Bunt und lebendig: „Das SpongeBob Musical“ in Lohne
Die Musical-AG des Gymnasiums Lohne genießt seit Jahren einen Ruf, der weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Wer ihre Produktionen wie „Carrie“ oder „Joseph“ kennt, weiß, dass hier mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit und zugleich mit sichtbarer Spielfreude gearbeitet wird. Nun, im Frühjahr, steht jedoch nicht die etablierte Haupt-AG auf der Bühne, sondern die Nachwuchsgruppe. Sie präsentiert „Das SpongeBob Musical“ in der gekürzten „Theatre for Young Audiences Edition“. Der große Sommertermin bleibt der älteren Besetzung vorbehalten – dann folgt „Cabaret“. Doch schon jetzt zeigt sich, dass auch die jüngeren Darstellerinnen und Darsteller das hohe Niveau der Lohner Musicaltradition mühelos tragen.
Regisseur Rainer Eschner setzt auf eine klare, gut lesbare Charakterzeichnung. Seine Inszenierung vertraut auf die Eigenarten der Figuren und auf die Spiellust der jungen Besetzung. Die gekürzte Fassung des Musicals von Kyle Jarrow nach der TV-Serie von Stephen Hillenburg lässt einige Songs und Rollen entfallen, darunter Mr. Krabs’ Tochter Perla oder der Pirat Patsy. Das Stück gewinnt dadurch an Stringenz und Tempo. Eschner besetzt seine Rollen sichtbar nach den Fähigkeiten der Beteiligten und nimmt zugleich eine Realität schulischer Theaterarbeit gelassen hin: Es gibt deutlich mehr Mädchen als Jungen in der AG. So werden fast alle Rollen weiblich besetzt. Gerade bei einem Personal aus Schwamm, Seestern und anderen Bewohnern der Unterwasserwelt verliert diese Frage ohnehin an Bedeutung. Die Figuren funktionieren in dieser Konstellation wie selbstverständlich.
Ein wesentlicher Motor der Aufführung ist die Choreografie von Simav Khalef. Ihre Szenen bringen Bewegung in das Geschehen, ohne in hektische Daueraktivität zu kippen. Stattdessen entwickeln die Nummern eine federnde Energie, die hervorragend zu dieser farbenfrohen Welt passt. Immer wieder formieren sich Gruppenbilder, die den Ensemblecharakter der Produktion unterstreichen.
Eine besondere Stärke des Abends liegt in der Musik. Unter der Leitung von Dirigent Alexander Eik sitzt ein für eine Schulproduktion erstaunlich großes Orchester seitlich vor der Bühne. Die jungen Musikerinnen und Musiker geben der Partitur einen satten Klang und sorgen dafür, dass der Stilpluralismus der Songs – von poppigen Nummern bis zu pathetisch auftrumpfenden Ensemblepassagen – klar hervortreten kann. Die Stimmen auf der Bühne finden dabei ein verlässliches Fundament. Man spürt, dass hier intensiv gearbeitet wurde: Einsätze sitzen, Übergänge sind sauber gestaltet, und selbst in turbulenten Szenen bleibt das musikalische Gefüge stabil.
Dass sich das Publikum so leicht in die Unterwasserwelt von Bikini Bottom versetzen lässt, liegt auch an der Ausstattung. Bühnenbild und Kostüme entstehen vollständig in Eigenarbeit der AG – und erweisen sich als erstaunlich fantasievoll. Die Bühne zeigt zwei Ebenen, auf denen parallel gespielt werden kann. Die Burger-Restaurants Krosse Krabbe und Abfalleimer sind übereinander angeordnet, SpongeBobs berühmte Ananas fehlt ebenso wenig wie die Häuser von Patrick und Thaddäus. Besonders eindrucksvoll gerät der Vulkan, der mit Nebel und Pyrotechnik zum spektakulären Spielort wird. Auch die Quallen – in ihrer Gestaltung ebenso schlicht wie einfallsreich – gehören zu den visuellen Höhepunkten des Abends. Alles ist bunt, überzeichnet und voller liebevoller Details, ganz so, wie es diese Welt verlangt.
Im Zentrum steht Emma Pytel als SpongeBob. Sie gestaltet die titelgebende Figur mit wacher Energie und einem unerschütterlichen Optimismus, der die Handlung vorantreibt. Ihre Darstellung lebt von Beweglichkeit, klarer Artikulation und einer unermüdlichen Bühnenpräsenz. Neben ihr überzeugt Sophia Buschmann als Patrick besonders durch ihre stimmliche Gestaltung: Die markante Sprechweise des Trickfilmvorbilds erkennt man sofort wieder, ohne dass die Figur zur bloßen Kopie wird.
Anna Wilke gibt Sandy mit resoluter Gelassenheit, während Maja Helmer als Thaddäus die chronisch missmutige Selbstbezogenheit der Figur genüsslich ausspielt. Pia Tölke bringt als Plankton die nötige Portion Schurkenenergie ins Geschehen, unterstützt von Annemarie Tepe als dessen Computer-Partnerin Karen. Noah Rörsch sorgt dagegen als Mr. Krabs für ein paar markante Auftritte, während sich auch die kleineren Rollen präzise ins Gesamtbild fügen, wie zum Beispiel Marie Sieverding als Mrs. Puff und Amir Hoxha als Bürgermeister. Maximilian Braun übernimmt als Soundfisch zudem eine besondere Aufgabe, denn er produziert jene ikonischen Geräusche, die man aus der Trickfilmserie kennt und die hier live für komische Effekte sorgen.
Am Ende steht eine Aufführung, die auf Spielfreude, Teamarbeit und eine bemerkenswerte organisatorische Leistung setzt. Die Nachwuchs-AG des Gymnasiums Lohne zeigt, wie viel Energie und Kreativität in einem schulischen Projekt stecken können. „Das SpongeBob Musical“ wird so zu einem ebenso bunten wie lebendigen Theaterabend – und zugleich zu einem Versprechen für den Sommer, wenn die Haupt-AG mit „Cabaret“ die Bühne übernimmt.
Text: Dominik Lapp
