„West Side Story“ Foto: Dominik Lapp
  by

Große Gefühle: „West Side Story“ in Detmold

Das Drama um Romeo und Julia wurde unzählige Male für die Bühne aufbereitet. Für die Musicalbühne verlegten Leonard Bernstein (Musik), Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Texte) die Geschichte in die New Yorker West Side und nannten ihr Musical „West Side Story“. Am Landestheater Detmold ist dieses Werk nun in einer sehr gelungenen Inszenierung von Kay Metzger zu sehen und verspricht große Gefühle von der ersten bis zur letzten Minute.

Metzger hat das Werk wunderbar inszeniert und es geschafft, einen Spannungsbogen aufzubauen, der bis zum Schluss nicht abreißt. Es ist eine moderne, aber nicht krampfhaft modernisierte „West Side Story“, die in Detmold auf die Bühne gebracht wurde. Behutsam hat der Regisseur die Romeo-und-Julia-Story entstaubt und sie dem aktuellen Zeitgeist angepasst. In den Mittelpunkt stellt er dabei die ewige Rivalität zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, was bereits in der Eingangsszene schön visualisiert wird, wenn sich zwei Kinder um einen Luftballon streiten.

Die Kostüme von Petra Mollérus sind zeitgemäß, dadurch aber auch wenig aufwändig. Dennoch erfüllen sie ihren Zweck. Die Jets und Sharks tragen Hosen und Shorts in Camouflage-Optik und sind nur anhand der Oberteile auseinanderzuhalten: Jets in Blau, Sharks in Orange. Das Bühnenbild, für das Mollérus ebenfalls verantwortlich zeichnet, ist sporadisch aber funktionell gehalten: Mehrere verschiebbare Bühnenelemente lassen blitzschnell Straßenzüge, Marias Zimmer, den obligatorischen „Tonight“-Balkon, ein Brautmodengeschäft oder Docs Drugstore entstehen.

Ein Genuss fürs Auge ist zudem die energiegeladene Choreografie von Richard Lowe, die das Ensemble mit starker Körpersprache und synchronen Bewegungen hervorragend umzusetzen weiß. Für die musikalische Unterstützung aus dem Orchestergraben sorgt David Behnke mit seinen bestens aufgelegten Musikern, die sich souverän durch die anspruchsvolle Partitur Leonard Bernsteins spielen und die verschiedenen Szenen auf der Bühne mit einem großartigen Klangteppich ausstatten.

Und auch die Künstler auf der Bühne lassen nichts zu wünschen übrig. Allen voran ist es in der besuchten Vorstellung Christian Alexander Müller (normalerweise wird die Rolle im Wechsel von Kai-Ingo Rudolph und Patrick Schenk gespielt), der als Tony durchweg begeistert. Schauspielerisch gelingt es ihm, Tonys Liebe zu Maria, die Treue zu seinen Freunden und die innere Zerrissenheit glaubwürdig zu vermitteln. Sein Solo „Maria“ schmettert er gesanglich sauber sowie mit großer Inbrunst in den Zuschauerraum und harmoniert zudem sehr gut mit Bühnenpartnerin Katharina Ajyba.

Ajyba gibt die Maria zunächst mit jugendlicher Leichtigkeit und zum Ende als gebrochene Frau, die am Tod ihrer großen Liebe fast verzweifelt. Ihre Darstellung ist dabei von solch einer Intensität, dass sie zu Tränen rührt. Auch gesanglich lässt Ajyba mit ihrer klassisch geschulten Stimme keinerlei Wünsche offen.

Andrea Sánchez del Solar beeindruckt als Anita mit klarer Stimme und überzeugt schauspielerisch vor allem in der beklemmenden Szene, in der sie von den Jets vergewaltigt wird und anschließend aus Wut den Tod Marias verkündet. Martin Kiuntke gibt als Bernardo einen wunderbaren Macho und Anführer der Sharks, während Sascha Stead als Riff genauso überzeugend den Anführer der Jets spielt. Beide Darsteller spielen souverän den ersten Akt, der mit einem Kampf endet, in dem Bernardo und Riff den Tod finden.

Als Energiebündel erweist sich außerdem Bettina Kenney in der Rolle der Anybodys, die mit vollem Körpereinsatz und großer Klappe eine beeindruckende schauspielerische Leistung zeigt. Ebenso fallen Henry Klinder und Jürgen Roth als Polizistenduo Schrank und Krupke positiv auf. Doch neben den namentlich erwähnten Solisten kann auch das spielfreudige Ensemble bei der „West Side Story“ mit starker Bühnenpräsenz punkten. Die großartige Leistung aller Beteiligten honoriert das Publikum schlussendlich mit stehenden Ovationen.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und das Streaming-Konzert "In Love with Musical".

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Es gelten unsere Bedingungen zum Datenschutz sowie zur Nutzung / AGB. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen