„Guys and Dolls“ (Foto: Nilz Böhme)
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Swing-Rhythmen: „Guys and Dolls“ in Magdeburg

In den USA äußerst bekannt, in Deutschland aber nahezu unbekannt ist das Musical „Guys and Dolls“, das jetzt nach der Corona- und Spielzeitpause am Opernhaus in Magdeburg Premiere feierte. In der handwerklich exzellenten Inszenierung von Götz Hellriegel verspricht das Werk von Frank Loesser (Musik und Songtexte), Abe Burrows und Jo Swerling (Buch) einen kurzweiligen Musicalabend im Stil einer großen Broadway-Show der 1950er Jahre.

Schon wenn die ersten Töne der Ouvertüre aus dem Orchestergraben ertönen, macht sich Broadway-Feeling im Auditorium breit. Die Magdeburgische Philharmonie unter der Leitung von Nathan Bas spielt mit viel Schwung und Pep und transportiert die Swing-Rhythmen unweigerlich in die Fußspitzen. Insbesondere die Blech- und Holzbläser spielen rauschhaft auf und bringen die 70 Jahre alte Musik von Frank Loesser zum Strahlen.

Als sich der Vorhang hebt, finden wir uns inmitten eines New Yorker Straßenzuges (Bühnenbild: Jürgen Kirner) wieder. Links der Hotbox-Nachtclub, rechts die Missionsstation der Heilsarmee, mittig ein Hochhaus mit kleinem Laden im Erdgeschoss. Durch den geschickten Einsatz der Drehbühne können alle Schauplätze gleichermaßen gut bespielt werden. Aus dem Bühnenturm werden zusätzliche Kulissenteile herabgelassen, wenn es in den New Yorker Untergrund oder eine Tanzbar geht. Mit ihren sehenswerten und zeitgemäßen Kostümen sorgt Valerie Hirschmann zudem für eine Zeitreise in die Fünfziger. Optisch erinnert die Produktion so immer wieder an das Londoner Revival von „Guys and Dolls“ im Jahr 2005.

Das Buch von Abe Burrows und Jo Swerling hat zwar einige Längen, doch Regisseur Götz Hellriegel versteht es, diese Längen bestmöglich mit einem guten Gespür für komödiantisches Timing zu umschiffen. Hellriegel treibt seine Inszenierung in schnellen, witzigen Dialogen voran, zeichnet die vortrefflich absurden Charaktere dabei breitflächig als Karikaturen. Zu der großen Energie der Musik lässt er die Darstellerinnen und Darsteller außerdem gekonnt das Tanzbein schwingen, da er neben der Regie auch für die Choreografie verantwortlich zeichnet.

„Guys and Dolls“ (Foto: Dominik Lapp)

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte aus dem New Yorker Spielermilieu ist Nathan Detroit, der für geheime Spielstätten sorgt und so Pferdewetten, Würfelspiele und Taschenspielertricks ermöglicht. Zhive Kremshovski präsentiert ein gelungenes Porträt von Nathan Detroit, wie er spitzbübisch mal verschwörerisch und dann doch wieder unschuldig-ratlos daherkommt. Sein Nathan ist verzweifelt und nervenzerrüttet und lässt dabei keinen Lacher verkommen. An seiner Seite erweist sich Franziska Becker in der Rolle von Nathans Dauerverlobten Miss Adelaide als begnadete Komödiantin. Sie dosiert ihren Humor mit einem tollen Timing und singt mit rasanter Überzeugung.

Nicky Wuchinger gibt einen idealen Sky Masterson – herrlich schlitzohrig, äußerst bodenständig und dabei auch noch unglaublich charmant. Doch er überzeugt keinesfalls nur mit Charme und Aussehen, sondern ebenso gesanglich mit seinem samtenen hohen Bariton. Dabei hat er die Macht, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Susanne Seimel steht ihm als Heilsarmee-Sergeantin Sarah Brown in nichts nach. Sie singt mit glockenklarer Stimme und schafft es, ihre größtenteils eigentlich eher prüde und langweilige Figur interessant zu machen.

Eine urkomisches Spieler-Dreiergespann geben außerdem Tobias Stemmer als Super-Super Johnson, Timothy Roller als Benny Banana und Peter Diebschlag als Rusty Charlie ab. Sie spielen sich hervorragend die komödiantischen Bälle zu und empfehlen sich als unverzichtbare Sidekicks. In weiteren Nebenrollen ragen Peter Wittig als Arvide Abernathy und Ulrika Bäume als General Cartwright heraus.

So beweist man in Magdeburg schlussendlich, dass es sich bei „Guys and Dolls“ um eine rundherum gelungene musikalische Komödie handelt, die trotz ihrer buchbedingten Längen gut unterhält und so wunderbare Musik besitzt, dass sich künftig noch mehr Theater im deutschsprachigen Raum diesem Werk annehmen sollten.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

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