„Der kleine Horrorladen“ (Foto: Dominik Lapp)
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Stark: „Der kleine Horrorladen“ in Datteln

Das Musical „Der kleine Horrorladen“ gilt an Stadt- und Staatstheatern längst als gern und regelmäßig gespielter Klassiker seines Genres. Für ein kleines privates Haus wie das KATiELLi Theater in Datteln mit seinen 114 Sitzplätzen stellt das Werk von Alan Menken (Musik) und Howard Ashman (Buch und Songtexte) die bislang wohl aufwändigste Produktion dar, die aufgrund einer stimmigen Inszenierung von Katharina Koch und Bernd Julius Arends sowie einer starken Cast durchweg überzeugen kann.

Musikalisch wartet das Stück mit vielen eingängigen Melodien auf. Alan Menken hat eine stilistisch breit gefächerte Partitur geschaffen, die sich zwischen Pop-Balladen, Motown, Rock und Soul bewegt. Für einen satten Sound sorgt die Band unter der Leitung von Henning Franzel, der immerzu das passende Tempo vorgibt.

Katharina Koch und Bernd Julius Arends leisten sich mit ihrer Inszenierung keine großen Experimente, sondern erzählen die Handlung werkgetreu und stringent. Die Skid Row – das schäbige Stadtviertel, in dem das Stück spielt – wird durch ein aufwändiges und extrem detailverliebtes Bühnenbild auf zwei Ebenen dargestellt, die Kostüme orientieren sich an der Mode der Fünfzigerjahre und die spritzige Choreografie von Susanne Hayo bringt eine fabelhafte Dynamik ins Geschehen.

In den Hauptrollen sind mit Fynn Duer-Koch (Seymour) und Steffi Regner (Audrey) zwei Ausnahmetalente zu sehen, die exzellent miteinander harmonieren. Duer-Koch verleiht seinem Seymour eine tollpatschig-liebenswerte Kontur, ist glaubwürdig im Schauspiel und makellos im Gesang. An seiner Seite erweist sich Steffi Regner als wandelbare Darstellerin. Sie harmoniert exzellent mit Fynn Duer-Koch und singt die Partie der Audrey einwandfrei. Ihr Solo „Im Grünen irgendwo“ präsentiert sie als starke Hymne auf Audreys Sehnsüchte und Träume. Schauspielerisch gibt Regner nicht einfach das naive Dummchen, sondern eine unterdrückte junge Frau, die im Verlauf der Handlung zunehmend an Selbstwertgefühl gewinnt.

Alexander Ruttig tritt dagegen brillant und extrem unsympathisch (wie es sein muss!) als sadistischer Zahnarzt Orin auf und lebt diese Rolle förmlich. Als Mr. Mushnik steht Theaterleiter und Regisseur Bernd Julius Arends auf der Bühne, der ein ausgezeichnetes Profil des anfangs erfolglosen Blumenladen-Besitzers zeichnet und alle komischen Momente voll auskostet. Als eine Art Erzählerinnen führen Stefanie Kirsten (Ronnette), Ricarda Gernhardt (Crystal) und Laura Brümmer (Chiffon) durch die Handlung, erzählen und kommentieren mit klangschönen Stimmen die Story. Nicht unerwähnt bleiben darf zudem die aufwändig gestaltete Pflanze Audrey II, gespielt von Claudio Pasquale Meyer sowie eindrücklich gesprochen und gesungen von Adrian Kroneberger.

Schlussendlich beweisen die KATiELLi-Macher mit dem Musical „Der kleine Horrorladen“ einmal mehr, dass es sich bei ihrer Institution im Ruhrgebiet längst nicht mehr um einen Geheimtipp handelt, sondern um ein etabliertes Off-Theater, das allzeit sehenswerte Musicalproduktionen auf die Bühne bringt. Stark!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".