„Das SpongeBob Musical“ (Foto: Dominik Lapp)
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Fantastisches Entertainment: „Das SpongeBob Musical“ auf Tour

Wer wohnt in ‘ner Ananas ganz tief im Meer? Richtig, ein kleiner gelber Schwamm, der auf den Namen SpongeBob hört. Die gleichnamige Zeichentrickserie erlebte vor 24 Jahren ihre Premiere in den USA und ist seit 20 Jahren auch dem deutschen Fernsehpublikum bekannt. Eine durchweg gelungene Bühnenadaption hat jetzt als „Das SpongeBob Musical“ ihre europäische Erstaufführung erlebt.

In zahlreiche Städte im deutschsprachigen Raum schickt die Produktionsfirma Showslot ihre neueste Produktion und hat bereits an einigen Gastspielorten für ausverkaufte Vorstellungen gesorgt – der gelbe Schwamm hat eben eine große Fangemeinschaft und das Musical spricht somit auch nicht unbedingt nur klassische Musicalfans, sondern vor allem Fans des Cartoons an.

Die Story ist schnell erzählt: Die Unterwasserwelt ist in Gefahr! Chaos bricht in Bikini Bottom aus, als ein Vulkan droht, die gesamte Stadt zu vernichten. Doch SpongeBob und seine treuen Freunde sind fest entschlossen, ihre Heimat zu retten. Bei dem Buch von Kyle Jarrow handelt es sich um ein neues Abenteuer aus dem SpongeBob-Universum, keinesfalls um die Musicalversion einer Serienfolge. Obwohl insbesondere der erste Akt ein paar Längen aufweist und gern 20 Minuten kürzer sein dürfte, verspicht „Das SpongeBob Musical“ wirklich gute Unterhaltung.

Dass die Show so gut unterhält, liegt insbesondere an der kurzweiligen Inszenierung von Timo Radünz – der auch eine dynamische Choreografie entwickelt hat – und der hübschen Ausstattung von Lukas Pirmin Waßmann, die sich stark an der Cartoon-Vorlage orientiert haben. Wer sich mit der Zeichentrickserie auskennt, wird deshalb großen Spaß haben, viele Dinge im Musical wiederzuentdecken. Wer dagegen mit der Vorlage nicht vertraut ist, wird deshalb aber nicht weniger gut unterhalten.

„Das SpongeBob Musical“ (Foto: Nico Moser)

Ein großer Gewinn für die Inszenierung – so war es bereits am Broadway – ist die Entscheidung, dass man die Mitwirkenden nicht in Schaumstoffkostüme gesteckt hat. Vielmehr sehen wir menschliche Abbilder der beliebten Zeichentrickfiguren. Dadurch sind die Darstellerinnen und Darsteller schauspielerisch gefordert und geben dem Stück eine ernsthafte Note. Lediglich durch Farben und verschiedene Details (Krebshände bei Mr Krabs, gelbes Hemd und rote Krawatte beim Titelhelden, rosa Hawaiihemd bei Patrick) werden die jeweiligen Figuren stilisiert.

Nur manchmal kommen Puppen von SpongeBob und seinem Freund Patrick zum Einsatz – und auch SpongeBobs Haustier Gary, eine Katzenlaute von sich gebende Schnecke, hat im ferngesteuerten Auto zwei kurze Gastauftritte. Solche kleinen Easter Eggs machen die Show für eingefleischte Schwammkopf-Fans besonders.

Generell erweist sich das Stück als große Theaterkunst. Denn hier werden nicht nur Schauspiel und Timing großgeschrieben, auch die Kunst des Schatten- und Schwarzlichttheaters wird effektvoll genutzt. Für die Musicalfans wurden außerdem kleine Hinweise auf andere Stücke eingebaut, zum Beispiel, wenn die Bürgermeisterin von Bikini Bottom (Mareike Heyen) die Meeresbewohner in bester „Wicked“-Manier mit „Meine lieben ozeanischen Mitbürger*innen“ anspricht oder Thaddäus eine Steppnummer im Stil von „Billy Elliot“ darbietet, die in einem Billy-Flinn-Bild aus „Chicago“ endet. Sogar die vierte Wand wird durchbrochen, wenn Pirat Patchy (großartig gespielt von Dani Spampinato) aus dem Zuschauerraum heraus die Bühne entert und sich als SpongeBobs größter Fan outet.

So grandios alles inszeniert, choreografiert und ausgestattet wurde, dieses Musical lebt aber auch von einer fantastischen Cast. Hier sei allen voran Lorenzo Di Girolamo genannt, der in der Titelrolle gesanglich aus dem Vollen schöpft und schauspielerisch alle Register zieht. Er spricht mit ähnlicher Quietschstimme wie der Cartoon-Synchronsprecher und spiegelt in seiner Mimik und Gestik den gelben Schwamm exzellent wider.

„Das SpongeBob Musical“ (Foto: Nico Moser)

Die weiteren Darstellerinnen und Darsteller liefern ebenso perfekte Kopien ihrer Fernsehvorbilder ab. Johann Zumbült mimt herrlich den erwerbslosen Patrick, Richard McCowen punktet als Mr Krabs mit seiner brüllend komischen Mimik und der tiefen Stimme, Mariyama Ebel zeichnet als Eichhörnchen Sandy ein glaubwürdiges Porträt der klugen Wissenschaftlerin, Helena Lenn sorgt als pubertäres Pottwalmädchen Perla für Lacher und Dominik Müller gefällt als Reporter Perch Perkins.

Als überzeugendes Bösewichtspaar erweisen sich Pauline Schubert (Karen) und Maximilian Vogel (Plankton), wenn sie sich gegenseitig die Bälle zuspielen und einen bösen Plan schmieden, wobei deutlich wird, dass Karen im Hintergrund die Strippen zieht. Heimlicher Publikumsliebling ist aber Martijn Smids, der als Thaddäus ein brillantes Abbild seines TV-Charakters auf die Bühne bringt. Griesgrämig gibt er den selbst ernannten Künstler, der auf seine große Chance wartet, um endlich vor Publikum Klarinette spielen und sein eigenes Musical aufführen zu dürfen.

Last but not least darf Marvin Klopfer nicht unerwähnt bleiben, der als Soundeffekte-Fisch keine unbedeutende Rolle einnimmt. Im Gegenteil: An einem DJ-Pult an der rechten Seite des Bühnenportals bezieht er Position, um auf die Bewegungen der einzelnen Charaktere perfekt abgestimmte Soundeffekte einzuspielen. Ob nun die erdbebengleichen Stampfgeräusche von Pottwalmädchen Perla, die Tippelschritte von Mr Krabs oder die nach einem nassen Schwamm klingenden Bewegungen von SpongeBob – diese Effekte sind das i-Tüpfelchen einer genauso witzigen wie kurzweiligen Inszenierung und entlocken dem Publikum immer wieder zahlreiche Lacher.

So vielfältig „Das SpongeBob Musical“ insgesamt ist, so abwechslungsreich ist auch die Partitur. Denn jede der 19 Nummern wurde von einer anderen Größe des internationalen Musikgeschäfts geschrieben, die allesamt selbst große SpongeBob-Fans sein sollen. So erklingen Songs unter anderem von David Bowie, Cyndi Lauper oder „Panic! at the Disco“, wobei es sich nicht um ein Recycling alter Hits handelt, sondern um originäre Nummern, die extra für das Musical geschrieben wurden. Hier wechseln sich Popballaden mit Rock-, Rap- und Boogie-Nummern ab – einfach fantastisches Entertainment!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".