„Natürlich Blond“ in Hamburg (Foto: Dominik Lapp)
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Vom Probenraum auf die Bühne: Zu Besuch bei den Endproben für das Musical „Natürlich Blond“ in Hamburg

Drei Wochen lang wurde zunächst in den Räumen der Stage School Hamburg gearbeitet, seit einer Woche probt das Team des Musicals „Natürlich Blond“ nun im First Stage Theater – endlich im Originalbühnenbild, mit den tatsächlichen Wegen, Dimensionen und Übergängen der Inszenierung. An diesem Probentag werden einzelne Szenen für den Trailer aufgezeichnet, danach stehen Szenenproben auf dem Plan. Für Regisseurin Franziska Kuropka ist dieser Moment in jeder Produktion ein besonderer: Wenn aus einzelnen Nummern, Ideen und Abläufen langsam ein Abend wird.

Mit „Natürlich Blond“ inszeniert sie die diesjährige Abschlussproduktion der Absolventinnen und Absolventen und betritt dabei selbst in gewisser Weise Neuland. Das Musical, erzählt sie, habe sie nicht über die frühere Hamburger Inszenierung kennen gelernt. Den bekannten Proshot habe sie gesehen, im vergangenen Sommer außerdem eine Inszenierung in Dresden besucht. Aber irgendwann höre sie bewusst auf, sich andere Versionen anzuschauen. „Mich interessiert eher die Frage: Was machen wir daraus?“ Vor allem aber: mit wem. „In unserem Fall sind das die Studierenden – und die sind wieder ganz zauberhaft.“

Natürlich Blond Hamburg

„Natürlich Blond“ in Hamburg (Foto: Dominik Lapp)
Das Plakat am Theatereingang verrät es bereits: Hier feiert bald „Natürlich Blond“ Premiere.

Hand in Hand erzählen

Dass „Natürlich Blond“ für Kuropka zu einer besonderen Produktion geworden ist, liegt nicht nur am Ensemble, sondern an der Arbeitsweise. Das Musical empfindet sie als beinahe durchkomponiert: wenig gesprochene Szenen, sehr viel Musik. Für eine Regisseurin, die nach eigener Aussage stark aus dem Szenischen kommt, bedeutete das eine andere Form des Arbeitens.

Und genau dort beginnt die Zusammenarbeit mit Choreografin Nicole Eckenigk. „Wir mussten ständig Hand in Hand arbeiten und überlegen: Wie entwickelt sich die Inszenierung während der Songs weiter? Wie greifen Choreografie und Szene ineinander?“

Eckenigk kam über eine Kollegin zum Projekt. Als die Nachricht von Kuropka kam und klar wurde, um welches Stück es ging, sei die Reaktion eindeutig gewesen. „Da hatte ich gleich doppelte Schnappatmung“, berichtet die Choreografin. Sie kennt „Natürlich Blond“ seit Jahren, hat den Proshot unzählige Male gesehen und sich schon während ihrer eigenen Zeit an der Stage School mit dem Stück beschäftigt. Dass daraus nun eine gemeinsame Arbeit wurde, beschreiben die Künstlerinnen knapp und sehr eindeutig: „Es war wirklich ein Match made in Heaven.“

„Natürlich Blond“ in Hamburg (Foto: Dominik Lapp)
Endlich raus aus dem Probenraum: Seit einer Woche wird im Originalbühnenbild mit Requisiten geprobt.

Bilder suchen und Bewegungen entwickeln

Wie konkret diese Zusammenarbeit aussieht, zeigt sich im Probenprozess. Nicole Eckenigk beschreibt keine klassische Aufteilung zwischen Regie und Choreografie, sondern ein ständiges gemeinsames Entwickeln. Vor großen Nummern werde zunächst über Bilder gesprochen: Wer steht wo? Welche Beziehungen entstehen? Welche Dynamik braucht die Szene?

„Franzi hatte Ideen: Hier ein Tisch, dort Eltern, dort Bücherchoreografie – und wir haben das mit den Mitwirkenden ausprobiert“, so Eckenigk. Erst daraus entstanden konkrete Bewegungsabläufe. Auch kleinere Einfälle entwickelten sich im Austausch weiter. Im Kaufhaus etwa entstand die Idee, selbst Kleiderstangen in die Bewegung einzubeziehen. „Dann haben wir einfach gemeinsam herumgesponnen, und die Studierenden haben alles mitgemacht“, erzählen die beiden Frauen.

Franziska Kuropka, die im Theater alle nur Franzi nennen, spricht dabei weniger über Kontrolle als über Vertrauen: „Ich möchte Angebote sehen.“ Doch gerade zu Beginn seien viele der Absolventinnen und Absolventen noch vorsichtig und warteten darauf, dass die Regie ihnen exakt vorgibt, was zu tun ist. Im Verlauf der Proben ändere sich das. „Und jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, an dem sie anfangen, eigene Ideen einzubringen. Das liebe ich“, freut sich Kuropka, die am First Stage Theater im vergangenen Jahr bereits „Kein Pardon“ inszeniert hat und zuletzt „Wir sind am Leben“ in Berlin auf die Bühne brachte.

Choreografin Nicole Eckenigk und Regisseurin Franziska Kuropka bringen „Natürlich Blond“ in Hamburg auf die Bühne. (Foto: Dominik Lapp)
Man sieht es auf einen Blick: Choreografin Nicole Eckenigk und Regisseurin Franziska Kuropka verstehen sich.

Der Moment, in dem etwas aufgeht

Dass die Probenzeit mit nur wenigen Wochen knapp bemessen war, haben beide zunächst als Herausforderung erlebt. „Wir haben uns gefragt, wie wir das schaffen sollen“, verrät die Regisseurin. Die Antwort kam offenbar schneller als erwartet. Die Darstellerinnen und Darsteller hätten ihr Material vergleichsweise spät bekommen, weil zuvor noch Abschlussprüfungen anstanden. Doch trotzdem seien sie außergewöhnlich vorbereitet in die Proben gestartet.

Laut Kuropka gibt es einen Moment, an dem sich entscheidet, ob eine Produktion trägt: „Mein Lieblingsmoment ist immer der Punkt, an dem die Leute sicher werden. Wenn sie nicht mehr darüber nachdenken, was als Nächstes kommt, sondern anfangen zu spielen.“ Dann entstünden die Zwischenräume, in denen Figuren lebendig werden.

Vielleicht passt deshalb ausgerechnet „Natürlich Blond“ so gut als Abschlussproduktion: Die Geschichte erzählt von einer jungen Frau, die ihren eigenen Weg sucht und am Ende bereit ist, hinauszugehen. Für Nicole Eckenigk und Franziska Kuropka liegt darin auch die emotionale Verbindung zum Ensemble. „Am Ende gibt es ja sogar wortwörtlich die Abschlusszeremonie in Harvard.“ Und jedes Mal, sagen sie, denken sie dabei an die Menschen auf der Bühne. „Die sitzen da und haben gerade wirklich gerade ihren Abschluss gemacht.“

Text: Dominik Lapp

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Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".