Mehr als ein Pop-Musical: Was die Stuttgarter Cast an „& Julia“ so besonders findet
Noch ist die Bühne im Stuttgarter Palladium Theater nicht aufgebaut, doch im Perkins Park ist die Energie des neuen Musicals bereits deutlich zu spüren. Bei der Präsentation der Cast von „& Julia“ in dem Club auf dem Killesberg treffen Vorfreude, bekannte und weniger bekannte Gesichter sowie die Botschaft einer Show aufeinander, die Shakespeares berühmteste Liebesgeschichte neu erzählt: Julia stirbt nicht – sie beginnt ihr eigenes Leben.
Ab Herbst 2026 soll diese Variante von „Romeo und Julia“ in Stuttgart mit Welthits der Popgeschichte, Humor und einer konsequent zeitgemäßen Perspektive das Publikum erreichen – wie zuvor schon in Hamburg. Im Zentrum steht Selbstbestimmung. Nicht nur Julia, sondern auch die Menschen um sie herum müssen entscheiden, wer sie sein wollen und welchen Erwartungen sie sich nicht länger beugen möchten.
Zurück in der Traumrolle
Für Sebeya ist die Titelrolle eine Rückkehr zu einer Figur, die ihr besonders nahesteht. Nach ihrem Engagement im Hamburger Operettenhaus, wo sie die alternierende Besetzung der Titelpartie war, übernimmt sie erneut die Rolle der Julia. Stuttgarter Musicalfans kennen die in Los Angeles geborene und in Kairo aufgewachsene Darstellerin noch als Prinzessin Jasmin aus Disneys „Aladdin“.
„Ich kann kaum in Worte fassen, wie glücklich ich bin, diese fantastische Rolle der Julia noch einmal spielen zu dürfen“, sagt Sebeya. Die Show überwältige sie immer wieder aufs Neue. „Diese feministische, progressive Interpretation einer Shakespeare-Geschichte ist für mich der Inbegriff eines perfekten Musicals.“
An ihrer Seite steht Jonathan Guth als Romeo. Für den Folkwang-Absolventen, der bereits als Kind in „Das Wunder von Bern“ auf der Bühne stand und zuletzt unter anderem in „Die Weiße Rose“ ist nicht nur die Rolle neu, sondern auch die Stadt. „Stuttgart wird eine absolute Premiere für mich. Nicht nur die Stadt ist neu, sondern auch dieses geniale Musical“, sagt Guth. Er sei sich sicher, die Show hole alle sofort ab.
Mehr als eine Liebesgeschichte
Eine der wichtigsten Stimmen auf Julias Reise ist May, gespielt von Ibi. Der non-binäre Charakter stellt gesellschaftliche Rollenbilder infrage und wird zu Julias enger Vertrauensperson. „May steht für eine der schönsten Botschaften: Du musst niemand anderes sein als du selbst“, sagt Ibi. „Denn May erinnert uns daran, wie wichtig es ist, zu sich selbst zu stehen, ganz gleich, was andere sagen.“
Auch Frankie, den Esmael Agostino übernimmt, sucht zwischen den Wünschen anderer und den eigenen Vorstellungen nach dem richtigen Weg. „Frankie stellt Fragen, die viele Menschen beschäftigen: Wer möchte ich sein und wie finde ich meinen eigenen Weg? Genau diese Ehrlichkeit und Verletzlichkeit machen die Rolle für mich so außergewöhnlich“, wird Agostino in einer Pressemitteilung von Stage Entertainment zitiert, da er bei der Präsentation in Stuttgart nicht anwesend ist.
Mit Jacqueline Braun als Angelique und Carlos de Fries als Lance ziehen zudem zwei Darstellende aus der Hamburger Produktion nach Stuttgart weiter. Braun beschreibt Julias Amme nicht als Nebenfigur: „Angelique ist weit mehr als eine Frau, die sich nur in Julias Kindheit um sie gekümmert hat – sie ist Vertraute, Beschützerin und emotionale Stütze.“
Große Themen, große Pop-Hits
Sabrina Weckerlin führt ihre Rolle als Anne Hathaway ebenfalls fort und darf sie diesmal in ihrer Heimat spielen. „Ich habe Anne Hathaway vom ersten Moment an ins Herz geschlossen. Sie ist klug, witzig, nahbar und überrascht einen immer wieder“, sagt die aus Furtwangen stammende Darstellerin.
Für Maximilian Mann, zuletzt Künstlerischer Leiter bei Disneys „Die Eiskönigin“, ist die Rückkehr auf die Bühne als Shakespeare ebenfalls ein besonderer Moment. „& Julia“ sei eine Show, „die anders ist“, sagt er. „Sie begeistert mit einer dynamischen Inszenierung und weltbekannten Pop-Hits, vor allem aber durch großartige Werte: Liebe in all ihren Facetten, die Überwindung von Geschlechtergrenzen sowie die Freiheit und den Mut, das eigene Leben neu zu schreiben.“
Text: Christoph Doerner