Operettenhaus mit „Zurück in die Zukunft“ in Hamburg (Foto: Dominik Lapp)
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Vor der Zeitreise: Wie sich Hamburg auf „Zurück in die Zukunft“ vorbereitet

Noch erklingt keine Musik auf der Bühne des Hamburger Operettenhauses. Aber hinter einer unscheinbaren Tür unter dem Dach der Firmenzentrale von Stage Entertainment jedoch entsteht gerade eine spektakuläre Musicalproduktion, die schon bald von der Speicherstadt ins Operettenhaus umzieht. Im Probenstudio „New York“, einst Teil der bereits vor Jahren geschlossenen Joop van den Ende Academy, arbeiten Darstellerinnen und Darsteller sowie Kreative mit Hochdruck daran, die wohl berühmteste Zeitreise der Popkultur auf die Bühne zu bringen. Am 22. März 2026 feiert das Musical „Zurück in die Zukunft“ Premiere.

Raphael Groß und Jan Kersjes freuen sich

Raphael Groß, der Marty McFly spielt, spricht am Rand einer Probe mit leuchtenden Augen vor einer NDR-Kamera über die Rolle und über ihre körperlichen Anforderungen. „Marty ist so eine coole Rolle. Das ist eine Riesenrolle“, sagt er. „Er ist von Anfang bis Ende auf der Bühne. Wenn ich mal nicht auf der Bühne bin, ziehe ich mich gerade um. Es ist ein Marathon.“

Jan Kersjes, der den exzentrischen Wissenschaftler Doc Brown verkörpert, verbindet mit der Geschichte eine persönliche Erinnerung. Als Kind sah er den Filmklassiker erstmals mit seiner Familie und erinnert sich bis heute an das dramatische Finale: „Ich habe Atemnot bekommen damals bei dem Finale, wenn Doc an der Uhr hängt und der Blitz einschlägt.“

Dass das Musical die Spannung der Vorlage mit viel Musik verbindet, fasziniert ihn besonders. „Ich finde es berührend, wie viel Musik hier Platz hat“, sagt Kersjes. „Und dass – wie im Film – auch die gesprochenen Szenen mit Musik unterlegt sind.“

Probe für „Zurück in die Zukunft“ in Hamburg (Foto: Morris Mac Matzen)
Jan Kersjes (links) und Raphael Groß proben vor eine Attrappe des DeLorean auf der Probebühne in der Hamburger Speicherstadt.

Vom Filmklassiker zur Musicalbühne

Die Idee hinter „Zurück in die Zukunft“ entstand Anfang der 1980er-Jahre. Drehbuchautor Bob Gale blätterte im Highschool-Jahrbuch seines Vaters und fragte sich, ob er als Teenager mit ihm befreundet gewesen wäre. Gemeinsam mit Regisseur Robert Zemeckis entwickelte er daraus die Geschichte eines Jungen, der in der Zeit zurückreist und plötzlich seinen eigenen Eltern als Jugendliche begegnet – mit potenziell fatalen Folgen für seine eigene Existenz.

Der Weg zum Film war allerdings alles andere als einfach. Über 40 Studios lehnten das Projekt zunächst ab. Erst als Steven Spielberg mit seiner Produktionsfirma Amblin Entertainment einstieg, wurde das Abenteuer Realität. Der Film „Back to the Future“ entwickelte sich 1985 zum Welterfolg. Die gesamte Trilogie spielte weltweit fast eine Milliarde Dollar ein und wurde zu einem der größten Kultphänomene unserer Zeit.

Probe für „Zurück in die Zukunft“ in Hamburg (Foto: Morris Mac Matzen)
Raphael Groß (links) im Gespräch mit Regisseur John Rando.

Lange galt die Geschichte als abgeschlossen. Doch als Broadway-Erfolge wie „The Producers“ zeigten, welches Potenzial Filmstoffe auf der Bühne entfalten können, entstand eine neue Idee: „Zurück in die Zukunft“ als Musical.

Gale und Zemeckis behielten dabei die kreative Kontrolle. Die Musik komponierte Filmkomponist Alan Silvestri gemeinsam mit Songwriter Glen Ballard, Regisseur John Rando brachte Humor, Tempo und Broadway-Erfahrung in die Inszenierung. Neu im Hamburger Kreativteam ist Heiko Wohlgemuth, der für die deutsche Übersetzung der englischen Texte verantwortlich zeichnet.

Die Uraufführung fand 2020 im Manchester Opera House statt, bevor die Produktion 2021 ins Londoner West End wechselte. Dort wurde sie 2022 unter anderem mit dem Laurence Olivier Award als bestes neues Musical ausgezeichnet. Seither erobert die Show Bühnen weltweit – vom Broadway Theatre in New York bis zu Produktionen in Sydney und Tokio.

Probe für „Zurück in die Zukunft“ in Hamburg (Foto: Morris Mac Matzen)
Tanzszenen gehören zu einem Musical selbstverständlich dazu.

Der DeLorean: Vom Flop zur Ikone

Untrennbar mit der Geschichte verbunden ist das wohl berühmteste Filmfahrzeug der Popkultur: der DeLorean. Wenn Marty ungläubig fragt, ob Doc tatsächlich eine Zeitmaschine „aus einem DeLorean“ gebaut hat, steckt darin ein Stück Industriegeschichte.

Der Sportwagen DeLorean DMC-12 kam 1981 auf den Markt – mit Edelstahlkarosserie, markanten Flügeltüren und futuristischem Design. Entwickelt wurde er vom ehemaligen GM-Manager John Z. DeLorean, der mit seiner eigenen Firma ein visionäres Auto schaffen wollte. Doch Produktionsprobleme, hohe Kosten und schwache Verkaufszahlen führten schon 1982 zum Bankrott des Unternehmens.

Erst Hollywood rettete den Wagen vor dem Vergessen. Für Bob Gale und Robert Zemeckis hatte der DeLorean genau das richtige Image: futuristisch, ein wenig gefährlich und rebellisch. Auf der Leinwand wurde aus dem gescheiterten Sportwagen eine Zeitmaschine – und aus einem Flop eine Ikone.

Probe für „Zurück in die Zukunft“ in Hamburg (Foto: Morris Mac Matzen)
Die Cast arbeitet auf Hochtouren der Premiere entgegen und tauscht schon bald die Probebühne gegen die Showbühne.

Hamburg zählt die Tage

Während bei den Proben für das Musical noch an Choreografien gefeilt und Szenen umgestellt werden, wächst in Hamburg die Vorfreude auf die Premiere. Die Produktion soll eine technisch extrem aufwändige und mit unzähligen Requisiten ausgestattete Show werden – inklusive einer spektakulären Bühnensimulation der berühmten Zeitreise und hoffentlich auch mit einem fliegenden DeLorean. Doch wie Stage-Pressesprecher Stephan Jaekel einem TV-Team von Sat.1 sagte: „Wir haben bei ‚Aladdin‘ schon einen Teppich zum Fliegen gebracht. Das schaffen wir auch mit einem Auto.“

Wird bei „Zurück in die Zukunft“ also vielleicht sogar der gleiche Flugtrick angewendet wie bei „Aladdin“? Das bleibt wohl ein Geheimnis. Und mal ehrlich: Zu viel Hintergrundwissen würde ohnehin die Illusion zerstören.

Text: Christoph Doerner

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Nach seinem Studium der Musiktheaterwissenschaft, einem Volontariat sowie mehreren journalistischen Stationen im In- und Ausland, ist Christoph Doerner seit einigen Jahren als freier Journalist, Texter und Berater tätig.