Steffi Regner (Foto: Dominik Lapp)
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Interview mit Steffi Regner: „Es gab nie eine Alternative zur Musik“

Diese Frau hat Musik im Blut: Kein Wunder, denn Steffi Regner wurde in der Mozartstadt Salzburg geboren, wo Musik schon früh eine große Rolle in ihrem Leben spielte. Sie bekam Klavierunterricht und sang im Kinderchor, besuchte das Musische Gymnasium und absolvierte sowohl eine Musicalausbildung an der Stage School Hamburg als auch ein klassisch-pädagogisches Gesangsstudium am Hamburger Konservatorium.

Bühnenerfahrung sammelte sie in Musicals wie „Les Misérables“, „Artus – Excalibur“ und „Das Phantom der Oper“. Zuletzt stand sie in München in der europäischen Erstaufführung von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ als Swing auf der Bühne, wo sie unter anderem die Rolle der Amélie coverte. Im Interview spricht Steffi Regner über diese wichtige Rolle und ihre Liebe zur Musik.

Steffi Regner, Sie waren in Salzburg auf dem Musischen Gymnasium. Das heißt also, dass es für Sie nie eine Alternative zu einem musikalischen Beruf gab, oder?
Richtig. Es gab nie eine Alternative zur Musik. Ich war vorher auf einem Mädchengymnasium und habe dort sehr schnell gemerkt, dass mir da der musikalische Input zu wenig ist. Also bin ich noch rechtzeitig aufs Musische Gymnasium gewechselt, wo wir pro Woche insgesamt acht Stunden Musik hatten – darunter Theorie, Chor und selbstständiges Üben. Das war wunderschön, und meine Schulzeit war ein Privileg.

Wie kam dann letztendlich die Entscheidung fürs Musical?
Das wollte ich schon machen, seit ich mit neun Jahren „Hair“ im Wiener Raimund Theater gesehen hatte. Ich hab’s gesehen, nichts verstanden, aber fand es einfach geil. (lacht) Da wusste ich sehr früh, dass ich das auch mal machen will. Also habe ich sehr stringent daran gearbeitet.

Und für die Ausbildung ging es nach Hamburg.
Richtig, raus aus Österreich. Ich wollte erst mal weit weg von zu Hause.

War das ein Kulturschock?
Es war mal etwas Anderes. Aber das wollte ich auch. Ich wollte eine neue Umgebung, neue Gesichter und eine neue Kultur kennen lernen und habe mich in Hamburg sehr wohl gefühlt.

Steffi Regner (Foto: Dominik Lapp)

Sie bedienen allerdings nicht nur das Musicalfach, sondern auch das klassische Gesangsfach. Warum ist es aber doch das Musical geworden, wo Sie Fuß gefasst haben?
Beim Musical ist mein Herz dabei. Beim Musical bin ich mit Leib und Seele dabei. Das bin einfach ich. Ich finde die Oper aber auch wunderschön und bewundere die Kollegen, die das machen. Mein Herz ist beim Musical jedoch mehr dabei. Ich glaube, dass ich trotz des klassischen Backgrounds mehr der Typ fürs Musical bin.

Im vergangenen Jahr haben Sie im österreichischen Staatz die Cosette in „Les Misérables“ gespielt. Das ist ein Stück, das viele Ihrer Kollegen wahnsinnig gern einmal spielen würden. Wie war das für Sie?
Das war eine absolute Traumrolle. Das Stück ist mein absolutes Lieblingsstück. Und diese Musik singen zu dürfen, wünsche ich wirklich jedem Kollegen. Besser geht’s nicht. So eine dichte Handlung, fantastische Melodien – ich gerate dabei immer ins Schwärmen und denke gern an die Produktion und die Rolle zurück.

Zuletzt haben Sie unter anderem die Amélie im Musical „Die fabelhafte Welt der Amélie“ gespielt. Macht sich so eine europäische Erstaufführung im Lebenslauf gut?
Das denke ich schon. Es zeugt von Mut und Neugier und zeigt, dass man gern etwas Neues machen möchte. Man kann ja die alten Klassiker abklopfen, aber sich auch immer wieder in etwas Neues schmeißen, wovon man selber noch nicht weiß, ob es funktioniert. Es ist auf jeden Fall spannend und aufregend. Den Entwicklungsprozess von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ habe ich sehr genossen.

Welche Rolle spielt der gleichnamige Film für Sie?
Den Film habe ich mir vor der Audition angesehen und dann überlegt, ob ich mich für das Stück bewerbe oder nicht. Gott sei Dank habe ich meine Bewerbung abgeschickt. Dabei hatte ich mich nicht mal explizit für die Amélie beworben, sondern allgemein. Als ich dann sogar für die Hauptrolle vorsingen durfte, war ich natürlich sehr glücklich.

Wie frei waren Sie in der Rollengestaltung?
Da ich Swing bin, habe ich den Probenprozess beobachtet und genau zugesehen, was die First-Cast-Kollegen erarbeitet haben und wie das Kreativteam mit ihnen gearbeitet hat. Nach der Premiere wurde ich von unserem Künstlerischen Leiter in das fertige Stück eingearbeitet. Das ist natürlich ganz bequem, weil man das Rad nicht neu erfinden muss und man sich daran ein bisschen festhalten kann, da man als Swing generell weniger Probenzeit für eine Rolle hat. Es gibt also schon ein Konzept, aber eine gewisse Persönlichkeit steckt natürlich immer in jeder Rolle, die ich spiele. Das soll ja auch so sein, weil alles andere unnatürlich wäre. Man hangelt sich also letztendlich an einem Gerüst entlang, weil ja auch alles mit Ton und Licht passen muss. Aber natürlich bringe ich im Schauspiel viel von mir mit. Das geht gar nicht anders.

Steffi Regner (Foto: Dominik Lapp)

Ist es eine große Verantwortung, die man trägt, wenn man eine Bühnenrolle spielt, die Millionen Menschen bereits aus einem Film kennen?
Klar, denn man muss ja davon ausgehen, dass viele Besucher den Film kennen. Als Darsteller hofft man aber natürlich, dass sich die Theaterbesucher auf etwas Neues einlassen können. Bühne kann niemals Film sein, weil es eine andere Darstellungsform ist. Es macht für mich keinen Sinn, dass ich mich an großen Filmschauspielern messe. Ich bin Steffi Regner und möchte eine Rolle mit meinen eigenen Charakterzügen zum Leben erwecken.

Haben Sie Amélie denn einfach nur zum Leben erweckt oder sogar Parallelen zwischen Amélie Poulain und Steffi Regner erkannt?
Es gibt definitiv Parallelen. Wie Amélie schaffe ich es auch immer wieder, mich im Tag wegzuträumen und mir Szenarien auszudenken. Blöderweise sind da auch schon mal Horrorszenarien dabei, wo ich erkenne, dass ich viel zu viel über etwas nachdenke. Das macht keinen Sinn und ist verschwendete Energie. (lacht) Ähnlich ist es bei Amélie auch, aber es geht gut aus.

Was war die größte Herausforderung bei dieser Rolle?
Dass man ganz wenige Pausen hatte, wo man sich mal kurz sammeln und nachdenken konnte. Es war wenig Zeit, um sich auf die nächste Szene vorzubereiten, etwas zu trinken oder mal durchzuatmen. Das war schon ein gewisser Marathon, der viel Kondition und Konzentration erforderte. Aber es hat Spaß gemacht, und ich hatte immer den Ehrgeiz, auch dann gut zu singen, wenn ich vorher eine Treppe hochgelaufen bin. Das Schöne an meinem Job ist: Wenn man so eine große Herausforderung annimmt, wächst man daran.

Bei „Die fabelhafte Welt der Amélie“ haben Sie auf einer offenen Bühne gespielt, wo einerseits die Darsteller mitten im Publikum und andererseits die Zuschauer mitten in der Story waren. Wie war das?
Das war wunderschön, weil man ganz nah die Reaktionen der Zuschauer mitbekommen hat. Wir haben das Publikum richtig gesehen und den direkten Zugang total genossen, weil man damit wunderbar spielen konnte. Man musste nur ganz wenig mit dem Gesicht machen, aber es hat sich trotzdem sofort auf die Zuschauer übertragen. In so einer intimen Atmosphäre kann man ja viel reduzierter spielen als wenn man noch Leute oben im dritten Rang erreichen muss. Die Zuschauer waren immer bei uns, egal was wir gemacht haben.

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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