Elbphilharmonie (Foto: Dominik Lapp)
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Symphonisches Konzert: Kent Nagano dirigiert Hindemith, Mahler und Schubert in Hamburg

Nach siebenmonatiger Zwangspause ist das Philharmonische Staatsorchester Hamburg in der Elbphilharmonie in die neue Konzertsaison gestartet. Dazu wurde ein Programm konzipiert, das einerseits den aktuellen Corona-Regeln und andererseits dem künstlerisch-musikalischen Anspruch von Publikum und Orchester gerecht wird.

Auf dem Programm stehen zum einen Stücke, die für Kammerorchester geschrieben wurden, zum anderen groß orchestrierte Werke. Neu ist, dass das Orchester im Kreis um Dirigent Kent Nagano herum angeordnet ist, damit Nagano sechs Meter Abstand zu seinen Musikerinnen und Musikern einhalten kann. Innerhalb des Orchesters müssen jeweils zwei Meter Abstand zwischen den Musizierenden eingehalten werden.

Beim ersten Stück des Abends, Paul Hindemiths Kammermusik Nr. 1, gibt es ohnehin keine Platzprobleme, ist es doch ein kammermusikalisches Werk für zwölf Soloinstrumente. Das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente vollzieht Kent Nagano zwanglos-unwillkürlich und mit inspirierender Verve. Naganos zügige Tempi sind lässig und unverkrampft, so dass Hindemith erst schnell und wild, dann streng im Rhythmus und schließlich auch mal sehr langsam, mit viel Ausdruck und das Finale letztendlich lebhaft erklingt.

Für Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ in der reduzierten Orchesterfassung von Arnold Schönberg hat das Philharmonische Staatsorchester den Tenor Julian Prégardien eingeladen, der es mühelos schafft, die Gefühle eines einsamen Wanderers irgendwo zwischen Liebe und Enttäuschung hörbar zu machen. In seiner Interpretation zeichnet Prégardien herrliche Kontraste, erst scharf artikulierend, dann ausdrucksvoll und leidenschaftlich nachzeichnend. Das Publikum dankt ihm für die emotionale Interpretation mit lautstarkem Applaus.

Den Höhepunkt des Konzerts stellt schließlich Franz Schuberts Symphonie Nr. 5 dar, die mit mehr als 30 Musizierenden erklingt. Kent Nagano trifft dabei den spätklassischen Ton des erst 19-jährigen Schubert ganz hervorragend. Dabei bringt er das Orchester als ganzen virtuosen Klangkörper zum Glänzen. Es wird nichts geschliffen, nichts künstlich aufgeraut, nichts kaschiert, sondern Schuberts unbeschreiblich leichte Musik einfach nur fabelhaft interpretiert. Mit diesem starken Auftakt wird einmal mehr deutlich, wie sehr live gespielte Orchestermusik in den letzten Monaten gefehlt hat.

Text: Dominik Lapp

Symphoniekonzert (Foto: Dominik Lapp)
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Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".