„Footloose“ in Meppen (Foto: Dominik Lapp)
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Mit Schwung und Herz: „Footloose“ in Meppen

Wenn in Bomont das Tanzen verboten ist, dauert es nicht lange, bis der Rhythmus dennoch seinen Weg findet. Die Freilichtbühne Meppen bringt mit „Footloose“ einen Musicalklassiker auf die Bühne, der auch mehr als 40 Jahre nach dem gleichnamigen Kinofilm nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat.

Regisseurin und Choreografin Iris Limbarth setzt dabei auf eine temporeiche, stimmige Inszenierung, die den Stoff von Tom Snow (Musik), Dean Pitchford (Buch und Songtexte) und Walter Bobbie (Buch) nicht künstlich modernisieren will, sondern seine zeitlosen Themen – den Konflikt zwischen Tradition und Freiheit, Generationen und Selbstbestimmung – in den Mittelpunkt rückt. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger Abend, der vor allem von einem spielfreudigen Ensemble lebt.

Schon das Bühnenbild von Britta Lammers macht deutlich, dass das Publikum mitten in der amerikanischen Kleinstadt Bomont angekommen ist. Die Häuserfassaden mit Kirche und Diner schaffen einen glaubwürdigen Schauplatz, der durch seine Wandelbarkeit verschiedene Spielorte entstehen lässt. Dazu passen die Kostüme von Heike Korn, die den Figuren eine authentische Optik verleihen und insbesondere beim großen Abschlussball noch einmal mit viel Liebe zum Detail überzeugen.

Musikalisch verlässt sich die Produktion auf die bekannten Hits wie „Holding out for a Hero“, „Almost Paradise“ oder den Titelsong „Footloose“. Die Musik ist zwar nicht live, doch unter der Musikalischen Leitung von Jason Weaver präsentiert sich das Ensemble gesanglich gut einstudiert und sorgt dafür, dass die eingängigen Nummern ihre Wirkung entfalten.

„Footloose“ in Meppen (Foto: Dominik Lapp)

Iris Limbarths Choreografie greift die Energie der Songs auf, wirkt abwechslungsreich und fügt sich organisch in die Handlung ein. Gerade die großen Tanzszenen entwickeln dadurch die Leichtigkeit, die dieses Musical auszeichnet.

Im Mittelpunkt steht Leonard Linzer als Ren McCormack. Er verleiht der Hauptfigur eine Mischung aus jugendlichem Trotz, Charme und Verletzlichkeit. Sein Ren wirkt glaubwürdig als Großstadtjunge, der sich gegen die starren Regeln der Kleinstadt auflehnt, dabei aber nie zum bloßen Rebellen wird. Gesanglich überzeugt Linzer ebenso wie mit seiner sicheren Bühnenpräsenz und führt souverän durch den Abend.

Lucia Prader gestaltet Ariel Moore als selbstbewusste junge Frau, die sich nicht auf die Rolle der gehorsamen Pfarrerstochter reduzieren lässt. Sie verbindet Temperament mit einer sympathischen Ausstrahlung und entwickelt gemeinsam mit Linzer eine glaubhafte Bühnenchemie. Ihre großen Gesangsmomente gelingen ebenso wie die leiseren Szenen, in denen Ariel zwischen familiären Erwartungen und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben steht.

Thomas Hüstermann gibt Reverend Shaw Moore die notwendige Autorität, vermeidet dabei jedoch eindimensionale Strenge. Seine Darstellung macht nachvollziehbar, weshalb der Geistliche so verbissen an dem Tanzverbot festhält. Gleichzeitig lässt er immer wieder erkennen, dass hinter der harten Fassade ein Vater steht, der mit einem schweren Verlust ringt. Julia Felthaus ergänzt dieses Spannungsfeld als Vi Moore mit großer Wärme und ebenso großer Stimme. Sie vermittelt zwischen den Fronten und verleiht ihrer Figur eine ruhige Stärke, die dem familiären Konflikt zusätzliche Glaubwürdigkeit gibt.

„Footloose“ in Meppen (Foto: Dominik Lapp)

Zum heimlichen Publikumsliebling entwickelt sich Florian Lake als Willard Hewitt. Mit einem beeindruckenden komödiantischen Gespür sorgt er immer wieder für die größten Lacher des Abends. Sein Spiel lebt von perfektem Timing, herrlich unbeholfenen Momenten und einer liebenswerten Natürlichkeit. Gerade seine Entwicklung vom schüchternen Außenseiter zum selbstbewussteren jungen Mann zählt zu den Höhepunkten der Aufführung und wird vom Publikum mit sichtlicher Begeisterung aufgenommen.

Auch Deborah Pante nutzt als Rusty jede Gelegenheit, ihrer Figur Witz, Charme und Energie zu verleihen. Ihre Auftritte bringen zusätzliche Dynamik in das Geschehen und setzen gemeinsam mit Lake einige der unterhaltsamsten Akzente des Abends. Jörn Tallen verkörpert Chuck Cranston überzeugend als großspurigen Gegenspieler, dessen aggressives Auftreten den Konflikt mit Ren wirkungsvoll zuspitzt.

Auch die weiteren Mitwirkenden tragen zum geschlossenen Gesamteindruck bei. Heike Wösten gestaltet Rens Mutter Ethel McCormack sympathisch, Maja Pater als Urleen und Pauline Brauer als Wendy Jo ergänzen das Freundinnen-Trio mit viel Spielfreude. Wiebke Billek, Annemarie Heidemann und Paula Pater setzen als Girl-Trio gesanglich gelungene Akzente, während Niko Hüser und Inge Tibben als Countrysänger das amerikanische Kleinstadtflair zusätzlich unterstreichen.

So entsteht eine Produktion, die ihre größte Stärke im harmonischen Zusammenspiel aller Gewerke findet. Regie, Choreografie, Ausstattung und Ensemble greifen ineinander und erzählen die Geschichte mit Schwung und Herz. Die Freilichtbühne Meppen beweist mit „Footloose“, dass der Musicalklassiker auch unter freiem Himmel bestens funktioniert.

Text: Dominik Lapp

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Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".