Pilotprojekt Testing (Foto: Katharina Karsunke)
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Berliner Pilotprojekt Testing: Eine Perspektive für die Kultur in der Corona-Pandemie?

In der Corona-Pandemie haben wir uns auf viele Neuerungen einstellen müssen. Neu ist auch, dass es im Theater einen Presserummel nicht wegen der Premiere eines neuen Stücks gibt, sondern weil Menschen überhaupt wieder ins Theater gehen, nein, ins Theater dürfen. Im Rahmen des Pilotprojekts Testing öffnen einige Berliner Kultureinrichtungen jetzt testweise wieder ihre Türen – für ein Publikum, das sich am Tag der Vorstellung negativ auf das Coronavirus testen ließ. Ziel des Pilotprojekts ist, zu erforschen, ob und unter welchen Bedingungen kulturelle Veranstaltungen wieder stattfinden können.

Als am Freitag das Berliner Ensemble mit dem Theaterstück „Panikherz“ von Benjamin von Stuckrad-Barre den Beginn des Pilotprojekts markierte, war auch Katharina Karsunke dabei, die als Autorin für kulturfeder.de normalerweise Rezensionen verfasst und jetzt Teil des Publikums dieser besonderen Aufführung sein durfte, die nach vier Minuten ausverkauft war. „Das zeigt, wie sehr sich die Menschen danach sehnen, wieder ins Theater zu gehen“, sagt Karsunke. Zusammen mit ihrem Ticket erhielt die Autorin einen Link zu den kooperierenden Testzentren, wo sie sich einen der im Fünf-Minuten-Takt angebotenen Termine gebucht hat.

Erst zum Testzentrum, dann ins Theater

„Am Tag der Aufführung ging ich am frühen Nachmittag zum Testzentrum, nach zwei Minuten war schon alles erledigt“, berichtet Katharina Karsunke. „Das war alles sehr unkompliziert.“ Nach einer halben Stunde wurde die Wahl-Berlinerin per E-Mail darüber informiert, dass ihr Testergebnis vorliegt. „Ich musste dann nur noch einen Barcode, den ich im Testzentrum erhalten habe, scannen, Geburtsdatum und Postleitzahl eingeben und konnte mir das Testergebnis anzeigen lassen und herunterladen.“

Ein negatives Testergebnis ist die Voraussetzung, um im Rahmen des Pilotprojekts eine Theatervorstellung besuchen zu dürfen. Auf der Eintrittskarte befindet sich ein entsprechender Hinweis, dass die Karte nur in Verbindung mit einem negativen Testergebnis gültig ist. Am Abend herrschte emsiges Treiben rund um das Berliner Ensemble, viele Pressevertreter waren vor Ort. Vor dem Haus bildete sich eine Schlange aus Menschen, die seit rund fünf Monaten nicht mehr in einem Theater waren. „Aber alle haben den nötigen Abstand gehalten und Maske getragen“, berichtet Katharina Karsunke. „Der Einlass war streng geregelt, es gab separate Eingängen für Parkett und Rang links wie rechts.“ Rund 350 Zuschauerinnen und Zuschauer, die nach Schachbrettprinzip – also immer mit einem freien Platz zum Nachbarn – im Zuschauerraum platziert wurden, mussten am Eingang nicht nur ihre Tickets, sondern auch Ausweise und Testergebnisse vorzeigen.

Frischluft und Maske im Saal

Im Saal selbst war eine leistungsfähige Belüftungsanlage in Betrieb, die dafür sorgte, dass die Luft mehrmals ausgewechselt wurde – und zwar mit Frischluft, nicht mit Umluft. „Außerdem galt auch während der zweistündigen Vorstellung Maskenpflicht auf dem Platz“, so Karsunke. Das ist zum Beispiel eine Neuerung im Vergleich zum letzten Jahr, wo die Maske nur solange getragen werden musste, bis man seinen Sitzplatz eingenommen beziehungsweise die Vorstellung begonnen hatte. Um Menschenansammlungen innerhalb des Theaters zu vermeiden, wurde auf eine Pause verzichtet, es gab kein gastronomisches Angebot im Foyer und auch die Garderoben waren geschlossen, so dass Jacken und Mäntel in den Saal mitgenommen werden mussten. Darüber hinaus halten im gesamten Haus die mittlerweile schon obligatorischen AHA-Regeln.

Kultur unabhängig von Inzidenzzahlen betrachten

„Es gibt eine Sehnsucht nach Kultur, und Sie sind der beste Beweis.“ Mit diesen Worten wandte sich Intendant Oliver Reese vor der Vorstellung an das Publikum. „Sie wissen, dass Sie im Theater sicher sind. Sonst wären Sie nicht hier. Wir müssen nicht nur physisch gesund durch diese Pandemie kommen, sondern auch psychisch und seelisch. Und ich bin überzeugt, dass Theater dafür ein gutes Instrument sein kann!“ Er forderte, dass man Kultur künftig unabhängig von Inzidenzzahlen betrachtet und man Kultur nicht mehr mit Gastronomie und Einzelhandel in einen Topf wirft. „Das Publikum feierte den Theaterchef für seine Worte mit Jubel und Applaus“, berichtet Katharina Karsunke. „Man hat eine unglaubliche Energie im Saal gespürt.“

Nach der zweistündigen Vorstellung von „Panikherz“, die unsere Autorin – trotz Maske – in vollen Zügen genießen konnte, wandte sich der Autor des Stücks, Benjamin von Stuckrad-Barre, mit einer Frage an das Publikum: „Was bringt uns ein Lockdown, durch den wir zwar alle kommen, weil wir vor unseren Computern hocken, wenn am Ende nichts mehr übrig ist?“ Die Schauspieler auf der Bühne – die übrigens auch alle negativ getestet waren und deshalb ohne Abstand miteinander agieren konnten – sollen am Ende gestrahlt haben, berichtet unsere Autorin. Katharina Karsunke: „Es war ein wunderschöner Theaterabend, der sich endlich wieder halbwegs normal anfühlte. Hinterher wäre ich gern noch etwas trinken gegangen.“

Text: Dominik Lapp (unter Mitarbeit von Katharina Karsunke)

Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" sowie die Streaming-Konzerte "In Love with Musical" und "Musical meets Christmas".

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