Von Spielfiguren und Sumpfzauber: „Shrek“ in Kloster Oesede
Mit dem Musical „Shrek“ bringt die Waldbühne Kloster Oesede einen weltbekannten Stoff auf die Bühne. Das Werk mit Musik von Jeanine Tesori sowie Buch und Songtexten von David Lindsay-Abaire (Übersetzung: Kevin Schroeder und Heiko Wohlgemuth) verbindet den Humor des Animationsfilms mit einer warmherzigen Geschichte über Vorurteile, Selbstakzeptanz und Freundschaft. In Kloster Oesede entwickelt sich daraus ein überaus unterhaltsamer Theaterabend, der mit großer Spielfreude, fantasievollen Bildern und klugen Regieeinfällen überzeugt.
Regisseurin Joyce Diedrich gelingt es, die Erzählung stringent und leicht verständlich auf die Bühne zu bringen. Ihr Konzept schöpft die Möglichkeiten der Waldbühne geschickt aus und sorgt dafür, dass die Handlung niemals ins Stocken gerät. Immer wieder überrascht sie mit originellen Ideen, die den bekannten Stoff frisch erscheinen lassen.
Besonders einprägsam ist ihre Interpretation von Duloc als kunterbuntes Spielzeugland. Lord Farquaad und seine Gefolgschaft treten wie Spielfiguren in Erscheinung, während das Reich aus farbenfrohen Bauklötzen besteht. Diese Bildsprache verleiht der Welt des machthungrigen Herrschers eine wunderbar ironische Künstlichkeit.

Ebenso wirkungsvoll ist der Moment, in dem Shrek und Esel den Bühnenraum verlassen und sich durch das Publikum auf den Weg zur Rettung der Prinzessin machen. Das Publikum wird dadurch unmittelbar Teil des Geschehens, ohne dass dieser Einfall aufgesetzt wirkt. Diedrich beweist ein feines Gespür für Tempo, Situationskomik und die besonderen Möglichkeiten einer Amateurbühne.
Auch Nick Jankrifts Choreografie fügt sich stimmig in das Gesamtbild ein. Die Tanznummern besitzen Schwung, unterstützen die musikalischen Nummern und geben den großen Ensembleszenen zusätzliche Lebendigkeit.
Das Bühnenbild zeigt sich ausgesprochen fantasievoll. Der farbenprächtige Aufbau von Duloc bildet einen reizvollen Kontrast zum urigen Zuhause des grünen Ogers. Besonders eindrucksvoll gelingt die Umsetzung des Drachen. Anstelle einer vollständigen Figur dominiert ein riesiger Drachenkopf die Bühnenmitte, flankiert von mächtigen Krallen auf beiden Seiten. Dadurch entsteht ein imposanter Eindruck, der die Bedrohlichkeit der Szene überzeugend transportiert und zugleich eine kluge Lösung für die Gegebenheiten einer Freilichtbühne darstellt. Interessant ist zudem, dass der Sumpf als Kulisse gleichzeitig den Hintergrund für „Das Wunder von Bern“ bildet und damit die wandelbare Nutzung der Bühne unterstreicht.

Großen Anteil an der märchenhaften Atmosphäre haben außerdem die Kostüme. Sie sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und verleihen den zahlreichen Märchenfiguren einen unverwechselbaren Charakter. Auch die Bewohner Dulocs stechen mit ihren farbenfrohen Gewändern und dem spielzeughaften Erscheinungsbild hervor. Shrek, Fiona und Esel orientieren sich wiederum eng an ihren bekannten Vorbildern und sorgen damit für hohen Wiedererkennungswert.
Im Mittelpunkt steht Mathias Olschewski als Shrek. Er verleiht dem grünen Außenseiter eine glaubwürdige Mischung aus schroffem Auftreten und liebenswerter Verletzlichkeit. Seine markante Bühnenpräsenz trägt die Handlung souverän, während sein Gesang ebenso sicher wie ausdrucksstark wirkt. An seiner Seite sorgt Johannes Kamp als Esel für zahlreiche Höhepunkte. Mit überschäumender Energie, ausgezeichnetem Timing und sichtbarer Spielfreude gewinnt er das Publikum im Handumdrehen für sich. Seine quirlige Interpretation macht den redseligen Begleiter zu einer überaus sympathischen Figur.

Maren Kracht als Dritte im Bunde überzeugt in der Rolle der Prinzessin Fiona mit einer selbstbewussten, temperamentvollen Darstellung. Sie gestaltet die Rolle weit facettenreicher als das klassische Märchenklischee. Einen glänzenden Gegenpol bildet Manuel Büchner als Lord Farquaad. Seine Interpretation lebt von pointierter Überzeichnung, so dass er den selbstverliebten Herrscher als herrlich lächerlichen Despoten zeichnet.
Doch auch die zahlreichen Nebenrollen tragen die Show. Maira Schulenburg verleiht dem Drachen eindrucksvolle Präsenz, Ellen Schweers begeistert als Gingy mit Charme und Witz, während Lena Bethke als Pinocchio ihre Figur mit großem Engagement gestaltet. Hinzu kommt ein fähiges Ensemble, das die Märchenwelt mit sichtbarer Begeisterung zum Leben erweckt.
Text: Dominik Lapp

