Sinfoniekonzert (Foto: Dominik Lapp)
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Friedensstädte: 2. Sinfoniekonzert in Osnabrück

Nicht nur der Westfälische Frieden verbindet die Friedensstädte Münster und Osnabrück, sondern auch die beiden städtischen Orchester, die im gleichen Jahr gegründet wurden und jetzt in der Spielzeit 2019/2020 ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Im 2. Sinfoniekonzert des Theaters Osnabrück kamen deshalb beide partnerschaftlich miteinander verbundenen Orchester in der Osnabrückhalle zusammen und spielten im Europasaal als riesiger Klangkörper ein einzigartiges Konzert, das vom Publikum völlig zu Recht bejubelt wurde.

Den ersten Teil bestritten das Sinfonieorchester Münster und das Osnabrücker Symphonieorchester mit „Surrogate Cities“ von Heiner Goebbels. Diese Fragmentkomposition ist eine Suite für Sampler und Orchester, eine Collage eines urbanen Raums. Unter der Leitung von Münsters Generalmusikdirektor Golo Berg erzeugten über 100 Musiker den Klang einer Großstadt. Das klang rhythmisch sehr kraftvoll, teilweise sogar disharmonisch – eben exakt so wie eine Stadt klingt, in der Autos über den Asphalt heizen, eine Straßenbahn vorbeirauscht, Alarmsirenen erklingen, Hunde bellen und Kinder spielen.

Der äußerst wuchtigen und kontrastreichen Komposition Goebbels’ waren die Musiker aus Münster vollends gewachsen. Sie erzeugten unter dem hektisch-genialen Dirigat von Golo Berg eine musikalische Stimmung, die sich immerzu irgendwo zwischen Energie und Spannung bewegte. Unterstützung erhielt das Orchester dabei von dem Perkussionisten und Vokalkünstler David Moss, der mit seiner wandelbaren Stimme exzellent dazu beitrug, eine Großstadt mit ihren gigantischen Hochhäusern und langen Straßenzügen sowie das Gefühl von Sehnsucht, Entfremdung, Hektik und Anonymität zu erschaffen.

Mit Jocelyn B. Smith war außerdem eine wahre Größe der Berliner Musikszene beim Sinfoniekonzert mit von der Partie. Die gefeierte Jazzsängerin ist einem breiten Publikum bekannt geworden durch ihre Interpretation des Songs „Der ewige Kreis“, der in der Anfangssequenz des Films „Der König der Löwen“ zu hören ist. Bei „Surrogate Cities“ bot sie eine fantastische gesangliche Leistung und brachte die vibrierende Energie und die Abgründe der Großstadt zum Klingen. Außerdem entstand im Zusammenspiel von David Moss und Jocelyn B. Smith ein monumentales Stimmen-Kaleidoskop, was das Publikum mit viel Applaus feierte.

Mit einer ebenfalls großen Tondichtung ging es im zweiten Teil weiter. Generalmusikdirektor Andreas Hotz hatte sich für „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss entschieden – ein Werk, das er mit Verve dirigierte. Das Potenzial dieser sinfonischen Dichtung schöpfte Hotz geradezu glanzvoll aus. Doch konnte er dabei nicht nur seine Klasse als Dirigent ausspielen. Vielmehr ließ er die Orchestermusiker in einer würdevollen Eleganz prachtvoll erstrahlen.

Die lyrisch-träumerischen Passagen meisterten die Instrumentalisten genauso perfekt wie die grotesk-befremdlichen. Die opulenten Streicher und die exzellenten Blech- und Holzbläser bestachen durch eine reiche Fülle musikalischer Offenbarungen und legten die außerordentliche Farbenpracht der Strauss’schen Partitur offen. Außerdem verstand es Michal Majersky, in seinen Violinensoli zu glänzen. Mit seiner Exaktheit und Kultiviertheit vermochte das riesige Orchester letztlich im Sinfoniekonzert so sehr zu begeistern, dass es hierfür am Ende lautstarken Applaus gab.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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