„Die kleine Meerjungfrau“ in Hüllhorst (Foto: Dominik Lapp)
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Fantasievoll umgesetzt: „Die kleine Meerjungfrau – Hör auf deine Stimme“ in Hüllhorst


Mit dem Musical „Die kleine Meerjungfrau – Hör auf deine Stimme“ bringt die Freilichtbühne Kahle Wart in Hüllhorst eine Uraufführung auf die Bühne, die Hans Christian Andersens berühmtes Märchen entschlossen in die Gegenwart übersetzt. Das Autorenteam Marco Knille sowie Sebastian Andreas Ciminski-Knille verändert Figurenkonstellationen und Erzählweise, ohne den Kern der Vorlage vollständig aufzugeben. Aus der tragischen Sehnsuchtsgeschichte wird ein modernes Familienmusical über Selbstbestimmung, Mut und Identität.

Schon der Untertitel formuliert die Stoßrichtung unmissverständlich: Wer glücklich werden will, soll auf die eigene innere Stimme hören. Auch die Themen Liebe, Frieden, Hoffnung und Zuversicht werden mit einer solchen Beharrlichkeit beschworen, dass manche Szenen eher wie pädagogische Leitsätze als organischer Bestandteil der Handlung wirken.

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Dennoch entfaltet die Produktion über weite Strecken einen beträchtlichen Charme, was vor allem an ihrer fantasievollen visuellen Gestaltung liegt. Regisseur und Choreograf Marco Knille nutzt die hügelige Naturbühne klug und integriert das Bühnenbild so selbstverständlich in die Landschaft, als sei die Kahle Wart schon immer ein Unterwasserreich gewesen. Zwischen Seegras, Algen, Korallen und Seesternen entsteht eine farbenreiche Meereswelt.

„Die kleine Meerjungfrau“ in Hüllhorst (Foto: Dominik Lapp)

Auch Kostüme und Maskenbild zeigen einen enormen Aufwand. Die Figuren erscheinen durchweg bunt, detailreich und mit Liebe zum Fantastischen gestaltet. Besonders eindrucksvoll gerät die Meerhexe Oktavia. Die langen schwarzen Tentakel, die mit blauen LEDs versehen sind, verleihen der Figur eine schillernde Erscheinung zwischen Tiefseealbtraum und Glamourgestalt.

Musikalisch setzt die Produktion auf einen ausgesprochen eingängigen Pop-Rock-Score von Michael Potthast. Die insgesamt 24 Songs decken stilistisch ein breites Spektrum ab und liefern zahlreiche Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Dass die Musik nicht live gespielt wird, sondern vorab aufgenommen wurde und digital zugespielt wird, ist für eine Amateurbühne nicht ungewöhnlich und angesichts der geringen Eintrittspreise durchaus verkraftbar.

Problematisch wird eher die schiere Menge der Musiknummern. Nicht jeder Song entwickelt dramaturgische Notwendigkeit, manches Lied illustriert lediglich bereits Bekanntes. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Dialoge die Handlung unnötig aufhalten. Dadurch gerät der Nachmittag mit mehr als zweieinhalb Stunden für ein Familienmusical ausgesprochen lang. Gerade jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer dürften gegen Ende Konzentration einbüßen.

„Die kleine Meerjungfrau“ in Hüllhorst (Foto: Dominik Lapp)

Im Ensemble zeigt sich das typische Bild eines ambitionierten Amateurtheaters: Die darstellerischen und gesanglichen Leistungen bewegen sich verständlicherweise nicht durchgehend auf demselben Niveau, doch das Stück lebt sichtbar von Engagement und Spielfreude. So gestaltet Paula Wahls die kleine Meerjungfrau Naïa mit großem Einsatz, während Catharina Heidemann die Seemöwe Ingo mit großem komödiantischem Gespür spielt. Zwar geraten die Ingo-Szenen oft zu ausgedehnt und tragen nicht immer zur Entwicklung der Geschichte bei, doch amüsieren sie das Publikum hörbar. Auch Marco Wienecke sorgt als Hummer Gamberone immer wieder für lebendige Momente.

Dass die Rolle der Meerhexe Oktavia männlich besetzt wurde, ist ein Glücksgriff: Leon Whyte stattet sie, die stellenweise an eine maritime Variante von Olivia Jones erinnert, mit großer Bühnenpräsenz und einer angenehm rauen Stimme aus. In den recht kleinen Rollen von Fritz und Freddy spielen sich außerdem Ella Bartsch und Lea Wiegmann mit Witz und Tempo in die Herzen.

So erweist sich „Die kleine Meerjungfrau – Hör auf deine Stimme“ als Familienmusical mit deutlicher Überlänge und einer bisweilen allzu demonstrativ formulierten Botschaft, zugleich aber auch als eine bemerkenswert aufwändige und ideenreiche Uraufführung. Die Freilichtbühne Kahle Wart beweist damit eindrucksvoll, wie viel Fantasie, handwerkliche Hingabe und Spielfreude im Amateurtheater möglich sind.

Text: Dominik Lapp

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Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".