„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ (Foto: Morris Mac Matzen)
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Charmant: „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ in Hamburg

Im Hamburger Schmidt Theater steht erneut „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ auf dem Spielplan und erweist sich als äußerst charmantes Musical, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert. Die Bühnenrechte an der Geschichte, die erst 2018 aus dem Nachlass des Kinderbuchautoren Otfried Preußler veröffentlicht wurde, sicherte sich das Theater schnell und setzte Martin Lingnau (Musik und Buch) und Wolfgang Adenberg (Songtexte und Buch) darauf an, den Stoff für die Musicalbühne zu adaptieren – und das kann sich sehen und hören lassen!

Den beiden Autoren ist es gelungen, die klassische Geschichte zu erhalten und ihr dennoch einen modernen Stempel aufzudrücken. Dazu hat Martin Lingnau, der musikalisch mal wieder alle Register zieht, 15 ohrwurmträchtige Songs komponiert und Wolfgang Adenberg eingängige Liedtexte geschrieben. Zu der stimmigen Popnummer „Wir bauen eine Rakete“ hat Benjamin Zobrys zudem eine wunderbare Choreografie entwickelt, die das Publikum bei der Zugabe direkt mittanzen darf.

Die kurzweilige Inszenierung von Carolin Spieß beginnt mit einem klassischen Kasperletheater. Auf die Frage „Seid ihr alle da?“ von der Kasperlepuppe schallt ein lautes „Ja“ der Kinder durch den Saal – und sogleich verwandeln sich die Handpuppen in Menschen, das Puppentheater weicht einem liebevoll gestalteten Klappbühnenbild in kunterbunter Comic-Optik von Heiko de Boer. Ebenfalls sehenswert: Die farbenfrohen Kostüme von Frank Kuder und Viktoria Hase.

„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ (Foto: Morris Mac Matzen)

In der Waldkulisse lassen sich die Bäume aufklappen und geben den Blick frei auf weitere Spielorte. Herzstück ist jedoch das Feuerwehrspritzenhaus, in dem Wachtmeister Dimpfelmoser den Räuber Hotzenplotz gefangen hält – der dort jedoch ausbüxt und bei der Großmutter die Schwammerlsuppe aufisst. Für Kasperl und seinen Freund Seppel ist die Sache damit klar: Sie verfolgen den Räuber und locken ihn in eine Falle, um ihn zum Mond zu schießen.

Götz Fuhrmann ist optisch eine Wucht als Hotzenplotz, gibt er den Räuber doch mit Knollennase und Zottelbart, großem Hut, Pfefferpistole und Messergürtel. Mit tiefer Stimme verleiht er der Rolle etwas Bedrohliches, wobei er auch die witzige Seite seines Charakters sehr gut ausspielt. Mit Benjamin Beckmann, der als Dimpfelmoser Slapstick-Qualität beweist, liefert er sich ein schönes Katz-und-Maus-Spiel. Als gewitztes Freundesduo Kasperl und Seppel reißen Christian Petru und Joshua Hien die Kleinen und Großen im Publikum mit, grandios ist außerdem Jana Stelley in ihrer Doppelrolle als Großmutter und kuriose Wahrsagerin Schlotterbeck.

Letztendlich besticht das Musical durch eine liebenswürdige Story, eine temporeiche Inszenierung mit Mitmach-Charakter, eingängige Musik und herrliche Regieeinfälle wie eine große Seifenblasendusche, wenn der Räuber Hotzenplotz badet oder die Einbeziehung der Kinder im Saal, wenn Kasperl und Seppel einen Steckbrief des Räubers erstellen wollen. Absolut sehenswert!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".