„Spamalot“ (Foto: buehnenfotograf.de)
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Angriff auf die Lachmuskeln: „Spamalot“ in Hildesheim

Das Theater für Niedersachsen (TfN) spielt wieder. Das Haus in Hildesheim war die letzten Monate nicht nur pandemiebedingt geschlossen, sondern auch aufgrund eines großen Wasserschadens, im Zuge dessen eine Sanierung notwendig geworden war. Nun aber meldet sich das TfN zurück – nicht nur indoor, sondern nach langer Zeit auch mal wieder outdoor. So wird das Musical „Spamalot“, basierend auf Monty Pythons Film „Die Ritter der Kokosnuss“, auf der Jowiese am Ufer des Hohnsensees gespielt, wo es einfach perfekt hin passt.

Das, was Regisseurin Geertje Boeden und Choreografin Annika Dickel hier auf die Bühne gezaubert haben, ist ein frontaler Angriff auf die Lachmuskeln, ein Spaß von der ersten bis zur letzten Minute. Die Inszenierung bleibt dem Stil und Humor von Monty Python treu und zeigt im Grunde eine Horde von Darstellenden, die ein Stück im Stück spielen und dafür zu simpel anmutenden Mitteln (Bühnenbild: Anna Siegrot) greifen: Einfach gemalte Schilder weisen die Wege zu den Spielorten des Stücks, wie im Film steht eine Burg für alle Burgen und ein schnell gespannter Vorhang mit der Aufschrift „Umbau“ verdeckt – eher schlecht als recht – die folgende Shownummer.

Ganz im Stil von Monty Python, die schon in den 1970er Jahren die Genderfrage aufwarfen, kann man sich auch in der Inszenierung von Geertje Boeden nicht immer ganz sicher sein, ob es sich auf der Bühne um Männlein, Weiblein oder Diverslein (Kostüme: Beata Kornatowska) handelt. Hier wird herrlich mit den Geschlechtern gespielt und alles – selbst das Genre Musical an sich – aufs Korn genommen.

Dabei wird nur allzu deutlich, wie stark verzahnt Regie und Choreografie sind – denn das eine kommt hier ohne das andere nicht aus. Die Gratwanderung zwischen gelungener Komödie und albernem Klamauk gelingt dadurch exzellent, alle Sketche und Pointen (Buch und Liedtexte: Eric Idle) in bester Monty-Python-Art sind perfekt getimt und auf den Punkt.

Was „Spamalot“ zu einer richtig gelungenen Musical-Comedy macht, ist die Tatsache, dass es sich dabei weder um plumpe Blödeleien noch um eine einfache Bühnenadaption des Monty-Python-Films „Die Ritter der Kokosnuss“ handelt. Dieses Musical verbindet den berühmten schwarzen Humor der britischen Komikertruppe mit einem roten Faden, so dass neben dem ganzen Klamauk durchaus auch für etwas Spannung gesorgt ist. Selbst aktuelle Geschehnisse wurden in die Inszenierung aufgenommen, wenn zum Schluss die Polizei angeradelt kommt, um König Artus und seine Gefolgschaft daran zu hindern, die vierte Wand zu durchbrechen und den Gral aus dem Zuschauerraum zu bergen. Das ist schließlich aufgrund der einzuhaltenden Corona-Abstände nicht erlaubt – und die Requisitenabteilung zaubert einfach einen zweiten Gral herbei.

Doch was wäre eine richtig gute Komödie ohne die passenden Darstellerinnen und Darsteller! Allen voran ist es Raphael Dörr, der als Artus – seines Zeichens König der Briten – mit seinem akzentuierten Schauspiel und solider Singstimme glänzt. Ebenso exzellent besetzt ist Katharina Wollmann als Fee aus dem See, die mit ihrem Hang zur Komik für etliche Lacher sorgt und gesanglich mit ihrem voluminösen Sopran brilliert. Mit ihrem Song „Wann geht’s hier wieder mal um mich?“ gelingt ihr einer der stärksten Momente des Abends, während sie sich einen weiteren dieser Momente mit Thomas Wegscheider als Sir Galahad teilt, wenn sie ihr Duett „Das Lied, das jetzt erklingt“ singen. Wegscheider fasziniert darüber hinaus mit seiner schauspielerischen Wandlungsfähigkeit, wenn er sehr witzig den schwarzen Ritter oder Prinz Herberts Vater mimt.

Äußerst komödiantisch spielen zudem William Baugh (Sir Robin), Clemens Otto Bauer (Sir Lancelot), Kathrin Finja Meier (Sir Bedevere) und Daniel Wernecke (Patsy). Doch auch Johannes Osenberg, der nicht nur den kommentierenden Historiker gibt, kann als der-noch-nicht-tote-Fred, französische Wache, fahrender Sänger und Prinz Herbert viele Lachsalven des Publikums auf seinem Konto verbuchen.

Getragen wird das starke Ensemble von einem hervorragenden Orchester unter der Leitung von Achim Falkenhausen, der seine Musikerinnen und Musiker mit Tempo und Verve durch die abwechslungsreiche Partitur von John du Prez und Eric Idle leitet und sogar zeitweise in die Handlung eingebunden wurde. So erweist sich „Spamalot“ als durchweg runde Sache und ein großer Spaß. Dieses Stück ist genau richtig, um nach sieben Monaten aus der Corona-Depression auszubrechen. Auf zum Hohnsensee!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

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