Spotlight-Gala in Fulda
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Mit Leidenschaft und Hingabe: „Best of Spotlight“ in Fulda

Zum Auftakt des Hessentags in Fulda zeigt die Musicalproduktionsfirma Spotlight eine Gala der Extraklasse. 7.000 Menschen finden vor dem Dom Platz, um sich drei Stunden lang in die musikalische Welt der Spotlight-Musicals aus ihrem nunmehr 22-jährigen Bestehen entführen zu lassen.

Als besonderes Bonbon – oder wie der Hesse sagt: „Guudsje“ – wird zusätzlich das Mini-Musical „Der allmächtige Handkäs“ zum 80-jährigen Bestehen des Bundeslandes aus der Feder von Henni Nachtsheim (Badesalz) und Christoph Jilo, musikalisch arrangiert von Ali Neander (Rodgau Monotones), gemeinsam mit Dennis Martin und dem Kreativteam von spotlight Musicals angekündigt.

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Spotlight-Gründer und Produzent Peter Scholz führt gekonnt mit Witz und Charme durch den Abend; man merkt ihm die Passion für „seine“ Musicals an, deren Hintergründe er kurz erläutert, bevor er jeweils das nächste Stück ankündigt. Die Auszüge aus den einzelnen Musicals werden überwiegend musikalisch, gelegentlich durch Kostüme und etwas Tanz unterstrichen, dargeboten.

Die Gala beginnt mit der Ouvertüre aus „Bonifatius“ – und welches Stück wäre für die Eröffnung einer solchen Gala vor der Domkulisse Fuldas besser geeignet als dieses? Bereits hier kommt die ein oder andere Erinnerung an den Musical Sommer 2024 auf, als „Bonifatius“ sein zwanzigjähriges Bestehen genau an diesem Ort gefeiert hat. Damals wie heute – unter dem schwungvollen, freudigen Dirigat von Inga Hilsberg – spielen an diesem Abend die Kölner Symphoniker. An der Gitarre: Rodgau-Monotones-Legende Ali Neander, am Piano und Akkordeon: der musikalische Schöpfer von Spotlight, Dennis Martin. Michael Balgavys Videodesign ist zurückhaltend und unterstreicht das Geschehen auf der Bühne. Besonders schön ist dabei, dass man die Künstler über die Leinwand aus der Nähe sehen und so auch einen Einblick in die Arbeit von Musikern und Chor gewinnen kann.

„Die Päpstin“ in Hameln (Foto: Dominik Lapp)
Verena Mackenberg als Päpstin Johanna (Archivbild, Hameln 2024).

Das erste Highlight nach der Ouvertüre liefert Chris Murray in Mönchskutte mit „Hinter hohen Klostermauern“ aus „Die Päpstin“. Peter Scholz kündigt ihn als „den Mann [an], den wir alle nur ‚die Stimme‘ nennen“, und der minutenlange Applaus nach seiner Darbietung gibt Scholz’ Aussage Recht.

Nach einem opulenten und gleichzeitig düsteren „Heihoo“ aus „Die Schatzinsel“ von Musical-Urgestein Ethan Freeman lockern André Haedicke und Dennis Henschel mit dem „Robin Hood“-Ohrwurm „Komm wir lassen Fünfe“ die Stimmung wieder auf. Haedicke ist die Rolle des Bruder Tuck förmlich auf den Leib geschrieben. Er lebt sie und bringt die Bühne zum Kochen, so dass selbst Dennis Henschel – der zunächst herrlich genervt wirkt – sich anstecken lässt und seine Fünfe gerade sein lässt.

Doch nicht nur auf Seiten der Herren sind an diesem Abend hochkarätige Musicalkünstler zu sehen, sondern auch die Damenriege ist von „Starke[n] Frauen“ geprägt. Femke Soetenga, die wohl relativ kurzfristig zur abendlichen Besetzung gestoßen ist, bringt den gleichnamigen Song aus „Bonifatius“ mit enormer Kraft auf die Bühne. Die Freude ist ihr anzusehen und anzuhören. In knallroter Hose und Pullover fackelt sie in diesem Song ein Feuerwerk ab und lässt einen verschmitzten Blick zum Bischof wandern, als sie darum bittet, den Frauen auch mal ein paar „Ämter an[zu]vertrauen“.

Verena Mackenberg ist die Zweite im Bunde, die derzeit nicht in einer aktuellen Spotlight-Produktion zu sehen ist. Ihre Auftritte sind optisch zurückhaltend, da sie nicht im Kostüm auftritt, dafür aber von enormer Stimmgewalt geprägt. Insbesondere „Das bin ich“ aus „Die Päpstin“ bleibt im Gedächtnis. Mackenberg versteht nicht nur ihr Handwerk, sondern legt dermaßen viel Gefühl in ihre Songs, dass es unter die Haut geht. Sie hat die Bezeichnung „die Stimme“ ebenso verdient.

Spotlight-Gala in Fulda

Nach etwa zwei Stunden kündigt Peter Scholz dann „Der allmächtige Handkäs“ als das „Guudsje“ an. Es ist ein Wagnis, in eine solche Gala, die aus Songs besteht, deren zugrunde liegende Musicals keine seichten Hintergründe haben, eine solche Klamauknummer einzubinden. Das schafft unweigerlich einen Bruch, auch wenn das Stück im Stil eines Musicals arrangiert ist. Scholz ist sich dieses Wagnisses bewusst und kündigt es entsprechend als humorvolle Aufarbeitung der hessischen Geschichte an – als einen Versuch, ein Experiment. Und tatsächlich gelingt dem Kreativteam eine Auflockerung, und das Publikum lässt sich mitreißen. Die Hessen nehmen sich in diesem 40-minütigen Musical einfach selbst aufs Korn, ohne dabei die Achtung vor ihrem Bundesland zu verlieren. Musikalisch erkennt man, dass hier Profis gearbeitet haben. Auszüge aus dem Song „Allmächtiger Handkäs“ ziehen sich als Reprisen immer wieder durch das kurze Stück, und auch „Ich will dir die Sterne vom Himmel schreiben“, interpretiert von Volker Metzger alias J. W. von Goethe, hat das Zeug zum Ohrwurm.

Das Highlight aus „Der allmächtige Handkäs“ ist jedoch Dennis Henschels Auftritt als Elvis Presley, der bekanntermaßen auch einige Jahre in Hessen stationiert war. Nicht nur optisch, sondern auch stimmlich ähnelt er dem King und bringt „You ain’t nothing but a Handkäs“ so überzeugend aufs Parkett, dass niemand mehr auf den Sitzen bleibt.

Als Zugabe geht es dann aber noch einmal zurück in den „Sherwood Forest“. Vergangenes Jahr haben Dennis Henschel, Sascha Kurth und Philipp Büttner bereits eine Unplugged-Version von „Freiheit für Nottingham“ aufgenommen, die noch immer auf Youtube verfügbar ist. Da diese drei Darsteller an diesem Abend vor Ort sind, bietet sich ein entsprechendes Arrangement natürlich an, das alle drei bravourös meistern.

Nachdem dann noch immer niemand Anstalten macht, die Sitze zu verlassen, folgt mit „Es fühlt sich nach Heimat an“ aus „Der Medicus“ der Abschluss, wobei das komplette Ensemble inklusive der Handkäs-Cast auf der Bühne steht. Selbst Peter Scholz und sogar Dennis Martin singen hier mit. Scholz schließt mit den Worten, dass man mehrere Stunden brauchen würde, um alle Songs zu spielen. Das ruft nach einer „Spotlight-Total-Nacht“. Das Publikum wäre sitzen geblieben! Und wenn der Umfang nicht ganz so ausgeprägt sein soll, könnte man zumindest eine solche Gala über einen Sommer hinweg häufiger zeigen. Denn Spotlight arbeitet mit enormer Leidenschaft und Hingabe an seinen Veranstaltungen – auf einem qualitativ derart hohen Niveau, dass zweimal definitiv zu wenig ist.

Text: Anna-Lena Ziebarth

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Anna-Lena Ziebarth bringt langjährige Erfahrung als Rezensentin mit und war in der Vergangenheit bereits für thatsMusical tätig, bevor sie zu kulturfeder.de kam.