„Mord im Orientexpress“ (Foto: Birgit Hupfeld)
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Sehenswert: „Mord im Orientexpress“ in Osnabrück

Der belgische Privatdetektiv Hercule Poirot möchte mit dem Orientexpress von Istanbul nach London reisen. Auf der Fahrt durch Serbien muss der Zug wegen Schneeverwehungen halten und es findet ein brutaler Mord statt. Die Geschichte „Mord im Orientexpress“, die durch Agatha Christies Kriminalroman und verschiedene Verfilmungen hinlänglich bekannt sein dürfte, ist als Ken Ludwigs Bearbeitung für die Bühne am Theater Osnabrück in einer kurzweilig-witzigen Inszenierung von Katharina Schmidt zu sehen.

Die Regisseurin sprengt mit ihrer Inszenierung Gender-Grenzen, lässt Frauenrollen von Männern und Männerrollen von Frauen spielen. Das ist manchmal zwar etwas zu arg klamaukig (insbesondere im ersten Akt), dann aber doch wieder interessant zu sehen, wie sich die Schauspielerinnen und Schauspieler die unterschiedlichen Rollen zu eigen machen.

Erzählt wird die Story in einem sehenswerten Bühnenbild von Yvonne Theodora Storm (auch verantwortlich für die passenden Kostüme), das erst den silbernen Orientexpress von außen und dann das detaillierte Innere zeigt. In Videoeinblendungen von Franziska Junge wird zudem visualisiert, was im Kopf von Meister-Ermittler Hercule Poirot abläuft. Die stimmungsvolle Musik von Pär Hagström komplettiert die Atmosphäre sehr gut.

Die Riege der Schauspielerinnen und Schauspieler – man ist es vom Theater Osnabrück nicht anders gewohnt – ist wieder einmal durchweg erstklassig. So gibt Manuel Zschunke einen knurrig-schnurrenden Hercule Poirot, Anke Stedingk gefällt als exaltiert-skurriler Eisenbahndirektor Monsieur Bouk und Pujan Sadri mimt gekonnt den (gar nicht so) toten Samuel Ratchett (der auch noch singt!).

Absolut kongenial agieren zudem Thomas Kienast als Hector MacQueen, Ronald Funke als Prinzessin Dragomirowa und Stefan Haschke als Schaffner Pierre Michel. Haschke sorgt dabei für die meisten Lacher, wenn er mit seinem Bistrowagen auftaucht, die vierte Wand durchbricht und aktuelle Themen auf die Schippe nimmt. Ebenfalls stark: Sascha Maria Icks als Gräfin Elena Andrenyi, Janko Kahle als Carolin Hubbart, Otiti Engelhardt als Mary Debenham, Oliver Meskendahl als Oberst Arbuthnot sowie Lena Vix als Greta Ohlsson. Und zum Schluss? Verdient lang anhaltender Applaus.

Text: Dominik Lapp

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Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".