt. Was hast du dort über Timing und Bühnenpräsenz gelernt?
Jannik Harneit: Eine Menge. Comedy lebt vom Timing, und das lernt man nur im Spielen. Dazu kamen schnelle Umzüge, teilweise 20 bis 25 Sekunden für einen Quick Change. Das ist Timing auf der Seitenbühne. Diese Herausforderungen liebe ich. Wenn man von der Bühne runtergeht und Sekunden später komplett verwandelt wieder auftaucht, ist das Theatermagie.
In Dresden hast du unter anderem in „Catch me if you can“ gespielt. War das eine prägende Rolle?
Jannik Harneit: Ja, das war unglaublich prägend. Ich war noch relativ frisch im Beruf, und unser Regisseur hat intensiv mit mir gearbeitet. Die Rolle trägt viel Verantwortung, man durchbricht die vierte Wand, führt das Publikum durch den Abend. Das hat mir großen Spaß gemacht und mir für spätere Produktionen wie „Tootsie“ viel Sicherheit gegeben.
Magst du lieber große Stoffe oder intime Stücke?
Jannik Harneit: Ich liebe große Werke wie die „West Side Story“ oder „Titanic“. Aber genauso reizvoll sind kleine, intime Musicals. Wenn die Geschichte stark ist, spielt die Größe keine Rolle.
Gibt es eine Rolle, die dich besonders weitergebracht hat?
Jannik Harneit: Tony in der „West Side Story“ war immer eine Traumrolle. Künstlerisch prägend war aber auch meine Zeit an der Staatsoperette Dresden. Operette verlangt ein anderes Spiel, da habe ich viel gelernt.
Du spielst im Sommer Edmond Dantès in „Der Graf von Monte Christo“. Wird Wildhorn also dein neuer Favorit?
Jannik Harneit: (lacht) Es ist eher Zufall, dass sich das gerade häuft. Aber natürlich freue ich mich sehr darauf. Ein bisschen Respekt habe ich nur davor, zwei Produktionen parallel zu spielen – besonders wegen der unterschiedlichen Kampfchoreografien. Da darf man nichts durcheinanderbringen.

Vikrant, du standest in „Die Eiskönigin“ auf der Bühne. Was hat dir diese Disney-Produktion bedeutet?
Vikrant Subramanian: Sehr viel. Ich komme eigentlich aus der Oper und dem Stadttheater. Disney ist eine ganz eigene Welt – extrem präzise, technisch ausgefeilt. Wenn man sieht, wie Menschen in den ersten Reihen weinen, versteht man diese Magie. Gleichzeitig steckt unfassbar viel Arbeit dahinter, von der Technik bis zum Puppenspiel.
Du bist sowohl im Opern- als auch im Musicalfach unterwegs. Wie kam es dazu?
Vikrant Subramanian: Ich stand schon sehr jung auf der Bühne, bin in Neu-Delhi aufgewachsen und habe dort viel ausprobiert. Später habe ich Oper in Paris studiert. Ich glaube, wenn man früh lernt, stilistisch offen zu sein, bleibt man flexibel. Ich möchte beides machen: Oper und Musical.
Du hast in zwei Stücken von Jonathan Larson gespielt: „Rent“ und „tick, tick… BOOM!“. Liegen dir solche direkten, ehrlichen Stoffe?
Vikrant Subramanian: Ja, sehr. „tick, tick… BOOM!“ war extrem intim mit nur drei Personen. Ich habe selten so viel auf der Bühne geweint. Und „Rent“ hat diese Mischung aus großen Bildern und ganz persönlichen Momenten. Larsons Musik ist emotional so unmittelbar, das geht richtig unter die Haut.
Welche Rolle hat dich besonders geprägt?
Vikrant Subramanian: Eine Rolle, die ich wirklich liebe und die ich auch mehrfach spielen durfte, ist Sweeney Todd. Aber wenn ich die Frage ganz ehrlich beantworte, dann war es Joe Gillis in „Sunset Boulevard“. Diese Figur ist einem als Künstler manchmal sehr nah mit großen Träumen und der Realität des Berufs. Da musste ich lernen, die Rolle nach der Vorstellung wieder abzustreifen. Ich bin in Indien aufgewachsen und hatte wie Joe große Träume. Man kommt mit der Vorstellung: Ich werde ein großer Künstler, ich werde auf großen Bühnen stehen, dies und das erreichen. Und natürlich ist die Realität unseres Berufs auch wunderschön, aber sie ist selten genauso, wie man sie sich als Kind ausmalt. Joe Gillis kommt nach Los Angeles mit dem festen Glauben, es ganz nach oben zu schaffen. Aber sein Weg entwickelt sich dann in eine völlig andere Richtung. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Traum und Wirklichkeit hat mich sehr berührt.
Interview: Dominik Lapp

