„We Will Rock You“ (Foto: Johan Persson / Live Nation)
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Rockspektakel: „We Will Rock You“ auf Tour

Sommernacht der Musicalstars

Was wäre die Welt ohne echte Musik, ohne Instrumente, ohne den Rock’n‘Roll? Die verbliebenen Kreaturen auf Planet iPad zeigen es uns: Eine Welt, in der der Mainstream regiert, in der Individualität verachtet wird und Künstlerseelen zugrunde gehen. Das ist die Szenerie des Queen-Musicals „We Will Rock You“, das nun seit bald zwei Jahrzehnten in Deutschland das Publikum begeistert. Jetzt ist die Show in einer neuen Inszenierung auf großer Tournee durch den deutschsprachigen Raum.

Eingebettet ist die Handlung in ein zunächst scheinbar puristisches Bühnenbild, das wesentlich schlanker als in der Originalinszenierung daherkommt, jedoch durch Lichtinstallationen und verschiebbare Bühnenelemente deutlich an Farbe und somit an Abwechslung gewinnt. Dabei besteht ein deutlicher Kontrast zwischen der sterilen, neonfarbenen futuristischen Gestaltung der Schule und dem dunklen, heruntergekommenen Untergrund, in dem sich die Bohemians verstecken.

Auch in den Kostümen spiegelt sich diese Unterscheidung wider. Metallische Töne und kalte Farben sowie starre, überdimensionale Frisuren à la Lady Gaga kennzeichnen die Outfits der Aufseher. Die Bohemians – und später auch Scaramouche – hingegen präsentieren sich im typischen Look des Rock’n‘Roll: Wilde lange Haare, zerrissene Jeans, Lederwesten, kurze Röcke.

Speziell wird das Stück durch seine unzähligen Anspielungen auf aktuelle Künstler und Lieder – ein Stilmittel, das nicht unbedingt jedermanns Humor trifft. So hört Galileo in seinem Kopf Songs von Tokio Hotel, Udo Lindenberg oder den Spice Girls und singt, ohne es selbst kontrollieren zu können, Sarah Connors Hit „Vincent“. Die Bohemians benennen sich alle nach bekannten Künstlern – die präsenteste dabei ist Helene Fischer, die von den Bohemians, weil es ihnen nicht korrekt überliefert wurde, fälschlicherweise als Mann bezeichnet wird.

Die Inszenierung überzeugt vorrangig durch die Ohrwürmer von Queen, dargeboten von durchweg brillanten Stimmen. Riccardo Greco spielt und singt einen hervorragenden Galileo. So glänzt er nicht zuletzt mit einer perfekten Darbietung der anspruchsvollen Queen-Hymne „Bohemian Rhapsody“. Besonders herausragend sind außerdem Marina Maniglio in der Rolle als Ozzy sowie Juliane Bischoff als Killer Queen. Selten sah man so viel geballte Frauenpower auf einer Bühne.

Die alten Queen-Hits eignen sich ideal für dynamische, ausgefeilte Choreografien, die zum Mittanzen anregen, in dieser Inszenierung performt von einem starken Ensemble, bei dem definitiv jede Bewegung sitzt. Hervorzuheben ist auch die großartige Band, die gerade für ein derartiges Rockmusikstück unabdingbar ist. Die musikalisch Verantwortlichen, Dustin Conrad und Rachel Murphy, haben somit auf ganzer Ebene gute Arbeit geleistet. So gibt es am Ende zurecht stehende Ovationen und man muss nicht zwingend ein Queen-Fan sein, um sich hier mitreißen zu lassen.

Text: Julia Hoffmann

Julia Hoffmann hat Journalistik und Medienmanagement sowie Deutsch und Englisch studiert. Als freie Mitarbeiterin war sie unter anderem für den Egmont Ehapa Verlag, die Volksstimme Stendal, die thatsMusical Verlagsgesellschaft und die TV-Produktionsfirma Grundy UFA tätig.