„Shakespeare in Love“ (Foto: Dominik Lapp)
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Interview zu „Shakespeare in Love“ am Theater Osnabrück: „Romantic Comedy im historischen Setting“

Das Ensemble des Theaters Osnabrück bringt zum Beginn der Spielzeit 2023/2024 eine Adaption des oscarprämierten Films „Shakespeare in Love“ auf die Bühne. Mit Livemusik, Humor und Liebe sowie einem großen Verwechslungsspiel geht es darin mitten in die Entstehungsgeschichte von „Romeo und Julia“. Im Interview verraten Regisseur Christian Schlüter, Schauspielerin Rebekka Biener und Schauspieler Amaru Albancando erste Details.

Was reizt Sie als Regisseur an „Shakespeare in Love“?
Christian Schlüter: Mich reizt, dass wir direkt zum Spielzeitbeginn ein Stück haben, welches das Theater abfeiert – mit allen seinen liebenswerten Macken und Problemen. Aber auf eine sehr charmante Art und Weise. Wir entdecken auf den Proben viele Momente, von denen wir sagen: das kennen wir! Manche Situationen doppeln sich geradezu. Im Stück gibt es zum Beispiel Szenen, in denen Chaos auf einer Probe von Will Shakespeare herrscht. Und ich habe das Gefühl, auf meiner Probe ist auch gerade Chaos. (lacht) Es ist schön und interessant, wie es sich spiegelt. Weil es sich aber an einer historischen Figur wie Shakespeare und seinem Werk „Romeo und Julia“ orientiert, ist es für alle verstehbar – eine klassische Romantic Comedy im historischen Setting.

Was ist für Sie die größte Herausforderung?
Christian Schlüter: Die Herausforderung ist, dass es große Szenen gibt. Ich nenne das immer Wimmelbilder, die ich strukturieren muss. Dazu muss ich manche Dinge auch zwei- oder dreimal machen, um die Struktur zu erkennen. Man muss Dinge aus dem Film nachinszenieren, was nicht immer einfach ist. Im Film hat man Nahaufnahmen und Schnitte, im Theater hingegen immer nur die Totale. Das ist einerseits schön, weil sich das Publikum das herauspicken kann, was es will. Aber andererseits heißt es, dass alle auf der Bühne etwas zu tun haben müssen und dies sinnhaft sein muss.

Kann das Publikum eine 1:1-Adaption auf der Bühne erwarten?
Christian Schlüter: Nein, es wird etwas Eigenständiges. Sonst wäre es ja langweilig, dann kann man gleich den Film gucken. Durch die Möglichkeiten des Theaters wird die Geschichte noch magischer – mit allen Qualitäten, die die Bühne hat und die wir nutzen. Natürlich gibt es die Gefechte und Tänze, aber auch Livemusik von einer Band, die es im Film nicht gibt. Es mag klischeehaft klingen, aber wir wollen jeden Abend etwas Neues kreieren.

Welche Rolle spielt die Musik in Ihrer Inszenierung?
Christian Schlüter: Im Globe Theatre, einem klassischen elisabethanischen Theater, hat es auf dem mittleren Balkon immer eine Musikgruppe gegeben. So etwas wollte ich auch haben. Wir bauen das Globe nicht nach, denn das wäre zu einfach. Aber wir finden unsere eigene theatrale Form und haben eine Band, die mitspielen und begleiten kann. Allerdings möchte ich nicht zu viel verraten, was die Musik betrifft.

„Shakespeare in Love“ (Foto: Swaantje Hehmann)

Was für ein Mensch ist Viola de Lesseps, wie weibliche Hauptfigur?
Rebekka Biener: Viola hat eine sehr positive Lebenseinstellung und ist ein Energiebündel. Sie ist völlig angstbefreit und hat eine große Lust am Machen. Spannend sind für mich die Unterschiede zwischen der Figur und mir als Schauspielerin. Denn ich hätte viel mehr Hemmungen in ihren Handlungen. Sie ist mutig und vertraut sich selbst so sehr, dass sie ihr Lebensglück und ihre Energie immer weiter steigern kann.

Und wer ist Will Shakespeare?
Amaru Albancando: Will ist zunächst mal ein weltbekannter Autor, der bis heute gefeiert wird. Deshalb spüre ich als Schauspieler auch einen gewissen Druck, ihn zu spielen. In unserem Stück begegnet man ihm in einer Schreibkrise, in der ihm nichts mehr einfällt. Er muss zwei neue Stücke schreiben, aber sein Kopf ist leer. Das kommt mir bekannt vor, weil ich selbst gerade frisch von der Schauspielschule komme und ein Vorsprechen hinter mir habe, wo ich mir Monologe überlegt habe und mir irgendwann nichts mehr eingefallen ist. Das ist die Situation, in der sich Will am Anfang des Stücks befindet. Er ist unsicher und verloren in dieser Welt, in der er noch nicht berühmt und noch ganz am Anfang ist. Ich sehe ihn wie einen Hundewelpen, sehr naiv und unbeholfen.

Im Film wurden die beiden Hauptrollen von Gwyneth Paltrow und Joseph Fiennes gespielt. Was bedeutet das für Sie, wenn Sie nun in diese großen Fußstapfen treten?
Rebekka Biener: Ich mache mir gar keine Gedanken darüber. Der Film ist von 1998, da war ich noch nicht mal geboren. (lacht) Ich habe also keinen Ansporn, dem Film gerecht zu werden, sondern möchte vielmehr meine eigene Interpretation zeigen.

Amaru Albancando: Mich setzt das auch nicht unter Druck. Natürlich sind das Weltstars im Film, aber auf der Theaterbühne sind uns ganz andere Freiheiten in den Mitteln und der Darstellung gegeben. Ich gehe da gern mit viel Fantasie dran. Trotzdem bleibt der Film durch die Texte und Kostüme erkennbar.

Welche Beziehung haben Sie alle zu Shakespeare?
Christian Schlüter: Ich habe mehrere Shakespeare-Stücke inszeniert, darunter „Romeo und Julia“. Dadurch konnte ich eine Leidenschaft für seine Werke entwickeln. Bei mir ist es immer so, dass ich als Regisseur eine persönliche Beziehung aufbaue zu den Autorinnen und Autoren, die ich inszenieren darf. Ich habe das Gefühl, dass ich sie durch meine Arbeit kennen lerne. Gerade das finde ich sehr aufregend an meinem Beruf. Ich kann teilhaben haben an den Gedanken und dem Wesen eines Menschen, der schon seit 400 Jahren tot ist. Das ist für mich wirklich magisch.

Rebekka Biener: Natürlich begegnet uns Shakespeare schon im Studium und später wieder im Beruf. An seinen Figuren interessiert und packt mich sehr der innere Konflikt, den sie alle mit sich tragen. Ich bin ja noch jung und denke, dass ich mich in den nächsten Jahren immer wieder mit Shakespeares Stücken beschäftigen werde. Mal sehen, was ich in fünf Jahren über ihn zu sagen habe. Letztendlich sind seine Worte eine wahre Fund- und Schatzgrube, wirklich sehr bereichernd.

Amaru Albancando: Ich finde auch sehr viel Gefallen an Shakespeares Sprache. In den Texten stecken so viele Doppelungen und Verschachtelungen, was ich sehr mag.

Interview: Dominik Lapp

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Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".