Nadja Görts und Sebastian Ciminski-Knille (Foto: Dominik Lapp)
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Nadja Görts und Sebastian Ciminski-Knille: Von Osnabrück in die Musicalwelt

Nadja Görts und Sebastian Ciminski-Knille stehen schon seit einigen Jahren auf den berühmten Brettern, die die Welt bedeuten. Für die Musicalausbildung, die beide absolvierten, zog Nadja Görts 2009 von Düsseldorf nach Osnabrück, Sebastian Ciminski-Knille trat den Weg – mit einem Zwischenstopp in Bochum – aus dem Schwarzwald an. Mittlerweile sind sie in ihrem Job fest verankert und standen zuletzt wieder gemeinsam auf der Bühne. Mit der Tournee des Musicals „Das Phantom der Oper“ von Deborah Sasson und Jochen Sautter gastierten sie auf Bühnen in ganz Deutschland – auch in Osnabrück, wo einst ihre Musical-Laufbahn begann.

Sebastian Ciminski-Knille begann seine Musicalausbildung zunächst in Bochum, doch die Schule dort musste schließen. „Ich bin dann also ins nicht weit entfernte Osnabrück gewechselt und habe das nie bereut, weil ich hier wirklich gefördert wurde“, resümiert der Darsteller, der die Ausbildung wie seine Kollegin an der Osnabrücker German Musical Academy absolviert hat, die mittlerweile im Institut für Musik der Hochschule Osnabrück aufgegangen ist.

Gute Musicalausbildung in Osnabrück

„In Osnabrück hat mir immer gut gefallen, dass die Klassen nicht zu groß sind“, sagt Nadja Görts. „Wir waren nur zu siebt in unserem Ausbildungsjahrgang, so dass jeder individuell gefördert werden konnte.“ Beide Künstler konnten sich dementsprechend entwickeln und ihr Fach finden. „So habe ich herausgefunden, dass ich der komödiantische Sidekick-Typ bin“, sagt Sebastian Ciminski-Knille. „Das habe ich erst nicht einsehen wollen, finde es mittlerweile aber viel cooler, als der Prinz zu sein“, lacht er.

Nadja Görts (Foto: Dominik Lapp)

„Schön an der Ausbildung war auch, dass wir parallel immer schon spielen konnten“, erinnert sich Nadja Görts. So wirkten beide Künstler bereits während ihrer Ausbildung im Musical „Aida“ bei den Freilichtspielen Tecklenburg mit. „Außerdem konnte ich zwei Produktionen am Theater Hagen machen“, erzählt Görts. Sie bezeichnet es als großes Geschenk, dass das möglich war. „So hatten wir direkt nach der Ausbildung schon erste Engagements im Lebenslauf“.

Nadja Görts und Sebastian Ciminski-Knille sind froh, an einer Schule gelernt zu haben, bei der es nicht um Massenabfertigung ging. „Inzwischen gibt es viel zu viele Musicaldarsteller, und jedes Jahr kommen neue dazu“, sagen beide übereinstimmend. „Da ist immer wieder zu beobachten, dass es nun mal nicht genug Jobs für alle gibt und nicht wenige Absolventen nach ihrer Musicalausbildung doch noch in einem anderen Beruf landen.“

Unbezahlte Proben sind ein No-go

Das Verhältnis von zu vielen Künstlern und zu wenig vakanten Jobs führt letztendlich immer mal wieder zu Dumping-Gagen in der Musicalbranche. „Es gibt leider immer jemanden, der es für weniger macht“, weiß Nadja Görts. „Und es gibt auch immer jemanden, der einen Job nur für die Erfahrung macht“, ergänzt ihr Kollege. Zwar habe sich in den letzten Jahren einiges getan, zum Beispiel was die Mindestgagen an städtischen und staatlichen Theatern angehe. Doch gebe es noch immer Theater und Veranstalter, die beispielsweise nur für gespielte Vorstellungen bezahlen, aber die Probenzeit nicht vergüten. „Dabei ist gerade die Probenzeit richtig harte Arbeit“, sagt Sebastian Ciminski-Knille. „In der freien Wirtschaft wäre es überhaupt nicht denkbar, einen neuen Mitarbeiter während der sechswöchigen Einarbeitungszeit nicht zu bezahlen – in der Kunst ist das leider anders.“

Sebastian Ciminski-Knille (Foto: Dominik Lapp)

Nichtsdestotrotz ging es für beide Musicaldarsteller nach der Ausbildung direkt in die ersten Jobs. „Ich habe als erstes Dinnertheater gemacht und wurde anschließend nach Lahnstein eingeladen“, berichtet Sebastian Ciminski-Knille. Dort wirkte er unter anderem als Conferencier und James in „3 Musketiere“ sowie als John Utterson in „Jekyll & Hyde“ mit, später folgten Engagements bei den Frankenfestspielen Röttingen sowie bei den Entertainmentshows des Europa-Parks in Rust. Nadja Görts hingegen gehörte fünf Jahre lang zum Ensemble der mittlerweile insolventen Clingenburg Festspiele, spielte am Schauspielhaus Düsseldorf und sang in Opern wie „Der Freischütz“ und „Turandot“.

Vielseitige Beschäftigung

Wenn sie nicht selbst auf der Bühne steht, ist Nadja Görts außerdem als Regieassistentin und Choreografin tätig. „Ich habe schon immer getanzt und gesagt, dass ich mir eine Tätigkeit als Choreografin vorstellen könnte, wenn es auf der Bühne vielleicht mal nicht mehr so läuft“, berichtet Görts. „Was allerdings die Regieassistenz betrifft, war das eher Zufall, weil damals die Regieassistentin bei den Clingenburg Festspielen ausgefallen ist“, erinnert sie sich. „Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich nicht nur gern auf der Bühne stehe, sondern auch sehr gern organisiere. Deshalb habe ich immer versucht, neben meinen Jobs auf der Bühne auch Regieassistenzen oder Choreografie zu machen.“

Als Künstler im Corona-Shutdown

Zuletzt waren Nadja Görts und Sebastian Ciminski-Knille mit der Sasson/Sautter-Version von „Das Phantom der Oper“ auf Tour. „Bis auf eine Vorstellung konnten wir alle Shows spielen, bevor der Corona-Shutdown eintrat“, berichten die beiden Künstler. „Da haben wir großes Glück gehabt.“ Dennoch sind ihnen durch die Corona-Krise wichtige Anschlussjobs weggebrochen. Ciminski-Knille sollte nach der „Phantom“-Tour eine Hauptrolle im Musical „Rock of Ages“ in Wettringen spielen. „Und jetzt würde ich mittlerweile schon bei den Frankenfestspielen in Röttingen proben“, sagt der Musicaldarsteller, der dort die Titelrolle in der Operette „Orpheus in der Unterwelt“ übernehmen sollte.

Nadja Görts und Sebastian Ciminski-Knille (Foto: Dominik Lapp)

„Nach der Tour bin ich nach Hause geflogen und war ziemlich überrascht, wie schnell ich mich in einer Art Corona-Blase wiedergefunden habe“, blickt Nadja Görts zurück. „Ich habe dann Yoga und Tanz online unterrichtet und dazu einen eigenen Youtube-Kanal gestartet“. Abgesagt wurden ihr durch die Corona-Krise sowohl Konzerte als auch Workshops oder Kurse, die sie hätte geben sollen. Bei einer Produktion in Wuppertal, wo sie für die Choreografie verantwortlich zeichnet, hatten zunächst die Proben begonnen, die dann online weitergeführt und schließlich komplett eingestellt wurden. „Jetzt wissen wir nicht, ab wann wir überhaupt weitermachen können.“

Der Herbst sieht aktuell sehr voll aus bei Nadja Görts. „Viele Shows und Workshops wurden in den Oktober, November oder Dezember verschoben, was mich positiv stimmt.“ Außerdem habe sie inzwischen wieder ein paar Kurse geben dürfen. „Momentan mache ich außerdem meinen Master in Tanz an der Sporthochschule Köln, wo der Unterricht zurzeit online stattfindet.“ Ihr Kollege Sebastian Ciminski-Knille hat hingegen in den Zeiten des Corona-Shutdowns die Gärtnerei für sich entdeckt. „In unserem Garten gibt’s jetzt Tomaten und Zucchinis“, berichtet der Hobby-Gärtner stolz. „Außerdem haben wir ein Blumenbeet für Bienen angelegt.“ Wenn er gerade nicht gärtnert, plant er aber weitere künstlerische Projekte und geht regelmäßig auf Instagram live, um ein bisschen Musik in die Welt zu bringen. „Das mache ich, um die Menschen von Corona etwas abzulenken.“ Voraussichtlich ab Spätherbst wird Sebastian Ciminski-Knille aber auch wieder auf einer Bühne vor Publikum auftreten.

Text: Dominik Lapp

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Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und das Streaming-Konzert "In Love with Musical".

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